Toyota ist der rentabelste Autohersteller der Welt

The European Redaktion6.12.2019Europa, Gesellschaft & Kultur, Medien

Volkswagen und BMW überraschen positiv. Daimler stürzt ab. Und der alte Spitzenreiter ist auch der neue. Wer hat es trotz globaler Absatzkrise in die Rentabilitäts-Top-Ten geschafft?

Die Kosten steigen, der Absatz schrumpft. In den ersten neun Monaten des Jahres sind die Fahrzeugverkäufe in allen wichtigen Weltregionen zurückgegangen. Die Rentabilität leidet. Und die globale Autoindustrie, sie bereitet Sorgen. Nicht zuletzt in Deutschland, wo kaum noch eine Woche vergeht, in der nicht ein Hersteller oder Zulieferer einen Arbeitsplatzabbau und neue Sparmaßnahmen verkündet. Manch Marke wirtschaftet aber dennoch und immer noch erstaunlich rentabel. Manche andere leidet umso mehr. Wir blicken auf die Top Ten aus dem Ranking der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY), dem Renault und PSA fehlen, da beide Unternehmen bislang ihr Ebit nicht veröffentlicht haben.

10. Hyundai

Eine Ebit-Marge in Höhe von 3,1 Prozent reicht gerade noch so für den Sprung in die Top-Ten. An einer im Vergleich deutlich unterdurchschnittlichen Performance ändert das freilich nichts. Hyundai hat zwar den Gewinn von Januar bis September um 27 Prozent auf 1,87 Milliarden Euro steigern können. Das lag jedoch an einem außergewöhnlich schwachen Ergebnis 2018, das wegen negativer Wechselkurseffekte zustande kam. Ein Blick auf den Absatz zeigt: Es läuft nicht rund für die Südkoreaner. Bislang schlägt für 2019 ein Minus von vier Prozent zu Buche.

9. Daimler

Mit Hyundai gleichauf liegt Daimler. Und das verheißt wenig Gutes. Dieselskandal und Mobilitätswende haben die Stuttgarter weit zurückgeworfen. Der Gewinn hat sich in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahr auf 3,94 Milliarden Euro halbiert. Da halfen auch recht stabile Verkäufe nichts. Eine operative Rendite von 3,1 Prozent ist im Premium-Vergleich beinahe desaströs. Vorstandschef Ola Källenius muss gegensteuern und hat bereits angekündigt mehrere tausend Jobs abbauen zu wollen. Der Stern, er hat schon einmal heller gestrahlt.

8. Kia

Selbst Kia steht mit einer Ebit-Marge von 3,4 Prozent inzwischen besser da, als die Stuttgarter. Und das, wo doch auch diese Zahl kaum Anlass zu großen Freudensprüngen gibt. Kia konnte zwar den Absatz mit 2,04 Millionen verkauften Fahrzeugen stabil halten, jedoch stiegen nicht zuletzt der Erschließung neuer Märkte wegen die Kosten. Der Gewinnsprung um 83 Prozent liest sich für die ersten neun Monate 2019 glänzend, doch wie schon bei Hyundai liegt dieser starke Zuwachs schlicht an negativen Währungseffekten im Jahr zuvor.

7. Honda

Zwar liegt auch bei Honda die Ebit-Marge nicht besonders hoch, die Branche betreffend mit fünf Prozent aber durchaus auf einem akzeptablen Niveau. Der Gewinn sank auf 4,76 Millionen Euro, das ist aber immerhin fast eine ganze Million mehr, als Daimler erzielen konnte. Dazu konnte Honda beim Absatz zulegen. Von Januar bis September verkauften die Japaner knapp vier Millionen Fahrzeuge.

