Marx hatte doch recht!

Stephan Jansen25.02.2010Gesellschaft & Kultur, Politik

Kostenloser Hochschulzugang (re)produziert soziale Ungleichheit! Was schon Marx wusste, muss auch heute wieder als Argument erlaubt sein. Denn: Wenn Kinder reicher Eltern auf Staatskosten studieren, kann das nicht gerecht sein.

Sie ahnten es: Als Präsident einer Privatuniversität muss man für gewöhnlich Marxist sein. Denn es war im Jahr 1875 Karl Marx, der in der Kritik am Gothaer Programm pointiert fragte: “Wenn in einigen Staaten […] auch »höhere« Unterrichtsanstalten »unentgeltlich« sind, so heißt das faktisch nur, den höheren Klassen ihre Erziehungskosten aus dem allgemeinen Steuersäckel zu bestreiten.” Das Ergebnis: Kostenloser Hochschulzugang (re)produziert soziale Ungleichheit. In Deutschland ist die Herkunftsbedingtheit der Bildungsbiografien am stärksten in den OECD-Staaten. Bildung war lange Zeit ein “meritorisches Gut”, also ein öffentliches Gut mit Zwangsbeglückung. Bildung an Hochschulen ist jedoch ein Club-Gut, das heißt von der Allgemeinheit bezahlt und von einem begrenzten Club freiwillig konsumierbar. Und diese Club-Mitgliedschaft rechnet sich: Aktuell rentieren Akademikergehälter mit brutto 58 Prozent bezogen auf Nichtakademikergehälter.

Wir müssen unsere Bildungsfinanzierung und Trägerschaft auf den Kopf stellen

Der Bildungsstreik stand unter der paradoxen Formel: “Bessere Universitätsfinanzierung bei Abschaffung der Studiengebühren.” Es gab nur wenige Kleinkinder mit Plakaten, die das für ihre Kindergärten gefordert haben. Leider, denn wir müssen unsere Bildungsfinanzierung und Trägerschaft auf den Kopf stellen. Denn auf der einen Seite sind deutsche Universitäten unbezahlbare und unterbezahlte Institutionen der Wissensgesellschaft, die die Produktion von Club-Gütern nicht durch ihren eigenen Club bezahlen lassen. Auf der anderen Seite haben Kindergärten und Schulen in Deutschland eine höhere private Bildungsträgerschaft als Universitäten. Das ist international ein unvergleichbarer Unfall! Nachlaufende, sozial verträgliche, das heißt einkommensabhängige Studiengebühren sind kein Staatsversagen, sondern gerecht. Der Staat muss Verantwortung für den Anfang der Bildungsbiografie übernehmen – die Bildungsgewinner wie auch weitere Profiteure im Premiumsegment mehr für sich selbst. Bildungsprotestierende sind bildungsnah. Unsere wirklichen Talente sind hingegen noch bildungsfern. Und das liegt an der Finanzierung.

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