Brasilianische Insel: Urlaub nur mit positivem Corona-Test | The European

Urlaub - Aber bitte nur mit dem Coronavirus

Stefan Groß-Lobkowicz1.11.2020Medien, Politik

Haben Sie dieses Jahr schon Ihren Urlaub geplant und hatten Sie Corona? Dann dürfen sie zumindest auf die brasilianische Atlantikinsel Fernando de Noronha. Es ist grotesk, aber während auf der ganzen Welt die Zahl der Coronazahlen dramatisch steigt, verfolgt ein Inselparadies im Atlantik ein völlig anderes Programm. Corona ist erlaubt, ja Pflicht bei der Einreise.

Fischerboot auf der Insel Fernando de Norohna, Foto: imago images / robertharding

Verschwindend klein liegen die idyllischen Inseln vor der Küste Brasiliens, inmitten das Urlaubsparadies Fernando de Noronha. Die Idylle, 1503 von Amerigo Vespucci erstmals erwähnt, ein Pflanzen-, Tier- und Tauchparadies mit weltweitem Ruf, liegt nur 350 km vom Festland entfernt. Von paradiesischen Zuständen kann man dort nur träumen, sei es in São Paulo, Brasilia, Rio de Janeiro oder Salvador. Das Coronavirus fräst sich seit Monaten hinweg wie eine gefräßige Raupe durch die Bevölkerung  und lässt die Todeszahlen rasant wie dramatisch nach oben klettern. In Brasilien, wo Rechtsaußen Jair Messia Bolsonaro mit harter Hand regiert und wie sein amerikanisches Vorbild Donald Trump die Gefahr es Coronavirus herunterspielt, wurden bis Mitte Oktober 5.251.127 Personen mit dem Coronavirus infiziert; 154.226 sind mittlerweile gestorben. Von Bolsonaro, selbst mehrfach an Corona erkrankt, hat man auf Fernando de Noronha die Nase gestrichen voll. Es ist bekannt, dass Bolsonaro die Umwelt egal und er nichts von Corona, trotz Mehrfach-Corona-Infektionen, und nichts von Maskenpflicht, Abstandsregeln und Kontaktsperren hält.

Nach Monaten der Isolation lässt die Insel wieder Touristen rein

Corona hatte die Atlantik-Inseln mit dem Inseln schünen Archipel Fernando de Noronha in den letzten fünf Monaten fest in Schach gehalten. Ende März zogen die Verantwortlichen dann die Konsequenzen und sperrten das Eiland sowohl für nationale wie internationale Touristen. Das ganze Areal, das zum Weltnaturgut der UNESCO zählt, wurde verbarrikadiert und erklärte Tabuzone. Unter den 3000 Einwohnern, die seit rund vierhundert Jahren die Inseln besiedeln, gab es 93 bestätigte Fälle. 17 Menschen wurden positiv auf das Virus getestet.

Das neue Gesundheitskonzept: Bitte nur mit Corona

Die Bewohner der kleinen Insel im Atlantik hatten daraufhin ein alternatives Konzept zur Bekämpfung einer der weltweit schwersten Pandemien entwickelt. Auf die Insel dürfen nur noch Urlauber, die schon Corona hatten. Seit September müssen diese ein positives Testergebnis nachweisen. Erlaubt ist ein positiver PCR-Test, der mehrere Tage vor dem Anreisetag durchgeführt werden muss. Schnelltests werden nicht akzeptiert.

Wer keinen Laborbericht vorlegen und damit nachweisen kann, dass er bereits an Covid-19 erkrankt war, dem versagt das Paradies die Einreise. Spätestens am Flughafen Recife in Nordbrasilien ist dann Schluss. „Wir können keine Ausnahme machen“, erklärt der Mann am Schalter. Dennoch: Die Flugzeuge sind gut gefüllt. Mitte Oktober startete der Flieger Richtung Fernando de Noronha – vollbesetzt mit 80 Touristen an Bord mit Corona-Antikörpern im Blut.

Insel-Chef Guilherme Rocha will nach den harten Coronazeiten, wo einzig und allein die gute Nachbarschaftshilfe die Insulaner vor dem völligen finanziellen Ruin rettete, um jeden Preis verhindern, dass das Coronavirus seine Insel durch die Touristen nachträglich doch noch einmal erreicht. „Wir haben rigorose Maßnahmen ergriffen, um Corona von uns fern zu halten.“ Das flächenmaschige Überwachungsnetz wird von den Gesundheitsbehörden der Insel stichprobenartig überprüft, eine fast lückenlose Überwachung. Und man ist sich bei so viel gebotener Vorsicht sicher: „Wir werden mit zunehmendem Tourismusansturm keinen Ausbruch erleben“, so Leticia Maria vom Gesundheitsamt.

Das Paradies Fernando de Noronha war schon immer exklusiv

Schon vor der weltweiten Pandemie galt ein Besuch auf Fernando de Noronha als etwas Besonders. Für die Zahl der Touristen gab es eine Obergrenze, eine Naturtaxe wurde fällig und der Naturschutz stand an erster Stelle. Einer der exklusivsten Reiseziele in Brasilien hatte sich immer wieder vor dem Massenansturm samt Kreuzfahrtschiffen gewehrt. Die Bewohner waren stolz auf ihre Heimat, wo sich eine Vielzahl endemischer Pflanzenarten erhalten konnte und eine Tierpopulation der Superlative. Das wollen sie sich weder vom Virus noch vom inkarnierten Corona-Populisten Bolsonaro zerstören lassen, der den Regenwald gewissenlos abrodet und vom dem bekannt ist, dass er ein Gegner strenger Umweltauflagen ist. Bitte ohne Bolsonaro, aber bitte mit Corona – so lautet die Maxime der Insulaner, die mit ihrer Anti-Corona-Strategie sicherlich ein sehr ungewöhnliches Projekt verfolgen.

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