6. Fiat Chrysler

Zuletzt dank des geplanten Zusammenschlusses mit PSA vermehrt in den Schlagzeilen, musste auch Fiat Chrysler einen Absatzrückgang in Höhe von elf Prozent auf 3,25 Millionen Fahrzeuge verkraften. Der Gewinn allerdings konnte entgegen des Branchentrends recht deutlich, um 19 Prozent auf 4,36 Milliarden Euro, zulegen. Nicht zuletzt, da die Italiener mehr Premiumfahrzeuge auf die Straße brachten. Dementsprechend ergibt sich eine solide Ebit-Marge von 5,6 Prozent. Um in Zukunft jedoch wettbewerbsfähig zu bleiben, wäre die Fusion mit PSA nicht unwichtig.

5. General Motors

Lässt GM die Krise hinter sich, während die Konkurrenz nun erst so richtig in sie hineinschlittert? Von Januar bis September konnten die US-Amerikaner ihr Ergebnis um sechs Prozent auf 6,17 Milliarden Euro steigern. Es bleibt eine Ebit-Marge von 6,5 Prozent. Damit wirtschaftet in den USA kein Autokonzern rentabler als GM. Doch die Zukunft scheint ungewiss. Es könnten die Verkaufsschlager fehlen. In den ersten drei Quartalen 2019 ging der Absatz um sieben Prozent zurück, an der Börse ist Tesla inzwischen mehr Wert.

4. Suzuki

Durchaus erstaunlich die Entwicklung von Suzuki. Die Verkäufe der Japaner gingen 2019 bislang um zwölf Prozent auf 2,25 Millionen Fahrzeuge zurück, Spitzenwert im EY-Listical. Der Gewinn sank um 40 Prozent auf 540 Millionen Euro. Die operative Rendite jedoch erreichte 6,7 Prozent. Werbung für die Zukunft sieht anders aus, aber aus Rentabilitätssicht läuft es zumindest gegenwärtig vergleichsweise prima.

3. BMW

Dass es auch bei BMW nicht rund läuft, ist kein Geheimnis. Dass die Münchner jedoch so deutlich vor der Stuttgarter Konkurrenz landen, ist dann doch eine – aus bayerischer Sicht – positive Überraschung. Der Gewinn sank zwar im Vorjahresvergleich um 29 Prozent auf 5,08 Milliarden Euro, BMW ist damit aber sowohl der profitabelste Premiumhersteller wie auch – mit einer Ebit-Marge von 6,8 Prozent – der rentabelste. Personal wird trotzdem abgebaut. Langfristig schließlich soll die operative Rendite mindestens wieder an die zehn Prozent heranreichen. Krise also auch bei BMW, nur ist sie für die Münchner bislang nicht ganz so teuer wie für Daimler.

2. Volkswagen

Zu Platz Eins hat es nicht gereicht, dennoch weiß Volkswagen unter allen deutschen Herstellern auch in Sachen Marge am ehesten zu überzeugen. Diese erreichte in den ersten neun Monaten 2019 bei einem Gewinn von 13,54 Milliarden Euro 7,3 Prozent. Der Absatz ging zwar um zwei Prozent zurück, der Gewinn jedoch kletterte gleichzeitig um 25 Prozent. Ein überraschend starkes Ergebnis, bedenkt man, dass VWs Dieselskandal noch nicht sehr lange zurückliegt, immer noch kostet und dazu der Wandel hin zum E-Mobilitäts-Konzern unzählige Milliarden verschlingt.

1. Toyota

Relativ deutlich jedoch geht Platz Eins wieder nach Japan. Toyota hat in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres fast 16 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Im Vergleich zum Vorjahr keine nennenswerte Steigerung, in Krisenzeiten dennoch ein kleines Ausrufezeichen. Dazu hat 2019 bislang keiner mehr Autos verkauft, als Toyota (8,06 Millionen). Die Ebit-Marge erreichte einen Wert von 8,4 Prozent und liegt damit beinahe dreimal höher, als die von Daimler. Und immerhin ein ganzes Prozent höher, als die von Volkswagen.

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