Informationen sind ein wesentlicher Bestandteil von Konflikten. Luciano Floridi

Londonistan: Kirchen schließen, Moscheen sprießen

London ist Brennpunkt des Kulturkampfes gegen den modernen Islamismus geworden. Doch die Stadt unterwirft sich schleichend dem Islam. Schon macht das Wort „Londonistan“ die Runde

Die Kolumnistin der Times Melanie Phillips warnte als erste vor „Londonistan“, einer schleichenden Islamisierung der britischen Hauptstadt. London sei ein „Epizentrum“ des modernen Islamismus geworden. Und der Fluß, der durch „Londistan“ fließe heiße „Verleugnung“. Das gewaltige Dimension der islamistischen Aggression werde durch westliche Regierungen und durch die intellektuelle Klasse immer noch verleugnet und verharmlost.

Mittlerweile teilen immer mehr Experten auch aus dem muslimischen Umfeld die Sorge vor Londonistan. Laut Maulana Syed Reza Rizzi, einem der führenden islamischen Prediger in England ist "London islamischer als viele muslimische Länder zusammen“.

Der nigerianische Literatur-Nobekpreisträger Wole Soyinka bezeichnet England gar als "Jauchegrube und Brutstätte für fundamentalistische Muslime“. Die soziale Logik Großbritannien sei, es jeder Religion die offene Mission zu erlauben. „Das aber ist unlogisch, denn keine der anderen Religionen predigt apokalyptische Gewalt“.

427 Moscheen in London

Tatsächlich ist eine systematische Islamisierung der britischen Hauptstadt unübersehbar. Im Großraum Londons leben mittlerweile rund eine Million Muslime, ihre Zahl ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Auch der Bau von neuen Moscheen geht rasch voran. Das Orientierungsportal „Muslims in Britain“ zählt mittlerweile 427 Moscheen in London.

Dabei werden immer häufiger auch ehemalige Kirchen in Moscheen umgewandelt. Das Gatestone-Institut meldet: „Die Hyatt Vereinigungskirche wurde von der ägyptischen Gemeinde gekauft, um sie in eine Moschee umzuwandeln. Die St. Peterkirche wurde in eine Madinamoschee umgewandelt. Die Brick Lane Moschee wurde an der Stelle einer alten Methodistenkirche gebaut. Nicht nur Gebäude werden konvertiert, auch Menschen werden es. Die Zahl der Islamkonvertiten hat sich verdoppelt; oftmals hängen sie dem radikalen Islam an, wie es bei Khalid Masood war, dem Westminsterattentäter.“

Während die Moscheen in London sprießen und mit betenden Gläubigen voll sind, werden immer mehr christliche Kirchen geschlossen. Binnen 15 Jahren wurden in London 500 Kirchen aller Konfessionen verkauft, zu Restaurants, Privathäuser oder Event-Stätten umgewandelt oder eben religiös umgewidmet. Die noch bestehenden Kirchen leeren sich immer weiter. Die Daily Mail veröffentlichte Fotos von einer Kirche, die im Zentrum Londons nur wenige Meter von einer Moschee entfernt ist. Die Kirche von San Giorgio, ausgelegt für 1.230 Gläubige, hatte nur 12 Gottesdienstbesucher. Bei der Kirche von Santa Maria waren es 20. Bei den Moscheen hingegen reicht der Platz nie aus, häufig sammeln sich freitags die Betenden auf offener Straße vor den Moscheen zum Gebet.

Muslime jung, Christen alt

Laut Schätzungen sollen bis 2020 mindestens 683.000 Moslems bei den Gebeten mitmachen, während die Zahl der Christen, die zum wöchentlichen Gottesienst erscheinen auf 679.000 fallen wird. Ceri Peach von der Universität von Oxford sagte:
“Die neue kulturelle Landschaft ist in den englischen Städten angekommen; die homogene christliche Landschaft mit ihrer Staatsreligion ist auf dem Rückzug.”
Während die Hälfte der britischen Moslems jünger als 25 sind, so ist ein Viertel der Christen im Land über 65. Keith Porteous Wood, Direktor der nationalen sekulären Gesellschaft sagte: "In 20 Jahren wird es mehr aktive Moslems geben als Kirchgänger.“

