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Potenzielle Königsmörder

Trotz Gräueltaten und internationalem Protest bleibt Assad in Syrien weiter an der Macht. Nach außen hin zeigt das Regime keine Risse. Und doch könnte es aus den innersten Führungszirkeln heraus gestürzt werden.

Das Regime von Syriens Präsident Bashar al-Assad hat seine Macht, trotz der eskalierenden Gewalt und der internationalen Kritik, über das vergangene Jahr halten können. Jedoch könnte der wachsende Druck auf das Regime letztendlich dazu führen, dass Mitglieder aus dem Führungskreis versuchen, Assads Clan zu verdrängen. Diese kleine Gruppe könnte dabei sogar Rückhalt von Syriens Verbündeten, Russland und Iran, bekommen. Doch auch wenn ein solches Putschszenario momentan noch unwahrscheinlich scheint, sind die Bedrohungen innerhalb des Regimes für Assad mittlerweile mindestens genauso besorgniserregend, wie jene von außerhalb und der Opposition.

Eliten könnten versuchen, Assad vom Thron zu stoßen

Die Assad-Familie, das Gesicht der Regimes, hält einige der wichtigsten Positionen, ebenso wie weitere alevitische Gruppen, Christen, Drusen, andere religiöse Minderheiten und Mitglieder der sunnitischen Mehrheit des Landes. Der innere Führungszirkel besteht aus äußerst mächtigen und erfahrenen politischen, militärischen und zivilen Führern, deren eigenes Überleben vom Schicksal des Regimes abhängt. Verliert Assad jedoch die Fähigkeit, diese ungleichen Elemente im Regime zusammenzuhalten, könnten eben diese Eliten versuchen, die Assad-Familie von der Macht zu stoßen und den Palast für sich einzunehmen.

Ein anderes mögliches Szenario beinhaltet die Zusammenarbeit mit externen Kräften aus Russland und Iran, die beide über weitverzweigte Geheimdienstnetzwerke in Syrien verfügen. Zwar unterstützen beide Länder Assad weiterhin finanziell und militärisch, doch halten sie auch Pläne für den Fall bereit, dass ein neues Regime notwendig wird. Schließlich sehen beide die Notwenigkeit nicht in der Macht des Clans um Assad, sondern vielmehr in einer syrischen Regierung, die ihren Interessen wohlgesinnt bleibt und nicht zu sehr von den momentanen Verhältnissen abweicht.

Nach außen zeigt das Regime keine Risse

Die Fähigkeit von Syriens Verbündeten, einen derartigen Putsch zu veranlassen, ist allerdings fragwürdig. Außerdem gilt ein solches Unterfangen zum jetzigen Zeitpunkt als unwahrscheinlich, da das Regime nach außen hin keinerlei Risse zeigt und weiterhin über einen großen Militär- und Geheimdienstapparat verfügt. Dennoch werden Russland und Iran, im Fall der Fälle, versuchen, die grobe Struktur des Regimes aufrechtzuerhalten. Dies könnte vonstatten gehen, indem sie einen Machtwechsel zwischen Assad und anderen führenden Mitgliedern des Regimes vermitteln – ähnlich wie es im Jemen geschah. Die Mitglieder von Assads Clan, die momentan den engen Kreis um den Präsidenten bilden, würden in einer neuen Regierung wohl kaum willkommen sein.

Käme es tatsächlich dazu, dass Assad – mit oder ohne fremde Hilfe – von innen gestürzt wird, würden vermutlich Schlüsselfiguren der Sunniten und verbündeter Minderheiten des jetzigen Regimes die Führung übernehmen. Eine umfassendere und vielfältigere Regierung könnte ihre konfessionelle Zusammensetzung dann nutzen, um die Opposition zu zügeln, ohne dabei die grobe Struktur des Regimes zu gefährden und ein Machtvakuum zu provozieren, das zu größerer Instabilität führen könnte.

Der Text ist bereits in englischer Sprache bei Stratfor erschienen. Dort findet sich auch eine genaue Beschreibung möglicher Zirkel und Kandidaten, die Assad stürzen oder ersetzen könnten.

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