Horst Köhler hat heiße Eisen angefasst

von Theo Waigel11.04.2010Innenpolitik

In der Debatte um den Bundespräsidenten bricht Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel eine Lanze für seinen alten Weggefährten Horst Köhler: Die Parteipolitiker in Deutschland seien ihm bei seinen Visionen leider nicht gefolgt. Besonders lobt er dessen Unabhängigkeit und seine Solidarität mit Schwächeren.

Bundespräsident Horst Köhler ist der richtige Mann zur rechten Zeit für dieses Amt. Gerade in der Finanzkrise ist es ein Glück für Deutschland, Europa und die globale Welt, dass ein Fachmann, der die internationale Finanzwelt kennt, die Probleme Osteuropas aus der Tätigkeit bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung detailliert kennt und als Managing Director des Internationalen Währungsfonds bestmögliche Erfahrungen gesammelt hat, an der Spitze Deutschlands steht. Nur Horst Köhler konnte es gelingen, in dieser Zeit den früheren Präsidenten der FED, Paul Volcker, und andere hoch erfahrene Experten nach Berlin zu holen.

Köhler hat heiße Eisen angefasst

Der große Vorteil von Horst Köhler ist seine Unabhängigkeit. Er verdankt keiner Partei und keiner Gruppierung seinen persönlichen, beruflichen und politischen Werdegang. Er wurde geholt und gebraucht wegen seiner Kompetenz und hat sich nie aufgedrängt. Er hat gerade in den letzten Monaten heiße Eisen angestoßen und zur Diskussion gebracht, zum Beispiel die Tragfähigkeit des Finanz- und Sozialsystems. Er hat im letzten Jahr die Rolle Deutschlands in Europa und die weitere Entwicklung Europas als Projekt beschrieben. Leider sind ihm die Parteipolitiker in Deutschland bei seinen Visionen nicht gefolgt. Köhlers Denken und Aussagen durchziehen immer wieder die Verbindung von Leistung in einer sozialen Marktwirtschaft und Solidarität gegenüber den Schwächeren in der Gesellschaft. Kein Bundespräsident seit 1949 hat sich so mit den Problemen behinderter Menschen in unserer Gesellschaft beschäftigt und sich persönlich engagiert. Kein Bundespräsident vor ihm hat die Paralympischen Spiele besucht und damit seine Solidarität zu diesen Sportlern zum Ausdruck gebracht. Sein Tun und Denken ist bestimmt durch das Ermutigen und Anschieben von mitmenschlichen Aktivitäten in unserer Gesellschaft.

Streben nach mehr Sinnvermittlung

Köhler weiß, dass der Staat nicht alles leisten kann, ja nicht einmal angesichts der Demografie das bisherige Leistungsniveau halten kann. Sein Streben und seine Zielsetzung bestehen darin, mehr mitmenschliche Aktivität, Zuwendung, mehr Sinnvermittlung und innere Zufriedenheit gegenüber dem bloßen Schielen auf ökonomisches Wachstum zu setzen. Die Erfahrungen Horst Köhlers an den Wegmarken deutscher Politik bei der Wiedervereinigung und beim Entwurf des Vertrags von Maastricht und seine weltweiten Erfahrungen befähigen ihn, die Krise unserer Zeit intensiver zu erkennen und Wege aus der Krise zu weisen. Das ist die große Rolle und die große Aufgabe, der sich Horst Köhler in den nächsten vier Jahren stellen wird.

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