Britischer Premier enthüllt Geheimdiplomatie zum Krieg | The European

Johnson: Die Ampelregierung wollte eine schnelle Ukraine-Niederlage

The European Redaktion23.11.2022Medien, Politik

Der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson behauptet, Frankreich habe die Gefahr einer russischen Invasion in der Ukraine zu Jahresbeginn “geleugnet”. Die deutsche Ampelregierung sei auch kein verlässlicher Bündnispartner gewesen. Berlin habe anfangs eine schnelle ukrainische militärische Niederlage einem langen Konflikt vorgezogen. Gegenüber CNN Portugal sagte Johnson, dass die Haltung der westlichen Länder sehr unterschiedlich gewesen sei, bevor Moskau am 24. Februar seine Invasion in der Ukraine startete.

A Group of tanks lined up in front of Russian and Ukrainian flags. Several military army war battle tank vehicles on the terrain are ready to attack. Russian-Ukrainian conflict or war

Quelle: Shutterstock

Johnson betonte zwar, dass sich die EU-Staaten später geschlossen hinter die Ukraine gestellt hätten und sie nun entschlossen unterstützten, doch sei dies in der Zeit vor der russischen Invasion nicht durchgängig der Fall gewesen. “Die Sache war ein riesiger Schock … wir konnten sehen, wie sich die russischen Bataillonsgruppen sammelten, aber die verschiedenen Länder hatten sehr unterschiedliche Perspektiven”, sagte Johnson gegenüber Richard Quest von CNN in Portugal.

“Die deutsche Sichtweise war zu einem bestimmten Zeitpunkt, dass es besser sei, wenn die ganze Sache schnell vorbei ginge und die Ukraine aufgeben würde. Das aber wäre eine Katastrophe gewesen”, so Johnson, der aus Deutschland “alle möglichen vernünftigen wirtschaftlichen Gründe” für die Kapitulationsthese gehört haben will.

“Ich konnte das nicht unterstützen, ich hielt das für eine katastrophale Sichtweise. Aber ich kann verstehen, warum sie so dachten und fühlten”, fuhr Johnson fort. Deutschland hat sich seit dem Einmarsch Moskaus rasch bemüht, seine Abhängigkeit von russischer Energie zu verringern.

Johnson kritisierte auch die anfängliche Reaktion Italiens auf die Bedrohung durch eine russische Invasion. Die italienische Regierung – damals unter der Führung von Mario Draghi – habe anfangs erklärt, dass man eine Widerstandspolitik “nicht unterstützen kann”, da sie “massiv” von russischen Energielieferungen abhängig sei.

Erst als Russland seine brutale Invasion wirklich startete, änderte sich die Einstellung in ganz Europa schnell, so Johnson.

“Jeder – Deutsche, Franzosen, Italiener, jeder, auch (US-Präsident) Joe Biden – sah ein, dass es einfach keine andere Möglichkeit gab. Denn mit diesem Mann (Putin) kann man nicht verhandeln. Das ist der springende Punkt”, sagte der Ex-Premierminister und fügte hinzu, dass die EU seither in ihrer Opposition gegenüber Russland “brillant” gewesen sei. “Nach all meinen Befürchtungen … zolle ich der Art und Weise, wie die EU gehandelt hat, meinen Respekt. Sie war geeint. Die Sanktionen waren hart”, fuhr Johnson fort.

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