Erfolg kann auch Verführung sein und kann so den Weg auftun für die Verfälschung des Rechts, für die Zerstörung der Gerechtigkeit. Joseph Ratzinger

Bayern: „Heidenspaß-Partys“ am Karfreitag

Atheisten in Bayern veranstalten am Karfreitag – an diesem Tag gedenken Christen der Kreuzigung Jesu – „Heidenspaß-Partys“ mit Tanz in München und Regensburg, wie Idea berichtet. Im Freistaat gilt zwar ein Tanzverbot an „stillen Tagen“, aber das Bundesverfassungsgericht hatte im November entschieden, dass es in Bayern insbesondere am Karfreitag Ausnahmen geben muss. Mit Blasphemie ist zu rechnen.

Das Gericht gab damit einer Beschwerde des „Bundes für Geistesfreiheit München“ statt. Ausnahmen vom Tanzverbot sind demnach möglich, wenn eine Veranstaltung Ausdruck einer Abgrenzung gegenüber dem Christentum ist. Zu der „Heidenspaß-Party“ in München laden der Bund für Geistesfreiheit und die religionskritische Giordano-Bruno-Stiftung (Oberwesel) ein. Dessen Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon werde ein „Wort zum Karfreitag“ sprechen und den „humanistischen Tanzsegen“ erteilen, heißt es in einer Mitteilung. Ab 21.30 Uhr könne dann das Tanzbein geschwungen werden – „aus strikt weltanschaulichen Gründen, versteht sich“. In Regensburg lädt der dortige Bund für Geistesfreiheit unter dem Motto „Heidenspaß statt Höllenqual“ in vier Kneipen zum „Freigeister-Tanz“ ein.

Bedford-Strohm spricht von „Provokationen“

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), geht in seiner Botschaft zum Karfreitag indirekt auf solche Veranstaltungen ein. Der „stille Feiertag“ lehre, das Leiden von Menschen wahrzunehmen, es auszuhalten und mitzutragen. Deswegen sei der Karfreitag „für unser ganzes Land so wichtig“. Daran könnten auch „Provokationen, die diesen Tag zum Partytag machen wollen“, nichts ändern.

Die Regensburger Pfarrerin Bärbel Mayer-Schärtel sieht in den Veranstaltungen eine Verspottung gläubiger Menschen. Ihr Glaube, so die Theologin, sei allerdings stark genug, um so etwas auszuhalten. Sie frage sich allerdings, warum Menschen, die christliche Religion ablehnen, aber trotzdem die christlichen Feiertage gern für sich als arbeitsfreien Tag in Anspruch nehmen, sagte sie dem Bayerischen Rundfunk. Mayer-Schärtel forderte Respekt „für meinen Glauben und meine Feiertage“, da sie auch selbst bereit sei, andere zu respektieren. Der Pressesprecher der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Kirchenrat Johannes Minkus (München), wollte sich zu den Veranstaltungen nicht äußern. Er unterstrich jedoch die große Bedeutung des Karfreitags. Dessen Schutz solle für Christen und Nichtchristen ein wertvolles Gut sein und bleiben, erklärte Minkus auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Der Karfreitag diene der gesellschaftlichen Humanität und der Besinnung. Dafür brauche man „geschützte Zeiten“.

„Stille Feiertage“ irgendwann nur noch in der Kirche?

Der Rechtswissenschaftler Prof. Fabian Wittreck (Münster) rechnet damit, dass es künftig mehr Ausnahmen zum Tanzverbot am Karfreitag geben wird: „Je mehr die religiöse Vielfalt in der Gesellschaft wächst, umso stärker wird das Bedürfnis nach Ausnahmegenehmigungen – genauso steigt die Bereitschaft, sie zu erteilen.“ Am Ende würden stille Feiertage möglicherweise faktisch dadurch reduziert, dass man sie auf bestimmte Bereiche wie Gotteshäuser und Gebetszeiten einschränke. Das Bundesverfassungsgericht habe „diesen Weg in die Zukunft“ gewiesen. Wittreck forscht am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster.

Dieser Beitrag erschien zuerst im christlichen Nachrichtendienst Idea.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Konstantin von Notz, Claudia Simone Dorchain, Open Doors.

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