Zum Entsetzen vieler Briten nimmt auch die Zahl der Schariagerichte in London zu. Mittlerweile sollen es mehr als 100 sein. Dort werden auf Basis des Koran Streitsachen geschlichtet und Rechtsauskünfte gegeben. Kritiker befürchten allerdings eine Unterwanderung der staatlichen Rechtsordnung und sehen insbesondere die Stellung der Frauen bedroht. Obwohl die Schariagerichte unverletzliche Menschenrechte ablehnen, breitet sich die Praxis immer weite raus. Das Aufkommen dieses Paralleljustizsystems wurde möglich dank des britischen Gesetz zum Schiedsgerichtswesen und dem System alternativer Streitschlichtung. Außerdem hat ausgerechnet das Oberhaupt der Anglikaner, Rowan Williams, überraschend die “unvermeidliche” Verbreitung der Scharia verteidigt. Wenn man ihre Elemente ins Zivilrecht übernähme, würde dies soziale Spannungen mindern, argumentierte der Erzbischof von Canterbury. Später nannte der ranghöchste englische Richter, Nicholas Phillips, die Scharia geeignet für die Schiedsgerichte, allerdings stellte er klar, dass das britische Recht Vorrang haben müsste.

Ein Reporter der Rheinischen Post berichtet: „Die Zentrale des Islamischen Scharia-Rats (ISC) in London unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von den schmucklosen zweistöckigen Wohnhäusern nebenan. Doch der Schein trügt: Hinter dem Aushängeschild des ISC verbirgt sich eine einflußreiche Institution – ein Netzwerk aus Dutzenden Scharia-Gerichten, in denen die Finanz- und Familienprobleme nach den Koran-Prinzipien entschieden werden. Es ist eine undurchschaubare Parallelwelt, in der englisch und arabisch gesprochen wird und die auf viele Briten bedrohlich wirkt.“

Immer mehr Muslime Londons bewegen sich weltanschaulich in einer völlig Parallelwelt. Laut einer Umfrage des Knowledge Zentrums fühlt sich ein Drittel aller britischer Moslems nicht als "Teil der britischen Kultur“. Mehr als 1000 Muslime wurden von Meinungsforschern des Instituts ICM für die Studie „Was britische Muslime wirklich denken“ interviewt. So meinen 39 Prozent der Befragten, dass „die Ehefrau dem Mann immer zu gehorchen habe“. 31 Prozent halten Polygamie für akzeptabel. 23 Prozent sind der Überzeugung, dass nach der Scharia gelebt werden solle und und nicht britische Gesetze den Handlungsrahmen vorgeben sollten. Nur 18 Prozent meinen hingegen, dass Homosexualität legal sein soll. Fünf Prozent halten Steinigung als Bestrafung für Ehebruch für legitim.“

Bürgermeister in der Kritik

Auch an der Person des Londoner Bürgermeisters scheiden sich die Geister. Sadiq Khan – gebürtiger Pakistani und gläubiger Muslim – ist der erste muslimische Bürgermeister einer europäischen Großstadt. Kritiker Khans werfen ihm vor, er verharmlose islamistische Gewalt in seiner Stadt. Schon im Wahlkampf wurde kritisiert, dass er sich vor Jahren unter der Schirmherrschaft der Freunde von al-Aksa, einer palästinenserfreundlichen Organisation, mit islamischen Radikalen traf. Für Ärger sorgte auch sein Interview (2009) im iranischen Fernsehen, in dem er die gemäßigten Muslime Großbritanniens als „Onkel Toms“ bezeichnete. Außerdem wurde über seine Kontakte zu zwielichtigen Gestalten berichtet. Einer von ihnen, der Ägypter Yasser al-Sirri, hat sich unter anderem über den „ehrenhaften Tod“ Osama Bin Ladens ausgelassen.

Ein weiterer, Sajeel Abu Ibrahim, ist ein militanter Dschihadist, der in einem Lager in Pakistan wahrscheinlich auch andere Kämpfer ausgebildet hat. Und dann ist da noch Yusuf al-Qaradawi, Theologe und Al-Dschasira-Prediger aus Katar, der zum radikalsten Flügel der Muslimbruderschaft gehört.

Die Anhänger Khans verteidigen ihn mit dem Argument, er habe sich von seinen Kontakten zu Extremisten distanziert. Er vertrete zudem einen liberalen Islam und kritisiere selber die wachsende Anzahl von Nikabs und Hibjabs auf den Londoner Straßen – die seiner Ansicht nach die Menschen daran hindern, von Angesicht zu Angesicht miteinander zu sprechen. Seine positive Einstellung gegenüber der Heirat von Homosexuellen hat ihm sogar eine Fatwa des militanten Chef-Imams einer Moschee in Bradford eingebracht, der ihn der Abtrünnigkeit beschuldigte.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Yasin Sebastian Qureshi, Florian A. Hartjen, Wolf Achim Wiegand.

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