Jugend denkt nicht mehr links

The European13.06.2017Gesellschaft & Kultur, Politik

Nach der Wahl in Großbritannien wurde vermutet, dass auch in Deutschland junge Wähler nach “links” tendieren. Neue Studien zeigen das Gegenteil. Selten waren linke Ansichten bei der Jugend so unpopulär. Und Erstwähler mögen weder die SPD noch die Linken besonders.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag von Stern und RTL nicht nur die aktuelle politische Stimmung in Deutschland ermittelt – danach liegt die Union bei 38 Prozent, die SPD bei 24. Die FDP verbessert sich auf 9 Prozent. FDP, die einen Punkt auf 9 Prozent zulegt. Alle anderen Parteien bleiben unverändert: Linke 8 Prozent, Grüne 8 Prozent, AfD 7 Prozent.

Forsa hat auch eine Detailanalyse veröffentlicht, wohin denn Deutschland Jung- und Erstwähler derzeit politisch tendieren. Das Ergebnis widerspricht vielfach geäußerter Meinung, dass junge Wähler eher zu linken Positionen neigen. Es zeigt sich: Bei den 18- bis 21-jährigen Erstwählern erhält die SPD mit 25 Prozent nur einen Prozentpunkt mehr als im Durchschnitt aller Wahlberechtigten. Die Präferenz für die Linke sei mit 7 Prozent sogar niedriger als bei allen Wahlberechtigten.

Merkel oder Schulz? Merkel!

In der Frage nach der Kanzlerpräferenz liegt Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel bei den Erstwählern mit 57 zu 21 Prozent sogar besonders klar vor dem SPD-Vorsitzenden Martin Schulz. Unter allen Wählern kommt Merkel hier auf 53 Prozent, Schulz auf 23 Prozent.

Der Befund deckt sich mit den Tiefenanalysen der Shell Jugendstudie, des Sinus-Instituts und von Ipsos. Danach ist die deutsche Jugend so werte-, heimat- und familienorientiert wie noch nie. Erstaunlich konservative Werte wie Treue, Ehrlichkeit und Fleiß sind in der jungen Generation in Mode gekommen. Nach der Befragung durch das Ipsos-Institut halten 77 Prozent der 14- bis 24-Jährigen Ehrlichkeit für „besonders wichtig“. Vor 20 Jahren hätten nur 57 Prozent der Jugendlichen so geantwortet. Zugleich sind die 14- bis 17-Jährigen auch bereit, sich stark anzupassen und Leistungstugenden zu akzeptieren. Die Sinus-Studie spricht gar von einem „Neo-Konventionalismus“ und einem „Kuschelkurs“: „Rebellion war vorgestern: Teenager in Deutschland suchen den engen Schulterschluss mit der Elterngeneration.“

Familie ist so stark wie nie

Die Shell-Jugendstudie dokumentiert das konservative Einvernehmen der Jugend mit den Eltern eindrucksvoll. Der Studie zufolge kommen 92 Prozent der deutschen Jugendlichen derzeit gut oder sogar bestens mir ihren Eltern aus. Die Werte sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Auf die Frage „Würdest Du Dein Kind einmal genauso erziehen, wie Deine Eltern Dich erzogen haben?“ sagen heute 74 Prozent der Jugendlichen ja. Das ist ein Rekordwert. Kulturpessimisten und Zerfallspropheten dürften staunen. Denn trotz hoher Scheidungsraten, Patchwork-Familien und schwerer Belastungen durch die moderne Arbeitswelt ist die Familie stark wie nie.

Damit formiert sich die heutige Jugendgeneration in ihren Werten deutlich gegen die Generation der Achtundsechziger. Die hatten zeitlebens Familienkritik betrieben, auf Emanzipation, Distanz und Antiautorität gesetzt. Jugend brauche „Kritikfähigkeit“, „Selbstbestimmung“, „Ich-Stärke“. Heute ist bei der Jugend vor allem „Wir-Stärke“ angesagt.

“Lesen Sie dazu eine Kolumne”:http://www.theeuropean.de/valentin-weimer/10956-linkssein-ist-vergangenheit

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