Armin Laschet – macht er nun die Baerbock? | The European

Lachender Laschet tut sich keinen Gefallen

Stefan Groß-Lobkowicz18.07.2021Medien, Politik

Das unbedachte Lachen von Armin Laschet im sicherlich falschesten Moment ist unentschuldbar. Über 150 Tote, viele Vermisste und ein Sachschaden in mehrfacher Milliardenhöhe gibt wenig Anlass zu Scherzen. Während die Konkurrenz bei den Grünen mit gravierenden Formfehlern bei Vita, Lebenslauf und aktuellem Buch patzt, könnte Laschets Lacher ein Nachspiel im Wahlkampf haben. Ein Kommentar.

Bei einem Besuch im katastrophengebiet hatte CDU-Chef und Kanzlerkandidat Armin Laschet bei einer Rede zu den OPfern von Bundespräsident Steinmeier gelacht, Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Marius Becker

Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt“, ist bekanntlich eine Redewendung, die Napoleon auf seiner Flucht aus Russland zugeschrieben wird. Armin Laschet hat sich mit einem Lächeln an falscher Stelle nun so gar keinen Gefallen getan.

CDU-Chef und Kanzlerkandidat Armin Laschet gilt eigentlich als Versteher, als einer, der die Menschen abholt, der den direkten Draht hat. Eigentlich. Doch während einer Rede von Frank-Walter Steinmeiers im vom Unwetter heimgesuchten Erftstadt sorgte ein lachender Laschet für Empörung. Der Bundespräsident hatte in einer kurzen Rede sein Mitgefühl mit den Opfern der Flutkatastrophe zum Ausdruck gebracht und gesagt: „Ihr Schicksal zerreißt uns das Herz.“ Im Hintergrund sah man einen lachenden Laschet. Dieser hatte sich unterdessen entschuldigt, er habe sich unangemessen verhalten. „Dies war unpassend und es tut mir leid“, schrieb er am Samstagabend im Kurznachrichtendienst Twitter.

Die Medien titelten schon von „würdelosem Verhalten“, sprachen von „Pietätlosigkeit“ und sprachen von einer „Frage des Charakters.“ Bei Twitter hagelte es daraufhin Kritik am nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten. So schrieb SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil schrieb: „Ich bin wirklich sprachlos.“ SPD-Parteivize Kevin Kühnert twitterte: „Eine Frage des Charakters.“ Der frühere Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, sprach von “Pietätlosigkeit” gegenüber den Opfern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht den Ort Schuld, der von der Flutkatastrophe besonders stark getroffen wurde, Foto: picture alliance / AA | Abdulhamid Hosbas

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte den von der Flut fast völlig zerstörten Ort Schuld in Rheinland Pfalz besucht. Merkel, die gerade von einer USA-Reise kann, sprach von einer surrealen Situation und „gespenstischen Bildern“.  „Die deutsche Sprache kennt kaum Worte für die Verwüstung, die hier angerichtet ist.“ Zusammen mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Maly Dreyer sagte sie schnelle Hilfe für den Wiederaufbau der Infrastruktur zu.

Das unbedachte Lachen von Armin Laschet im sicherlich falschesten Moment ist unentschuldbar, unnötig und nicht nur politisch ungeschickt. Über 150 Tote, viele Vermisste und ein Sachschaden in mehrfacher Milliardenhöhe gibt wenig Anlass zu Scherzen. Während die Konkurrenz bei den Grünen mit gravierenden Formfehlern bei Vita, Lebenslauf und aktuellem Buch patzt, könnte Laschets Lacher ein Nachspiel im Wahlkampf haben. Möglicherweise verzeihen die Bundesbürger Annalenas Baerbock Tricksereien letztendlich mehr als einem Ministerpräsidenten, der in einer Notlage unkontrolliert agiert und damit die Sorgen der Bevölkerung nicht ernst nimmt. Einen moralischen Schaden hat die Angelegenheit für Laschet jetzt schon.

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