Braune Hohlkörper

von Stephan Anpalagan8.04.2018Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Eine Geschichte über Osterhasen, deren Abwesenheit und ihre Wiederauferstehung…

Es mag entweder der Ironie des Schicksals oder dem besonders feinsinnigen Humor Gottes geschuldet sein, dass dieses Jahr der Ostersonntag auf den 1. April fiel.

An Ostern könnte man über die Auferstehung Christi, den Sinn und Unsinn von stillen Feiertagen oder über Parallelen zwischen dem Evangelium nach Lukas und dem Leben des Brian philosophieren. Stattdessen unterhalten wir uns also über die produktspezifische Bezeichnung von Schoko-Osterhasen (!) und die Frage, ob aus Gründen der Islamisierung christliche Symbole nach und nach aus deutschen Supermarktregalen verschwinden…

Der Reihe nach: Am 28. März 2018 fällt dem Rechtsanwalt Joachim Nikolaus Steinhöfel auf, dass sein “Schoko-Osterhase”:http://www.theeuropean.de/stefan-gross/13790-der-tod-des-osterhasen-kommt-leise nun “Traditionshase” heißt, was, so mutmaßt er, wohl auf “die Unterwerfung [vor dem Islam] und die Selbstaufgabe [des Christentums]” zurückzuführen ist. Karstadt habe die Umbenennung in “Traditionshase” sicherlich nur durchgeführt, um “keine religiösen Gefühle zu verletzen”. Derselben Auffassung ist auch Herr Prof. Dr. Jörg Meuthen, der noch schnell einige raffinierte Wortspiele hinzufügt (Umbenennung der “Osterinsel” in “Traditionsinsel” – haha!) und ebenfalls einen Facebook-Post veröffentlicht. Wenige Stunden zuvor hat sich bereits Erika Steinbach zu Wort gemeldet und ihrer Empörung durch einen Boykott-Selbstaufruf Ausdruck verliehen.

Zu den Geschehnissen möchte ich gerne folgende Anmerkungen hinzufügen:

1. REWE (und somit auch Karstadt) bezeichnet den entsprechenden Hasen bereits seit 1992 als “Traditionshasen”. Lindt (von deren Hasen hier die Rede ist) bezeichnet seine Schoko-Osterhasen übrigens auch nicht als “Osterhasen”, sondern als “Goldhasen” (und das seit 1952). Milka bezeichnet seine Osterhasen übrigens als “Schmunzelhasen” (und das seit 1973).

2. Als sei all dies nicht genug, fanden findige Facebook-User heraus, dass die AfD im Jahr 2017 ihre eigenen Schoko-Osterhasen nur “Schokohasen” nannte und deren österlich-christliche Gesinnung unterschlug. Darauf angesprochen änderte der AfD Werbemittelshop erst klammheimlich, dann mit Bearbeitungsnotiz seine “AfD-Schokohasen” in “AfD-Schokoosterhasen” um. Auf das REWE-Warenwirtschaftssystem und das Jahr 1992 angesprochen, erklärte Jörg Meuthen, REWE habe dies seinerzeit wohl gemacht, “um sich der seit den 80er Jahren grassierenden „politischen Korrektheit“ zu unterwerfen”. Erklärungen oder gar Nachweise für seine Theorie wurden von dem Herrn Professor leider nicht nachgereicht.

3. Es ist immer wieder überraschend, wie dieselben muslimischen Menschen, die in Deutschland keine Wohnung und keine Arbeit suchen können, ohne harte Diskriminierung zu erfahren, nun in einer Art groß angelegtem – aber dennoch gleichermaßen verschwörerischem – Staatsstreich das Christentum als vorherrschende Religion in diesem Land durch das eigene Glaubenssystem verdrängen (Islamisierung!) und sich dabei als erstes ausgerechnet der Umbenennung von Schokoladenhasen widmen.

4. Auch wenn die Forschung nicht nachvollziehen oder gar nachweisen kann, ob unser heutiges Osterfest auf ein paganes – also heidnisches – Ritual zurückzuführen ist, so weiß man mit einem Blick in die Bibel eines ganz sicher: weder der Osterhase, noch das Osterei haben irgendetwas mit der ursprünglichen Ostergeschichte zu tun. Es bleibt also die Frage, warum die Umbenennung eines nichtchristlichen Schoko-Osterhasen vor mehreren Jahrzehnten ausgerechnet heute ein Zeichen für die Islamisierung unseres Abendlandes darstellen soll. Fragen über Fragen…

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