Steffen Hebestreit wird Regierungssprecher der Ampel-Koalition | The European

Was Große Koalition und Ampel vereint: Nur wer Steffen heißt, darf Regierungssprecher werden

Stefan Groß-Lobkowicz8.12.2021Medien, Politik

Der bisherige Regierungssprecher Steffen Seibert übergibt den Staffelstab an Steffen Hebestreit. Der Journalist, der bereits Sprecher im Bundesfinanzministerium von Olaf Scholz war, übernimmt nun auch den Twitter-Account seines Vorgängers. Von Stefan Groß-Lobkowicz.

Steffen Hebestreit, Foto: picture alliance/dpa | Michael Kappeler

„Guten Tag, ich bin der designierte Sprecher der Bundesregierung und freue mich sehr auf den Austausch hier mit Ihnen! Morgen werde ich offiziell im Amt sein, bis dahin twittert hier das Team aus dem Bundespresseamt mit (BPA)“, so hat sich Steffen Hebestreit auf Twitter heute vorgestellt.

Mit Hebestreit wird ein versierter Journalist neuer Regierungssprecher der Ampel-Koalition von SPD, Grünen und Liberalen. Der in Frankfurt/Main geborene Scholz-Vertraute studierte Politikwissenschaft und Amerikanistik in seiner Heimatstadt und in Washington. Hebestreit, 1972 geboren, volontierte bei der „Frankfurter Rundschau“, arbeitete dann als Redakteur und wurde 2006 Hauptstadtkorrespondent. Für die Mediengruppe DuMont und für die „Berliner Zeitung“ schrieb er regelmäßig über die Berliner Republik.

Die letzten sieben Jahre und vier Monate war Hebestreit Mitglied in der Bundespressekonferenz. Er gehörte dem Verein der Hauptstadtjournalistinnen und -Journalisten an, dessen Vereinsvorstand er von 2011 bis 2014 war. Ebenfalls 2014 wurde Hebestreit Mitglied bei den Sozialdemokraten und Sprecher der damaligen Generalsekretärin Yasmin Fahimi. Ab 2015 war er Leiter der Vertretung der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund in Berlin und ab 2018 Leiter für Kommunikation im Bundesfinanzministerium und Sprecher von Ex-Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Wie die neue Bauministerin Klara Geywitz ist die Berufung von Hebestreit ein Vertrauensbeweis des neuen Kanzlers, der gern auf Menschen setzt, die er aus seinem politischen Umfeld kennt.

Was wird aus Steffen Seibert?

Der bisherige Regierungssprecher Steffen Seibert verlässt dieser Tage sein Amt, das er seit dem 11. August 2010 innehatte. Damit stellte er einen Langzeit-Rekord auf. Keiner vor ihm war so lange Leiter des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung und damit als beamteter Staatssekretär Chef von knapp 500 PR-Profis im Auftrage der Bundesregierung. 1.058 Auftritte vor der Bundespressekonferenz hatte er 61-Jährige während seiner Amtszeit absolviert. Seibert, dessen Karriere beim ZDF begann, war 2010 „ein allgemeines Rückkehrrecht“ zum Sender eingeräumt worden. Doch sei eine Rückkehr, so der Branchendienst, „Quotenmeter“ in eine journalistische Funktion nun aber nicht möglich. Sein Vorgänger Ulrich Wilhelm, von 2005 bis 2010 Chef des Bundespresseamts und Regierungssprecher der Bundesregierung für das Kabinett Merkel I und Merkel II. war in die Kritik geraten, weil er von 2011 bis 2021 Intendant des Bayerischen Rundfunks und von 2018 bis Dezember 2019 Vorsitzender der ARD war. Von einer zu engen Verzahnung von Politik und unabhängigem Journalismus war die Rede. Was allerdings Steffen Seibert in Zukunft macht, bleibt noch offen. Sicher aber ist, dass Hebestreit den Twitter-Account @RegSprecher übernehmen wird. Der gebürtige Münchner Seibert schrieb zum Ende seiner Amtszeit: „Allen, die mir hier gefolgt sind, danke ich herzlich für das große Interesse über die lange Zeit!“. Sein Account wird nun als @RegSprecherStS archiviert.

Für Hebestreit ist der neue Job nicht nur ein weiteres Highlight auf seiner Karriereleiter, sondern lohnt sich auch finanziell. Seibert hatte als Leiter des Bundespresseamts im Range eines Staatssekretärs rund 11.500 Euro im Monat verdient. Vielleicht hat Olaf Scholz in Zeiten der Rezession noch etwas draufgelegt? Immerhin bleibt Hebestreit die schwierige Aufgabe, mögliche Differenzen der neuen Ampel-Koalition nach außen hin zu glätten. Das könnte nach mäßigem Anlauf vielleicht in den nächsten vier Jahren doch noch komplizierter werden. Aber Hebestreit kennt sich in Berlin und den politischen Lagern bestens aus.

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