Wieso die AfD für Christen nicht mehr wählbar ist

von Steve Kennedy Henkel4.06.2016Europa, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Eine Analyse am Beispiel des Umgangs der selbsternannten Alternative für Deutschland mit den Kirchen.

Der evangelische Professor – Bernd Lucke

Es fing alles so harmlos an. Ein calvinistischer Wirtschaftsprofessor gründete in der Eurokrise eine eurokritische Partei. Eine Mischung aus D-Mark-Nostalgie, Kritik an EU-Bürokratie und dem Gefühl von nationalem Souveränitätsverlust spülte der jungen AfD schnell viele Wählerstimmen zu. Das Ressentiment vom faulen Griechen fand in bürgerlichen Wohnzimmern anklang und garniert wurde das Wahlprogramm mit konservativen Positionen wie dem Nein zur sog „Homoehe“ und dem Ja zur „traditionellen Familie“. Nachdem die CDU dieses Feld nicht mehr mit Verve beackerte wurde die AfD so auch für konservative und evangelikale Christen interessant.

Der Hetzer vor dem Dom – Björn Höcke

Mit steigenden Flüchtlingszahlen nahmen auch die Umfragewerte der AfD zu. Gekonnt sprang die junge Partei auf den Zug der PEGIDA auf, und bemächtigte sich der ressentimentgeleiteten Überfremdungsangst. Diese verstand besonders Björn Höcke auf PEGIDesken AfD Demonstrationen vor dem Erfurter Dom zu schüren. Neben seiner Dreißigerjahre-Rhetorik macht er auch mit fragwürdigen Inhalten auf sich Aufmerksam, wie die – von der Parteiführung tolerierte – Rede vom „afrikanischen Ausbreitungstypus“, der dem „europäischen Platzhaltertypus“ den Raum streitig mache. Das ist blanker, biologistischer Rassismus. Damit verabschiedete sich die AfD auch aus den professoralen Wohnzimmern und begab sich an den rechten Stammtisch. Das sah offenbar auch der Bischof von Erfurt so und ließ zu Höckes Veranstaltung die Dombeleuchtung abschalten um diesem Treiben keine Kulisse zu bieten. Die AfD ärgerte das sehr. Demonstranten riefen „Hängt dem Pfaffen seine Eier an die Gloriosa“, gemeint ist die Domglocke.

Der Islamunterricht und Peter Gauland

Nachdem nun der „Flüchtlingsstrom“ nachlässt findet die AfD ein neues, ressentimentbesetztes Thema: „den Islam“. Im Parteiprogramm stellt man fest, er gehöre nicht zu Deutschland – was auch immer das genau heißen mag. So hätte sich Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der EKD schon auf Kritik aus der AfD einstellen können, als er islamischen Religionsunterricht in ganz Deutschland forderte. Die Antwort aus der AfD folgte auf dem Fuß, nämlich durch den Vize-Chef Alexander Gauland, der den als EKD-Chef „gefährliches Irrlicht“ beschimpfte. Wieder greift das das Motto der AfD: Ängste schüren geht vor Ängste abbauen, denn Angst beduetet: mehr AfD-Stimmen. Dass die AfD jedoch nur Ängste und keine Lösungen zu bieten hat zeigt sich besonders auch bei diesem Thema. Bedford-Strohm will mit seinem Beitrag einen liberalen, europäischen Islam an deutschen Universitäten und Schulen fördern und Importimamen aus der Türkei und Saudi-Arabien, welche als Verlängerter Arm ihrer Herkunftsstaaten in Hinterhofmoscheen predigen, die Deutungshoheit über den Islam streitig machen. Gauland braucht aber letztere als Feindbild und hat somit kein Interesse an einer tatsächlichen Lösung des Problems. Ob nun also Bedford-Strohm das „gefährliche Irrlicht“ von den beiden ist, bleibt somit fraglich.

Der Katholikentag ohne Frauke Petry

Spätestens hier beginnt das Problem der AfD mit den Kirchen, denn sie beansprucht ein konservatives Weltbild auf christlichem Boden zu vertreten. Dass beide Kirchen ihr dieses so vehement absprechen rüttelt am Selbstbild – kann man das christliche Abendland gegen die Kirchen verteidigen?

Die Lösung dieses Problems scheint nun zu sein die Kirchen selbst zu diskreditieren. Das geht am besten mit einem weiteren Ressentiment: „Kirche und Geld“. Hier scheinen die Kirchen, spätestens seit Limburg angreifbar – auch wenn bei näherer Betrachtung die kirchlichen Finanzen weit unprätentiöser sind, als es die limburger Doppelbadewanne vermuten lässt.

Trotzdem Frauke Petry ist verärgert nicht zum Katholikentag eingeladen worden zu sein und unterstellt den Kirchen daraufhin in einer Art frühkindlicher Trotzreaktion Profiteure des Asyls zu sein und mit ihren Hilfsorganisationen so richtig viel Geld zu machen. Aus Geldgier setzten sie sich für Flüchtlinge ein. Dass auch diese Unterstellung keiner Überprüfung standhält ist irrelevant, genau so wie der Umstand, dass die Kirchen im vergangen Jahr über 200 Mio. Euro in die Flüchtlingsarbeit gesteckt haben. Das ist ja das schöne an Ressentiments, sie müssen nicht wahr sein – es genügt, wenn sie einmal im Raum stehen.

Weiter fordert Petry im DLF, dass die Tür der Kirchen allen offenstehen sollte – meint damit jedoch vor allem sich und die Ihren, sonst ist es nicht zu erklären, dass im selben Interview die Kirchen für ihre offene Tür gegenüber Flüchtlingen angegangen werden.

Was Petry übersieht: Natürlich stehen die Türen der Kirchen allen offen. In die Kirche kann jeder kommen, die Botschaft Jesu gilt allen Menschen. Das heißt aber nicht, dass jeder Anspruch darauf hat, auch in der Kirche für seine Positionen zu werben, erst recht nicht, wenn sich diese, wie in den obigen Beispielen in so krassem Widerspruch zur christlichen Botschaft befindet. Christliches Grundnarrativ ist das „Fürchtet Euch nicht“ der Bibel und die Gottes- und Nächstenliebe Jesu, eine Politik die auf Ressentiment und Angst setzt und dabei keine Lösungen anbietet, läuft dem zuwider.

Die AfD ist am rechten Rand angekommen

Die AfD ist nicht mehr die christlich-konservative Professoren-Partei als die sie mal begonnen hat. Man kann als Christ für oder gegen die „Homoehe“ sein, man kann aber nicht Menschen in Rassentypologien einteilen. Man kann als Christ für oder gegen den Euro sein, man kann aber nicht Kriegsflüchtlinge und Verfolgte pauschal abweisen. Man kann den Islam als Christ eher freundlich oder eher kritisch betrachten, man kann aber nicht Menschen auf Ihre Hautfarbe oder ihre Religion reduzieren. Die AfD hat sich von dem was christlich, oder auch nur konservativ ist selbst entfernt und sich bewusst in die rechte Ecke gesetzt – jetzt muss sie sich nicht wundern, dass dort keiner mit ihr reden will.

Bei allen Berechtigten Anfragen an Politik und Kirchen, eines ist die AfD für Christen jedenfalls nicht – eine Alternative für irgendetwas.

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