Risiko-Corona-Patienten haben Blutgruppe A | The European

Menschen mit Blutgruppe A sind besonders Corona-gefährdet

The European Redaktion7.08.2020Wissenschaft

Seit Beginn der Corona-Pandemie forschen Wissenschaftler daran, ob und welche Rolle die Blutgruppe beim Infektionsrisiko spielt. Bereits im Mitte März hatten chinesische Forscher die Blutgruppen von 2173 infizierten Personen aus Wuhan und Shenzhen analysiert und mit denen der gesunden Bevölkerung innerhalb der gleichen Region verglichen. Im Ergebnis verfügten 38 Prozent der Covid-19-Patienten über Blutgruppe A, bei der gesunden Vergleichsgruppe waren es nur 31 Prozent.

Bluttropfen mit verschiedenen Bluttypen, Arzt hält einen Marker im Hintergrund, Shutterstock

Ein chinesisches Forscherteam hatte bereits Anfang März die Entdeckung gemacht, dass bei überdurchschnittlich vielen Menschen mit der Blutgruppe A ein schwerer Verlauf bei einer Corona-Erkrankung nachgewiesen wurde. Demgegenüber waren Menschen mit der Blutgruppe 0 weitaus weniger gefährdet.

Wissenschaftler von der Universität Oslo und der Universität Kiel haben von insgesamt 1610 Menschen Blutproben entnommen, die eine schwere Corona-Erkrankung hatten und bei der medizinischen Akutversorgung Sauerstoff benötigten. Die Blutproben stammten dabei aus den besonders von der Corona-Pandemie betroffenen Gebieten in Italien und Spanien. Die DNA der Covid-19-Patienten wurde mit denen von 2205 gesunden Blutspendern aus den beiden Ländern verglichen.

Die Vorabstudie, die federführend vom Norweger Tom Karlsen und dem deutschen Wissenschaftler Andre Franke geleitet wurde, kam zu dem Schluss, dass bei Corona-Patienten mit der Blutgruppe A die Wahrscheinlichkeit Sauerstoff benötigen und an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden, doppelt so hoch wie bei Menschen mit der Blutgruppe 0 ist. Was das Risiko betrifft, liegen die Blutgruppen AB und B dazwischen.

Wie die Forscher mitteilten, handelt es um eine Vorveröffentlichung der Studienergebnisse, die noch nicht von anderen Wissenschaftlern geprüft wurde, eine sogenannte „Peer Review.“

 

Hintergrund

Die bisherigen blutgruppenspezifischen Analyse deuten an, dass Träger der Blutgruppe  A ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko haben, schwerer an  Covid-19  zu erkranken. Dagegen scheint die   Blutgruppe  0 mit einem protektiven Effekt assoziiert zu sein. Die kürzlich  auf dem »medRxiv«-Preprintserver erschienene Publikation chinesischer Wissenschaftler deutet auch an, dass die   Blutgruppe   A im Vergleich zu Nicht-A-Blutgruppen mit einem höheren Risiko für schwere Covid-19-Verläufe assoziiert ist (DOI:   10.1101/2020.03.11.20031096 ). Dagegen zeigte sich auch in dieser Studie, dass Träger der   Blutgruppe   0 im Vergleich zu Nicht-0-Blutgruppen-Trägern ein geringeres Risiko für eine Infektion besitzen.

Unter der Blutgruppe versteht man die spezifische Beschaffenheit des Blutes bei Menschen und Tieren. Man unterscheidet beim Menschen vier verschiedene Blut-Hauptgruppen: A, AB, B und 0. Zudem gibt es noch die Ausprägungen positiv und negativ.

37 Prozent der Menschen in Deutschland haben die Blutgruppe “A+”. Etwa 35 Prozent tragen die Blutgruppe “0+”.  Die Blutgruppe “B+” kommt bei 9 Prozent der Menschen in Deutschland vor, die Blutgruppe “A-” und “0-” bei jeweils 
6 Prozent. Am seltensten findet man die Blutgruppen “AB+” mit 4 Prozent, “B-” mit 2 Prozent  und “AB-” mit 1 Prozent.

Schon lange forscht die Medizin an Zusammenhängen zwischen Blutgruppen und In fektionsanfälligkeiten auch bei anderen Erregern. Die Blutgruppe kann ein grundsätzlicher Risikofaktor für Krankheiten sein, sagt Markus Lerch, er ist Professor für Innere Medizin an der Universität Greifswald. Man sollte sie mit einbeziehen, wenn man nach den Ursachen für bestimmte chronische Leiden sucht.

