Erfolg kann auch Verführung sein und kann so den Weg auftun für die Verfälschung des Rechts, für die Zerstörung der Gerechtigkeit. Joseph Ratzinger

Deutsche Börse stellt „Roadmap 2020“ vor

Dreiklang aus organischem Wachstum, gezielten Akquisitionen und Investitionen in Zukunftstechnologien / Senkung der strukturellen Kosten um rund 100 Millionen Euro bis 2020 / Investitionen von einer Viertelmiiliarde in Technologie und Zukunftsjobs

Die Deutsche Börse AG hat auf ihrem jährlichen Investor Day in London am 30. Mai 2018 Details ihrer Strategie „Roadmap 2020“ vorgestellt. Im Fokus stehen die drei Stoßrichtungen organisches Wachstum, zielgerichtete Akquisitionen und Investitionen in innovative Technologien. Ziel ist es, die Stellung der Deutschen Börse als führender europäischer Infrastrukturanbieter für die Finanzmärkte mit globalen Wachstumsambitionen zu festigen und weiter auszubauen.

Wie die BÖRSE am Sonntag berichtet, sagte Theodor Weimer, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG: „Mit der ‚Roadmap 2020’ ist die Deutsche Börse für die Zukunft und Wachstum bestens gerüstet. Wir konzentrieren uns noch konsequenter auf die Skalierung unseres Geschäftsmodells und die Verbesserung unserer operativen Prozesse. Wir werden damit insgesamt schneller und effizienter. Das neue Vorstandsteam will die Stärke der Deutschen Börse als führender Finanzmarktinfrastrukturanbieter mit globalen Ambitionen ausbauen. Bis Ende 2020 wollen wir nicht nur ein effizienteres Unternehmen sein, sondern auch ein größeres mit mehr Mitarbeitern als heute.“

Ehrgeizige Effizienzziele

Um eine bessere Steuerung zu gewährleisten, hat die Deutsche Börse ihre Bereiche in neun Geschäftssegmente unterteilt, die die gesamte Wertschöpfungskette abbilden. Darüber hinaus will die Deutsche Börse ihre operative Effizienz erhöhen und die strukturellen Kosten senken. Dies bedeutet eine Verbesserung von Entscheidungsprozessen sowie die Verschlankung der Organisation mit dem Abbau von 350 Arbeitsplätzen, darunter 50 Führungskräfte. Die strukturellen Kosten sollen so bis Ende 2020 um rund 100 Millionen Euro sinken. Die Einmalkosten des Strategieprogramms liegen bei rund 200 Millionen Euro, die zum größten Teil 2018 anfallen werden. Die Einsparung der Kosten schafft Spielraum für Investitionen in Wachstum und Technologie. Die Deutsche Börse plant über die nächsten Jahre eine dreistellige Zahl neuer Stellen in Zukunftsbereichen zu schaffen und 270 Millionen Euro in Technologien zu investieren. Aktionäre sollen weiterhin im Rahmen der regulären Dividende mit 40 bis 60 Prozent des bereinigten Konzern-Periodenüberschusses am Erfolg der Deutschen Börse beteiligt werden.

Verantwortlich für die Umsetzung der Strategie ist das gesamte Vorstandsteam. Dieses wird mit Thomas Book (Trading-Geschäft) und Stephan Leithner (Post-Trading-Geschäft sowie Daten- und Indexgeschäft) ab dem 1. Juli 2018 sowie mit Christoph Böhm (Chief Information Officer und Chief Operating Officer) ab dem 1. November 2018 neu aufgestellt. Künftig wird der Vorstand der Deutschen Börse mit sechs Personen besetzt sein.

Die „Roadmap 2020“ beinhaltet als erste ihrer drei Stoßrichtungen eine verbesserte und beschleunigte Nutzung der bestehenden strukturellen sowie zyklischen Wachstumschancen. Die Deutsche Börse sieht vor allem die längerfristig anhaltende höhere Volatilität an den Märkten als zyklische Wachstumschance. Strukturelle Wachstumschancen sind unter anderem der Trend zu börslichem Handel und Clearing. Wachstumsmöglichkeiten bestehen über alle neun Geschäftsbereiche hinweg. Im Rahmen dieses Strategieprogramms plant die Deutsche Börse bis einschließlich 2020 einen organischen Anstieg der Nettoerlöse aus strukturellen Wachstumschancen von mehr als fünf Prozent pro Jahr. Hinzu kommen die erwarteten positiven zyklischen Effekte bei den Nettoerlösen. Insgesamt erwartet das Unternehmen auf dieser Basis für den bereinigten Periodenüberschuss ein durchschnittliches jährliches Wachstum von zehn bis 15 Prozent bis 2020.

Akquisitionen in Wachstumsbereichen

Die Strategie der Deutschen Börse sieht zweitens eine Stärkung des Geschäftes durch zielgerichtete Akquisitionen in fünf definierten Wachstumsbereichen vor. Diese beinhalten festverzinsliche Wertpapiere, Energieprodukte, Währungen, Dienste für Investmentfonds sowie Daten und Indizes. Voraussetzung für jede Transaktion ist ein spürbarer Mehrwert für das Unternehmen und die Aktionäre. Als Richtwert für die Investitionen wird dabei ein ROIC (Return on invested capital) von mehr als zehn Prozent nach drei bis fünf Jahren angesetzt.

Das dritte Kernelement der „Roadmap 2020“ bilden verstärkte Investitionen in die vier Schlüsseltechnologien Blockchain, Big Data-Analysen, Cloud sowie Robotik und Künstliche Intelligenz. Mittels Blockchain plant die Deutsche Börse neue Geschäftsfelder samt entsprechenden Gewinnen zu erschließen. Investitionen in Cloud-Technologien sowie Robotik und Künstliche Intelligenz sollen vor allem zur weiteren Effizienzsteigerung im bestehenden Geschäft dienen. Ziel der Investitionen in Big Data ist die Steigerung von Gewinn und Effizienz. Laufende Initiativen in diesen Bereichen werden weiter vorangetrieben und darüber hinaus ausgebaut. Insgesamt möchte die Deutsche Börse 270 Millionen Euro in Schlüsseltechnologien investieren.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Bündnis 90 Die Grünen, Oliver Götz, Oliver Götz.

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