Das haben Donald Trump und Jogi Löw gemeinsam - Sie können nicht Abschied | The European

Löw und Trump wollen einfach nicht gehen

Stefan Groß-Lobkowicz19.11.2020Medien, Politik, Sport

Nach dem Fußball-Desaster gegen Spanien ist es jetzt amtlich – Jogi Löw bleibt Bundestrainer der Deutschen Fußball-Elf. So wurde es nach der historischen 0:6-Klatsche gegen Spanien beim Krisen-Gipfel mit DFB-Präsident Fritz Keller (63), Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff (52) und Co-Trainer Marcus Sorg (54) am Münchner Flughafen beschlossen. Das Elend geht also in die nächste Runde und die Welt schaut wie bei Donald Trump zu. Doch Löw müsste nun eigentlich selbst die Reißleine ziehen. Ein Kommentar von Stefan Groß-Lobkowicz.

Bundestrainer Joachim Löw Deutschland mit Mundschutz nach einem Spiel in der Nations League, Foto: imago images / Christian Schroedter

Der eine stammt aus New York, der andere aus dem besinnlichen Schönau im Schwarzwald. Doch beide Männer, der Noch-US-Präsident Donald Trump und der deutsche Bundestrainer Jogi Löw haben eins gemeinsam – sie klammern mit allen nur erdenklichen Mitteln an ihren Posten. Fehlbesetzungen waren sie, so sind sich Kritiker einig, eigentlich immer gewesen. Doch der immer ein wenig traurig und romantisch dreinblickende Löw und sein agiles Gegenteil, der impulsive, vor Kraft und Stärke strotzende Twitterkönig aus den USA – Trump wissen nicht, wann die Stunde schlägt oder wem sie bereits geschlagen hat. So darf sich Löw, mittlerweile 60 Jahre, weiter durchwursteln. Trump versucht das auch – doch er verspielt mit dieser kindischen Art eines krampfhaften Festhaltens an der Macht mittlerweile jedwede Würde. Wenn der Republikaner nicht aufpasst, wird einzig und allein die Rolle der beleidigten Leberwurst an ihm und seiner Amtszeit für künftige Generationen kleben bleiben. Dabei war seine Bilanz gar nicht so schlecht. Immerhin hat er als einziger US-Präsident der vergangenen Jahre keine Kriege vom Zaun geledert, sondern zieht seine Elite-Einheiten zur Hälfe aus den Krisengebieten, dem Irak und Afghanistan, ab. Damit erfüllt Trump immerhin noch ein Wahlversprechen, sein letztes womöglich.

Woher beide ihren Willen beziehen, wenn sie doch scheitern oder miserable Leistungen wie Jogi Löw nach der 0:6 Pleite gegen Spanien abliefern, bleibt ihr Geheimnis. Das sieht zumindest der „Kicker“ bei Löw so. Auch in der „FAZ“ findet man bittere Zeilen über das Urgestein aus dem Schwarzwald. „Im Erfolg, heißt es gerne, mache man die größten Fehler. Weil zu lange an dem festgehalten wird, was funktioniert hat, weil vor allem nicht mehr hinterfragt wird, warum etwas Erfolg gebracht hat. Der Selbstbetrug rund um die deutsche Fußball-Nationalmannschaft geht deshalb einher mit dem aufsehenerregendsten Sieg, den das Team seit dem WM-Sieg 1954 errungen hat. Im Halbfinale der WM 2014 besiegte Deutschland den WM-Gastgeber Brasilien 7:1. Ein paar Tage später wurde der vierte WM-Titel im ganzen Land gefeiert. Seitdem geht es bergab. Weil manche Frage gar nicht mehr gestellt werden durfte.“

Das Löw seine Leistungen zunehmend – wie jenseits des Atlantiks Donald Trump – überschätzt und die Mannschaft derzeit eher unter dem Bundestrainer leidet, als von ihm zum Erfolg geführt zu werden, kann sich auch der „Tagesspiegel“ nicht verkneifen. „Womöglich hat Löw sich und seine Fähigkeiten überschätzt, als er nach der vermaledeiten WM im Amt geblieben ist; als er angeblich noch genügend Kraft und Energie und Lust auf einen Neuanfang verspürte. In ihrer sportlichen Entwicklung ist die Mannschaft seit 2018 nicht entscheidend vorangekommen. Im Gegenteil: Die Kritik will einfach nicht verstummen.“ Die „Süddeutsche Zeitung“ spricht von einer Erosion seiner Trainerkunst. Löw ist angezählt und wie er auch entscheidet, er wird es keinem mehr recht machen. „Man wird ihm vorhalten, dass er Hummels, Boateng und Müller nicht beruft, und man würde es ihm auch vorhalten, wenn er sie wieder beriefe. Seine Spieler werden es spüren, das Vertrauen in seine Trainerkunst wird erodieren.“ Und „Der Spiegel“ setzt noch eines drauf. Das Nachrichtenmagazin spricht von einer fatalen Selbstzufriedenheit, in die sich das deutsche Team nach dem Titelgewinn 2014 eingenistet habe, in eine „Selbstzufriedenheit, die selbst das Vorrundenaus bei der WM 2018 nicht nachhaltig hat erschüttern können. Nach dem Russlanddebakel war viel von einer radikalen Fehleranalyse die Rede gewesen. Aber diese Analyse war allein verbalradikal, sie ging, zumindest soweit sie öffentlich kommuniziert wurde, niemals an die Wurzel.“

Jogis Niederlage beim herabwürdigen 0:6 gegen die Spanier würde nicht einmal mehr der glorreiche Donald Trump in einen Sieg verwandeln können. Zuletzt hatte 1909 eine deutsche Nationalmannschaft so hoch verloren.

Fazit zu Jogi Löw: Das wird nichts mehr mit dir und dem Fußball. Und die Mehrheit der Fans sehnt sich ehedem nach einem Neuanfang. Vielleicht sucht Donald Trump, bis er im Jahr 2024 wieder für das Amt des US-Präsidenten kandidieren wird, noch einen Coach. Dann aber müsste Jogi Löw noch mehr golfen als Trump, der seine Niederlage auf dem Golfplatz einlochen musste. Egal, wo der neue Bundestrainer spielt, er hat den Ball eh schon verloren.

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