Renate Heinz, Professorin für Innere Medizin an der Universität Wien, befasst sich mit dem Zusammenhang zwischen den Blutgruppen und chronischen Erkrankungen des Menschen. Aus der Kardiologie wisse man, dass für Träger der Blutgruppen A, B und AB eine höhere Wahrscheinlichkeit besteht, Gefäßkrankheiten zu bekommen, sagt sie. Sechs Prozent aller Herzerkrankungen sind nach Angaben des Verbands Deutscher Kardiologen auf eine ungünstige Blutgruppe zurückzuführen.

Der Grund dafür ist, dass sich in dem Blut der Gruppen A, B und AB mehr Gerinnungsfaktoren finden. Das sind Eiweiße, die blutstillend wirken, wenn Blutgefäße verletzt werden, indem sie sich mit den Blutplättchen und der Gefäßwand verbinden. Wunden schließen sich schneller, wenn man mehr Gerinnungsfaktoren im Blut hat. Das Blut verklumpt leichter, deswegen bilden sich auch leichter Thrombosen.

,,Eine erhöhte Thrombose-Neigung kann natürlich auch zu einer schlechteren Durchblutung des Gehirns führen“, sagt Renate Heinz. Und somit zu Gedächtnisverlust und Demenz. Eine Studie der University of Vermont, USA konnte einen deutlichen Zusammenhang zur Blutgruppe der Demenz-Patienten feststellen. Ein Team um die Medizinerin Kristine Alexander wertete Gesundheitsdaten von mehr als 30.000 US-Amerikanern aus, die 45 Jahre oder älter waren und vier Jahre lang beobachtet wurden.

Besonders häufig traf der Gedächtnisverlust die Träger der Blutgruppe AB. Der Studie zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit, dass sie dement werden, um 80 Prozent höher als bei Trägern die Blutgruppe Null, die besonders selten erkrankten.

Nicht bei allen Krankheiten profitieren Menschen mit Blutgruppe 0. Tendenziell sind Träger dieser Blutgruppe überempfindlich gegen neue Ernährungs- und Umweltbedingungen und haben eine Tendenz zu einem überaktiven Immunsystem. Bei Geschwüren, Allergien, Arthritis sind sie darum im Nachteil. Auch historisch waren Träger der Blutgruppen A, B oder AB sind besser gegen die Pest gerüstet als die Blutgruppe 0. Umso wichtiger ist es zu wissen, welche Auswirkungen die Blutgruppe nun auf die Corona-Erkrankungen hat.

Grundsätzlich umfasst das System vier Hauptgruppen, die Gruppen A, B, AB und 0. Im Jahre 1900 entdeckte Karl Landsteiner dieses Blutgruppensystem anhand von Experimenten mit Blut. Er stellte fest, dass sich einige Blutproben beim Vermischen verklumpten. Er fand auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen zwei verschiedene Antigene, und zwar Antigen A und Antigen B, nach denen die Gruppen aufgeteilt sind. Blutgruppe A weist also das Antigen A auf, die Blutgruppe B das Antigen B. Die Gruppe AB besitzt sogar beide Antigene, während die Gruppe 0 keines der Antigene hat. Die Antigene sind verantwortlich für die Verklumpung bei einer Vermischung der Blutgruppen, da sie Antikörper entwickeln, sobald „fremde“ Blutkörperchen auftauchen. Blutgruppe A bildet Antikörper gegen B (Anti-B), Blutgruppe B gegen A (Anti-A). Blutgruppe AB bildet keine Antikörper, da sich die eigenen Blutkörperchen sonst gegenseitig zerstören würden. Da die Blutgruppe 0 keine Antigene hat, bildet sie die Antikörper Anti-A und Anti-B. Die Antikörper für die Antigene werden in den ersten Lebensjahren gebildet.

Ergänzend zum AB0-System kommt das Antigen D, Rhesusfaktor-D genannt, hinzu, das ebenfalls Karl Landsteiner genau 40 Jahre später entdeckt hat. Zusätzlich zu der Blutgruppe wird daher ebenfalls erwähnt, ob jemand Rhesus-positiv oder Rhesus-negativ ist. Oft wird das „positiv“ oder „negativ“ auch nur hinter die Blutgruppe gestellt, ohne den Term Rhesus zu erwähnen, das heißt A positiv, AB negativ etc. Etwa 85 Prozent der weißen europäischen und amerikanischen Bevölkerung und fast 100 Prozent aller Afrikaner, Asiaten und Indianer Nordamerikas sind Rhesus-positiv, der Rest Rhesus-negativ.

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