Die Helden einer Revolution sind immer die mutigen Menschen vor Ort. Srdja Popovic

Giftalarm? Fehlalarm!

Erst kam die Muttermilch, jetzt geht es an das Bier. Die Grünen starten die Anti-Glyphosat Kampagne. Doch diese Kampagne ist lächerlich… Dieser Diskussionsbeitrag aus 2015 zeigt den Glyphosat-Wahnsinn.

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Die Grünen warnen vor dem Herbizid Glyphosat. Sie haben die Milch von 16 stillenden Müttern untersuchen lassen und sind dabei fündig geworden. Die Meldung ging über dpa und ist heute in den Online-Angeboten aller großen Medien. Die Überschriften lauteten: „Glyphosat in Muttermilch-Proben – Grüne schlagen Alarm“, „Risikostoff in der Muttermilch: Grüne schlagen Glyphosat-Alarm“, „Grüne schlagen Alarm: Giftstoff Glyphosat in Muttermilch“, u.ä.

In den USA hat das gleiche Spiel schon vor einem Jahr stattgefunden. Die Organisationen „Moms Across America“ und „Sustainable Pulse“ veröffentlichten im April 2014 den Report „World’s Number 1 Herbicide Discovered in U.S. Mothers’ Breast Milk“. In drei von insgesamt zehn Proben wurde Glyphosat gefunden. Die Konzentrationen lagen bei 76 bis 166 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) und damit deutlich unter dem in den USA geltenden Grenzwert von 700 ng/ml für Trinkwasser.

Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil

Bei den deutschen Müttern wurden nun im Auftrag der Grünen verschwindend geringe Glyphosat-Mengen zwischen 0,210 und 0,432 ng/ml gemessen. In Deutschland gilt für die Aufnahme von Glyphosat durch die Nahrung ein im internationalen Vergleich niedriger Grenzwert (ADI-Wert) von 0,3 mg/kg Körpergewicht (siehe Bundesinstitut für Risikobewertung).

Ein vier Kilogramm schwerer Säugling der am stärksten belasteten deutschen Mutter müsste demnach 2.778 Liter Muttermilch pro Tag trinken, um den Grenzwert zu überschreiten. Nähme man den Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation wären es sogar 9.260 und beim US-Grenzwert 16.200 Liter. Der ADI-Wert in den USA wird so festgelegt, dass er bei einem Hundertstel dessen liegt, was bei dem am empfindlichsten reagierenden Tiermodell noch sicher ist. Damit wären wir dann bei über 1,6 Millionen Liter Muttermilch am Tag, um eventuell mit einem negativen gesundheitlichen Effekt rechnen zu müssen.

Unkritische Medien

Man muss sich fragen: Wie schafft es so eine Meldung in alle Medien von „FAZ“ über „Welt“ und „Focus“ bis Deutschlandradio und ntv? Ganz einfach: Die Grünen haben natürlich nicht auf den Grenzwert für die akzeptable tägliche Aufnahme hingewiesen, sondern auf den deutschen Grenzwert für Trinkwasser. Der liegt bei 0,1 ng/ml, also 7.000-mal niedriger als der amerikanische. Und er wurde offensichtlich nicht deshalb so festgelegt, weil eine Überschreitung irgendeine Gefahr darstellen würde, sondern weil man hier dem Grundsatz „Nicht höher als nötig“ folgt. Offenbar ist es hierzulande kein Problem, Trinkwasser extrem sauber zu halten, daher sind die Grenzwerte eben auch extrem niedrig. Diese Tatsache wird leider immer wieder schamlos ausgenutzt, um stillende Mütter und andere Menschen zu verunsichern.

Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Thilo Spahl: Energiesparmodus für Griechenland

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