Die deutschen Strukturschwächen betreffen aber nicht nur das Digitale

The European Redaktion17.01.2020Medien, Politik, Wirtschaft

Der Ludwig-Erhard-Gipfel 2020 startet in seinen zweiten Tag: Beim „Jahresauftakt für Entscheider“ der WEIMER MEDIA GROUP treffen sich Spitzenpolitiker, Wirtschaftslenker und Medienmacher am 16. und 17. Januar am Tegernsee. Mehr als 60 Top-Redner stehen bei Impulsvorträgen und Debatten zu den brisanten Themen unserer Zeit auf dem Podium im Conference Center des Hotels Bachmair Weissach. Der Nachrichtensender ntv berichtet live.

„Ich bin erfreut, in so frische Gesichter zu blicken“, sagte Verleger Dr. Wolfram Weimer bei seinem Morning-Briefing auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel 2020 am Freitag schmunzelnd. In Anspielung auf den gestrigen ersten Konferenztag mit langem und dichtem Programm. Nach dem „Innovation Day“ am Donnerstag skizzierte der Journalist und Verleger der veranstaltenden WEIMER MEDIA GROUP gemeinsam mit den Gästen den „Finance Day“ am Freitag. „Wir blicken auf einen spannenden Tag“, kündigte er an.

Bekannte Schlagzeilen über den Ludwig-Erhard-Gipfel wie „Stelldichein der Wirtschaftselite“ (Handelsblatt), „Neujahrsempfang des Freigeistes“ (Die Welt) und „Das deutsche Davos“ (ARD) kommentieren inzwischen die Konferenz am Tegernsee. „An einem Tag einen Olympiasieger und den künftigen Kanzler da zu haben, ist ja auch nicht schlecht“, sagte Weimer über das Freitags-Programm mit Fabian Hambüchen und Friedrich Merz lachend. Zum beim Gipfel gelebten Meinungsaustausch und der Kultur des offenen Wortes gehöre es auch, „das eine oder andere Unangenehme auszusprechen, hinzuweisen auf die heiklen Themen“, die Deutschland dieses Jahr beschäftigen. Diese unangenehmen Themen stehen am zweiten Gipfeltag im Fokus.

„Bad News“ wie Welthandelskrieg, das Brexit-Drama, die „schrecklich netten Nachbarn“ mit Putin und Erdogan, fremde Freunde wie Trump, oder der Autokratie-Trend mit Neo-Despotismus von Trump und Putin, diese „Sehnsucht nach der harten Hand gibt es auch bei uns“, sagte Weimer. Aber auch weitere Negativ-Schlagzeilen wie das Klima beleuchtet der Kongress. „In der Klimapolitik gibt es auch mehrere Wirklichkeiten“, fand Weimer. Eine andere Wirklichkeit: „Die Konjunktur geht abwärts, die Zeichen stehen in diesem Jahr deutlich schlechter als in den letzten Jahren, als wir uns hier getroffen haben“, prognostizierte der Journalist und Verleger. Unter anderem befinde sich nur noch eine deutsche Firma unter den Top 100.

Heißt es deswegen nun „Heul doch?!“ Das Problem liegt für Weimer tiefer begründet. Deutschland müsse aufpassen, sind doch allein zwei amerikanische Unternehmen sind an der Börse wertvoller als Deutschland. „Zweite Liga Deutschland“ heißt es laut Weimer auch bei der Digitalisierung: „Glasfaserzwerg Deutschland: Wir sind letzter, nur noch von Serbien unterboten.“ Bedrücktes Lachen im Saal. Und Deutschland hinter Panama beim Festnetz. Inzwischen schäme sich sogar Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier öffentlich für Deutschland, Witze über Funklöcher seien Legende.

Die deutschen Strukturschwächen betreffen aber nicht nur das Digitale, sondern auch „Felder, wo wir eigentlich gut waren“, sprich Straßennetz, innere Sicherheit und Luftverkehr, wo Deutschland im internationalen Vergleich abgerutscht ist. Schlimmer noch: „Beim Steuersystem, da sind wir auf Dritte Welt Niveau!“. Viele Aufgaben und Themen also, die es beim Gipfel zu diskutieren gibt.

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