Daten erzählen Geschichten. Jure Leskovec

Leugner in Lima

Klimaretter ahnen, dass ihr riesiger Wanderzirkus, ihre mächtige Propaganda und ihr bürokratischer Apparat letztlich nichts bewirken. Aber sie leugnen dies lieber, als sich echten Lösungen zuzuwenden.

Interessiert sich eigentlich irgendjemand noch für den permanenten Kimaschutzkonferenzenwanderzirkus rund um die Welt?

Gestern ging die UN-Klimakonferenz in Lima zu Ende. Sie dient der Vorbereitung der Klimakonferenz im nächsten Jahr in Paris. Im November gaben auf dem APEC-Gipfel in Peking die USA und China ihre gemeinsamen Klimaziele bekannt. Im September fand der Klimagipfel in New York statt. Er diente der Vorbereitung der Klimakonferenz in Lima. Im Juni bereitete man diese auch schon auf der halbjährlichen UN-Klimakonferenz in Bonn vor. Im nächsten Jahr wird es gerade so weiter gehen. Eines wird man sich dabei wohl nie eingestehen: dass hier eine Gemeinde von Leugnern um den Globus reist, die einer Illusion nachjagt.

Es gibt in der Klimadebatte zwei Arten von Leugnern. Die einen sind die bösen. Sie leugnen den menschengemachten Klimawandel. Es sind nur sehr wenige. Deshalb werden gerne auch noch alle Kritiker der Energiewende ihrem Lager zugeschlagen. Die zweiten sind zahlreicher. Sie leugnen die Nutzlosigkeit des Klimaschutzes und die Tatsache, dass dieser vor allem aus teurem und wirkungslosem Aktivismus besteht. Diese zweite Gruppe bezeichnet sich selbst als Klimaschützer, manche wollen sogar gerne „Klimaretter“ sein. Sind sie aber nicht.

Man muss der Realität ins Auge sehen. Die Realität ist, dass Milliarden Menschen arm sind und der Königsweg aus der Armut billige Energie ist. Die Realität ist, dass billige Energie überall auf der Welt heute und in Zukunft für alle Menschen einen Vorteil bietet. Die Forderung, darauf zu verzichten, ist nicht nur unanständig, sondern illusionär. Umweltministerin Hendricks hält die Unterscheidung zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern für „nicht mehr zeitgemäß.“ Sie hält trotzig und anmaßend an der Hoffnung fest, die unwilligen Schwellen- und Entwicklungsländer würden endlich einsehen, dass sie ihren Wohlstand nicht nach Kräften steigern dürfen. Applaus erhielt in diesem Sinne China, das jüngst aufgehört hat, sich gegen die Forderungen nach mehr Klimaschutz zu wenden und bekannt gab, ab 2030 Treibhausgase reduzieren zu wollen. Nachgegeben hat das Riesenreich damit nicht. Die Botschaft lautet: Wir mauern nicht, wir warten nur ab, bis wir reich genug sind.

Forschung statt Klimaschutzaktivismus

Deutschland und einige Mitstreiter mögen für die große Operation Klimarettung in den nächsten Jahrzehnten Billionen ausgeben, wenn es denn tatsächlich so kommt. An den globalen Emissionen wird sich dadurch prozentual wenig ändern. Der Anstieg der globalen Temperatur, wenn er denn so verläuft, wie die heutigen Modelle es prognostizieren, wird vielleicht um ein Zehntel Grad geringer ausfallen. Denn die Vorstellung, der globale Energieverbrauch werde mittelfristig sinken, ist glücklicherweise irreal. Um das relativ moderate Niveau des deutschen Verbrauchs von heute zu erreichen, müsste die Energieerzeugung für die rund zehn Milliarden Menschen im Jahr 2050 etwa dreimal so hoch sein wie heute. Zu hoffen, dass das nicht passieren wird, heißt zu hoffen, dass die Armut konserviert wird.

Klimaretter ahnen, dass ihr riesiger Wanderzirkus, ihre mächtige Propaganda und ihr bürokratischer Apparat letztlich nichts bewirken. Deshalb hoffen sie insgeheim, dass die Technologie es am Ende richten wird, dass erneuerbare Energien billiger werden als fossile. „Eine Solarenergie, die überall marktfähig wird, ist das größte Geschenk für die Welt. Daran hat Deutschland einen wichtigen Anteil. Schließlich waren wir es, die die Kosten für Forschung, Entwicklung und Erprobung der Solarenergie vorgeschossen haben“, verkündet fromm und selbstzufrieden Barbara Hendricks in Lima und es klingt, als komme das Geschenk zwar aus Deutschland, stamme aber in Wirklichkeit vom lieben Gott. Das ist eine grobe Verdrehung der Tatsachen. Das Geschenk ist eine Mogelpackung. Solarenergie ist noch lange nicht wettbewerbsfähig. Und wir geben statt für Forschung Unsummen für die Subventionierung von Solarzellen auf Scheunendächern aus, die eher nie als bald die Kosteneffizienz von Kohle erreichen werden.

Wer eine bessere Welt will, sollte nicht versuchen, mit unzulänglichen Mitteln das Klima im nächsten Jahrhundert zu beeinflussen, sondern sich um die Armut heute kümmern. Es geht kein Weg an billiger Energie vorbei. Wir brauchen Vertrauen in die nachfolgenden Generationen, Wege zu finden, mit dem Klima, wie auch immer es sich entwickelt, zurecht zu kommen. Wir müssen in Forschung investieren statt in Klimaschutzaktivismus. Wir müssen aufhören, mit der doppelten Leugnung, die darin besteht, die Probleme von heute zu ignorieren und zu glauben, man könne stattdessen die Probleme von morgen lösen.

Um den Wallfahrtscharakter zu stärken, wird es im nächsten Jahr auch einen Ökumenischen Pilgerweg zur UN-Klimakonferenz von Flensburg über Trier nach Paris geben. Ein EU-Verhandler spricht dagegen in Hinblick auf die in Paris zu erwartenden nicht verbindlichen Absichtserklärungen zu Recht vom „Ende der Erlösungsfantasien.“

Dafür ist es jetzt wirklich Zeit.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Thomas Jahn, Daniel Klingenfeld, Konrad Kleinknecht.

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