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Am Ende der Perlenschnur

China durchlebt einen energiepolitischen Wandel: weg von weltweiten Transportwegen, hin zur Kooperation mit dem russischen Nachbarn.

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Im Jahr 2004 hat die Beratungsfirma Booz Allen Hamilton eine Studie zur chinesischen Energieversorgung veröffentlicht. Darin enthalten war eine Definition für die chinesische Strategie mit dem Spitznamen „Perlenkette“: Tanker aus dem Reich der Mitte laden Öl im Nahen Osten und fahren dann um die halbe Welt zurück an ihre Heimathäfen. Mit dabei sind oftmals andere chinesische Schiffe; ein Netzwerk aus Allianzen sorgt unterwegs für die Versorgung mit Nachschub und Entertainment für gelangweilte Matrosen. Die „Perlen“ entlang der Kette sind all jene Länder, die entlang der Seerouten zu finden sind: Pakistan, Sri Lanka, Bangladesch, die Malediven und Burma.

Aber was passiert, wenn beispielsweise ein Land wie Burma mit der Demokratie experimentiert und sich zunehmend gen Westen orientiert? Bedeutet das, dass die Perlenkette zerreißt und auch die anderen Perlen langsam in Richtung von Washington rollen?

Weg von Peking, hin zu Washington

In Burma bleibt noch viel zu tun, bis wir wirklich von einer repräsentativen Demokratie sprechen können. Es ist ein gutes Zeichen, dass die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi am 1. April zu den Wahlen antreten durfte. Ihre „Nationale Liga für Demokratie“ hat es geschafft, 43 der 45 zur Wahl stehenden Sitze zu gewinnen. Aber die Machtstrukturen in Burma sind immer noch auf das Militär ausgerichtet. Die Armee ist für einen Großteil der Haushaltsausgaben verantwortlich und kontrolliert die Wirtschaft und den Handel mit Öl und Gas.

Der internationale Aspekt der Veränderung Burmas ist jedoch mindestens genauso interessant wie die Umbrüche innerhalb des Landes. Burma ist das erste Land (zumindest in der neueren Geschichte), das China den Rücken zuwendet, nachdem es sich jahrelang um Zuneigung aus Peking bemüht hat. Einige Entwicklungen verstärken diesen Eindruck, vor allem die Entscheidung der burmesischen Regierung, die eigene Währung (den Kyat) nicht künstlich auf- oder abzuwerten. Damit erfüllt das Land einen Mindeststandard des Internationalen Währungsfonds und macht sich für Washington interessant – ganz anders als China, das aktuell in Währungsfragen im Streit mit den USA liegt. Burma will, dass die Wirtschaftssanktionen gegen das Land aufgehoben werden und die Regierung hat anscheinend entschieden, dass eine Allianz mit den US einer Partnerschaft mit China vorzuziehen ist. Obamas Strategie geht auf: Bereits im November 2009 ließ er sich auf dem Treffen der südostasiatischen Staaten in Singapur mit Burmas Präsidenten Thein Sein ablichten. Der Charme zeigt heute seine Wirkung.

Für die Chinesen ist die Wandlung Burmas ein plötzliches geopolitisches Erwachen. Die Logik dahinter gleicht jedoch der Situation, mit der sich die Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert sah: Große, undemokratische Staaten sind gut darin, sich mit entfernten Entwicklungsländern anzufreunden. Aber wenn diese kleinen Nationen zu nah am großen Bruder liegen, suchen sie mitunter nach anderen Beschützern um nicht (in politischer Hinsicht) vom mächtigen Nachbarn geschluckt zu werden.

Wir könnten sagen: Für China hat der Verlust Burmas eventuell das Risiko, dass die Perlenkette zerfällt. Doch die Kette war noch nie eine rigide Struktur, sondern eher ein strategischer Ansatz, der durch eine Reihe von außenpolitischen Maßnahmen vorangetrieben wurde: Finanzspritzen an Partner, Marinemanöver in internationalen Gewässern oder der Bau von Militärbasen im Ausland. Der Fall Burma zeigt aber, dass diese Strategie für ein Land wie China zu unsicher ist. Peking hat es nicht geschafft, die Entwicklungen im Iran zu beeinflussen, obwohl China der größte Importeur iranischen Öls ist. Im Fall von Sudan führen geopolitische Entwicklungen und internationaler Druck dazu, dass China nicht ohne Weiteres auf weitere Öllieferungen setzen kann.

„Druschba“ mit den Russen

Das Fazit: Burma führt nicht dazu, dass die Perlenkette zerreißt – sie ist schon heute obsolet, weil China sich energiepolitisch neu orientiert. Die USA haben es geschafft, die eigene Energieunabhängigkeit in den vergangenen Jahren deutlich voranzutreiben. Washington ist heute wieder weniger daran interessiert, was mit den Energievorkommen in Zentralasien passiert. Im September 2010 hat Putins Platzhalter Dimitri Medwedew daher auch ein Abkommen mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao unterzeichnet, in dem eine Pipeline zwischen beiden Ländern beschlossen wird. 20 Jahre lang soll russisches Öl nach China fließen. Und bereits 2009 haben beide Länder Verträge im Gesamtwert von circa 100 Milliarden US-Dollar unterzeichnet. Auch Südamerika rückt in den Fokus – vor allem in Gestalt von Brasilien und Venezuela.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Stefano Casertano: Das Problem ist nicht Berlusconi

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