Deutlicher Rückgang bei Erdgasverbrauch | The European

Deutscher Energieverbrauch sinkt 2022 um 2,7 Prozent 

The European3.11.2022Medien, Politik, Wirtschaft

Der Ukraine-Krieg hat eine deutsche Energiekrise ausgelöst. Privathaushalte wie Industrie reagieren auf die stark gestiegenen Preise mit Einsparungen und Produktionsdrosselungen. Die Kohlenutzung steigt sprunghaft. Die neuen Zahlen zeigen Erstaunliches. Von The European

steel long pipes in crude oil factory during sunset

Quelle: Shutterstock, Kodda

Der Energieverbrauch in Deutschland wird 2022 voraussichtlich um 2,7 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres liegen. Zu dieser Einschätzung kommt die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AG Energiebilanzen) auf Grundlage der aktuellen Daten zum Energieverbrauch der ersten neun Monate des laufenden Jahres. Die AG Energiebilanzen rechnet für 2022 mit einem Gesamtverbrauch von 12.040 Petajoule oder 410,9 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (SKE).

Der Rückgang des Energieverbrauchs ist auch deshalb erstaunlich, weil die Zunahme der Bevölkerung um etwa 900.000 Menschen (plus 1,1 Prozent) eigentlich verbrauchssteigernd wirkt.

Doch die drastisch gestiegenen Energiepreise führten dagegen sowohl zu kurzfristigen, verhaltensbedingten Einsparungen sowie zu mittel- bis langfristigen Investitionen in die Energieeffizienz. Auch hat die Industrie Produktionen gedrosselt oder ins Ausland verlagert. Mehrere Industrieverbände warnen seit Monaten vor einer drohenden „De-Industrialisierung“ Deutschlands infolge hoher Energiepreise. Alleine der Kohlebedarf der Stahlindustrie verminderte sich vor dem Hintergrund einer rückläufigen Eisen- und Stahlproduktion um 4,7 Prozent.

Einen verbrauchssenkenden Effekt hatte zudem die im Vergleich zum Vorjahr sowie gegenüber dem langjährigen Durchschnitt mildere Witterung. Insgesamt erreichte die Energienachfrage bis Ende September 2022 ein Niveau 292,2 Mio. t. SKE. Unter Ausschaltung des Witterungseinflusses wäre der Primärenergieverbrauch in den ersten neun Monaten des Jahres um 2,2 Prozent gesunken, bereinigt um den Einfluss der Witterung sowie von Lagerbestandsbewegungen beträgt die Minderung 1,6 Prozent.

Der Verbrauch von Mineralöl erhöhte sich in den ersten drei Quartalen 2022 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,2 Prozent auf 101,7 Mio. t SKE.

Während der Verbrauch von Ottokraftstoff um knapp 4 Prozent zunahm, verharrte der Verbrauch von Dieselkraftstoff etwa auf dem Vorjahresniveau (minus 0,2 Prozent). Der Verbrauch von Flugkraftstoff stieg um 48,5 Prozent. Wesentliche Ursache für den Verbrauchsanstieg ist die gesteigerte Nachfrage bei der individuellen Mobilität auf der Straße und in der Luft durch Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Der Absatz von leichtem Heizöl nahm vor allem aufgrund höherer Nachfrage aus der Industrie um rund 13 Prozent zu. Die Lieferungen von Rohbenzin an die chemische Industrie waren um knapp 4 Prozent höher.

Der Erdgasverbrauch ging in den ersten drei Quartalen 2022 um gut 12 Prozent auf 69,0 Mio. t SKE zurück. Hauptursache dieser Entwicklung war neben der vergleichsweise milden Witterung das hohe Preisniveau für Erdgas.

Der Verbrauch an Steinkohle nahm im Berichtszeitraum um knapp 12 Prozent auf 29,0 Mio. t. SKE zu. Infolge einer spürbar gestiegenen Stromerzeugung erhöhte sich der Brennstoffeinsatz in den Steinkohlekraftwerken um etwa 32 Prozent. Zum einen verbesserte sich die Wettbewerbsfähigkeit der Steinkohlestromerzeugung gegenüber Gaskraftwerken, außerdem ersetzte Strom aus Steinkohle auch Erzeugung aus Wasserkraft und Kernenergie.

In den ersten drei Quartalen des Jahres 2022 lag der Primärenergieverbrauch von Braunkohle mit 29,5 Mio. t SKE um 8 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraumes. Die Stromerzeugung aus Braunkohle schaffte damit einen Ausgleich zu der in geringerem Maße zur Verfügung stehenden Stromerzeugung auf Basis anderer Energieträger.

Die Stromerzeugung aus Kernenergie ging in den ersten drei Quartalen 2022 verglichen mit dem Vorjahresquartal um rund die Hälfte zurück. Der starke Rückgang ist auf die planmäßige Abschaltung der Blöcke Grohnde, Brokdorf und Gundremmingen C zum 31.12.2021 zurückzuführen.

Der Beitrag der erneuerbaren Energien stieg in den ersten neun Monaten um 4,2 Prozent auf 50,5 Mio. t. SKE an.

Zu diesem Ergebnis trugen vor allem die Stromerzeugung aus Wind (plus 15 Prozent) sowie Sonne (plus 23 Prozent) bei. Die Biomasse blieb witterungsbedingt um rund 2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Auch die Stromerzeugung aus Wasserkraft verringerte sich.

Die energiebedingten CO₂-Emissionen nahmen in den ersten drei Quartalen des Jahres 2022 nach Schätzung der AG Energiebilanzen trotz des gesunkenen Gesamtverbrauchs aufgrund von Substitutionseffekten im Energiemix hin zu CO₂-intensiveren Energieträgern um rund 2 Prozent gegenüber der Vorperiode zu. Für das Gesamtjahr rechnet die AG Energiebilanzen mit einem Anstieg der energiebedingten CO₂-Emissionen um gut ein Prozent.

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