Giftalarm? Fehlalarm!

Thilo Spahl25.02.2016Medien, Wissenschaft

Erst kam die Muttermilch, jetzt geht es an das Bier. Die Grünen starten die Anti-Glyphosat Kampagne. Doch diese Kampagne ist lächerlich… Dieser Diskussionsbeitrag aus 2015 zeigt den Glyphosat-Wahnsinn.

Die Grünen warnen vor dem Herbizid Glyphosat. Sie haben die Milch von 16 stillenden Müttern untersuchen lassen und sind dabei fündig geworden. Die Meldung ging über dpa und ist heute in den Online-Angeboten aller großen Medien. Die Überschriften lauteten: „Glyphosat in Muttermilch-Proben – Grüne schlagen Alarm“, „Risikostoff in der Muttermilch: Grüne schlagen Glyphosat-Alarm“, „Grüne schlagen Alarm: Giftstoff Glyphosat in Muttermilch“, u.ä.

In den USA hat das gleiche Spiel schon vor einem Jahr stattgefunden. Die Organisationen „Moms Across America“ und „Sustainable Pulse“ veröffentlichten im April 2014 den “Report(Report)”:http://www.momsacrossamerica.com/glyphosate_testing_results „World’s Number 1 Herbicide Discovered in U.S. Mothers’ Breast Milk“. In drei von insgesamt zehn Proben wurde Glyphosat gefunden. Die Konzentrationen lagen bei 76 bis 166 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) und damit deutlich unter dem in den USA geltenden Grenzwert von 700 ng/ml für Trinkwasser.

Wer rechnen kann, ist klar im Vorteil

Bei den deutschen Müttern wurden nun im Auftrag der Grünen verschwindend geringe Glyphosat-Mengen zwischen 0,210 und 0,432 ng/ml gemessen. In Deutschland gilt für die Aufnahme von Glyphosat durch die Nahrung ein im internationalen Vergleich niedriger Grenzwert (ADI-Wert) von 0,3 mg/kg Körpergewicht (siehe “Bundesinstitut für Risikobewertung(Bundesinstitut für Risikobewertung)”:http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zur_gesundheitlichen_bewertung_von_glyphosat-127823.html).

Ein vier Kilogramm schwerer Säugling der am stärksten belasteten deutschen Mutter müsste demnach 2.778 Liter Muttermilch pro Tag trinken, um den Grenzwert zu überschreiten. Nähme man den Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation wären es sogar 9.260 und beim US-Grenzwert 16.200 Liter. Der ADI-Wert in den USA wird so festgelegt, dass er bei einem Hundertstel dessen liegt, was bei dem am empfindlichsten reagierenden Tiermodell noch sicher ist. Damit wären wir dann bei über 1,6 Millionen Liter Muttermilch am Tag, um eventuell mit einem negativen gesundheitlichen Effekt rechnen zu müssen.

Unkritische Medien

Man muss sich fragen: Wie schafft es so eine Meldung in alle Medien von „FAZ“ über „Welt“ und „Focus“ bis Deutschlandradio und ntv? Ganz einfach: Die Grünen haben natürlich nicht auf den Grenzwert für die akzeptable tägliche Aufnahme hingewiesen, sondern auf den deutschen Grenzwert für Trinkwasser. Der liegt bei 0,1 ng/ml, also 7.000-mal niedriger als der amerikanische. Und er wurde offensichtlich nicht deshalb so festgelegt, weil eine Überschreitung irgendeine Gefahr darstellen würde, sondern weil man hier dem Grundsatz „Nicht höher als nötig“ folgt. Offenbar ist es hierzulande kein Problem, Trinkwasser extrem sauber zu halten, daher sind die Grenzwerte eben auch extrem niedrig. Diese Tatsache wird leider immer wieder schamlos ausgenutzt, um stillende Mütter und andere Menschen zu verunsichern.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Der Ausschluss von Stephan Brandner ist ein klares Signal gegen Hetze und Hass

Stephan Brandner von der AfD hat Menschen ausgegrenzt und Hass geschürt. Nun muss er seinen Posten aufgeben - die Abgeordneten des Rechtsausschusses haben ihren Vorsitzenden abgewählt. Einen vergleichbaren Fall hatte es bislang in der Geschichte des Bundestages noch nicht gegeben.

Der Erfolg der AfD liegt in der Austauschbarkeit der Altparteien

30 Jahre nach der Friedlichen Revolution wurde in Thüringen gewählt. Zum dritten Mal in diesem Jahr kann die AFD zum Entsetzen von Medien und Politik einen Wahlerfolg in „Dunkeldeutschland“ (Gauck) feiern. Die linke Mehrheit ist gebrochen, die SPD liegt bei 8,2 %, die AfD macht als zweite Kraf

Kritik am „grünen Expertentum“ gilt als Blasphemie

Kritik am „grünen Expertentum“ gilt als Blasphemie und soll also am liebsten aus den Medien verbannt werden. Zu groß scheint die Angst, als Gaukler entlarvt zu werden.

Wir müssen wieder miteinander streiten lernen

Es hat lange gedauert, aber nun haben auch die liberalen Blätter endlich erkannt, dass etwas schief gelaufen ist mit dem „Haltung zeigen“. Als ich es wagte, ein Buch mit dem Titel „Wir können nicht allen helfen“ zu veröffentlichen, begrüßte mich die Kreuzberger Grünen-Abgeordnete auf d

Wir müssen den Rechtsstaat vor seiner Opferung auf dem Altar der Hypermoral bewahren

Die Geschichte lehrt, wie man sie fälscht, ist mein Lieblingsbonmot des polnischen Satirikers Stanisław Jerzy Lec, das ein Dilemma auf den Punkt bringt. Geschichte wird immer wieder umgeschrieben, so wie es den jeweiligen Inhabern der Deutungshoheit gefällt. Wir erleben gerade in diesen Tagen wie

Nächstenliebe geht anders!

Nächstenliebe geht anders! Alle EU-Abgeordneten von CDU/CSU haben gegen eine Resolution zur Beendigung des Sterbens im Mittelmeer gestimmt. Mit Rechtspopulisten und -extremen haben sie diesen Aufruf zur Menschenrettung mit einer neuen europäischen Seenotrettung und für die Entkriminalisierung der

Mobile Sliding Menu