Die Ausnahmeathleten in der deutschen Filmbranche

Stefan Groß-Lobkowicz9.06.2017Gesellschaft & Kultur, Medien

Mit dem Produzentenduo Wiedemann und Berg hat die deutsche Filmgeschichte aber erst begonnen. Von diesen Zeichensetzern können wir noch Großes erwarten. Für den Kinofilm die „Hartmanns“ bekommen sie den diesjährigen Signs-Award in der Kategorie „Engagement in der Kommunikation“.

Die Produzenten Max Wiedemann und Quirin Berg sind so etwas wie die Ausnahmeathleten in der deutschen Filmbranche. Wo anderen die Luft ausgeht, finanzieren und arrangieren sie ein Kino- und Fernseh-Highlight nach dem anderen. Der Film in allen seinen Facetten ist ihr Leben, die treibende und magische Macht, die sie antreibt – vielleicht ein Gen, das tief in beiden verankert ist. So haben die Jungathleten bereits ein Œuvre geschaffen, das beeindruckt, das für ein Arbeitsethos spricht, das leidenschaftlicher nicht sein kann. Das Zeichen setzt und die Messlatte immer wieder nach oben hin verschiebt.

Bereits kurz nach ihrem Studium an der Münchner Filmhochschule eroberten sie die Weltbühne und kassierten mit ihrem ersten Kinofilm „Das Leben der Anderen“ den Oscar für den Besten Fremdsprachigen Film. Das war 2006 und seitdem sind die beiden auf der Überholspur. Ihre Produktionen sind mittlerweile Meilensteine: sowohl qualitative und quantitative Bestseller.

Ob „Männerherzen“, „Friendship!“, „Vaterfreuden“, „Who Am I – Kein System ist sicher“– Berg und Wiedemann sind Gipfelstürmer, die den Esprit und die Finessen, aber auch die Brüche im Zeitgeist erkennen und herauskristallisieren und darüber hinaus mit der Creme de la Creme aus Regie, Drehbuch und Schauspielerelite in die Realität gießen. Sie haben einfach das Gespür für den Erfolg und nicht zuletzt den unbändigen Gestaltungswillen, dem deutschen Kino oder Fernsehfilm ein Stück Unvergänglichkeit zu schenken.

Darüber hinaus sind sie Schatzsucher, sie wagen sich an Themen heran, vor denen viele andere zurückschrecken, weil diese vielleicht zu stark polarisieren, so bei dem Dreiteiler „Mitten in Deutschland: NSU“ oder – gerade aktuell – der Serie „4 Blocks“.

Sie selbst begreifen sich als Bauherren, die sorgsam und bedächtig, finanziell klug und abgewogen ihre Projekte auswählen und wie kleine Kathedralen in den Himmel stellen. Sie sind Unternehmer und Feingeister zugleich und erweisen sich so auch als Chronisten der bundesrepublikanischen Geschichte in ihrer Vielgestaltigkeit.

Und sie sind Visionäre des deutschen Kinos, die neue Wege betreten. Sie sehen in der Digitalisierung eine Chance, schrecken nicht vor Netflix zurück. Denn sie sind tief davon überzeugt, dass eine gute Produktion ihren Mehrwert dann erhöht, wenn sie jenseits der Kinoleinwand ein breites Publikum erreicht. Begeistert.

Zahlreiche Filmpreise, Filmfestehrungen und Auszeichnungen sprechen für sich – sind Ausdruck eines nietzscheanischen unbändigen Willens.

Mit Simon und Michael Verhoeven haben sie mit dem Kinofilm „Willkommen bei den Hartmanns“, den meistgesehenen Film des Jahres 2016, wieder eine deutsche Filmkomödie geschaffen, die der Gesellschaft nicht nur einen kritischen Spiegel im Zeitalter der Flüchtlingskrise vor Augen hält, sondern auch für mehr Toleranz und Mitmenschlichkeit in Zeiten von rechter Polarisierung wirbt. Durch ein feinsinniges Gespür für starke Pointen sind die „Hartmanns“ zu einem Pflichtfilm geworden, der punktgenau die Balance zwischen Überzeichnung und Betroffenheit hält und zum Nachdenken anregt, weil er den Diskurs offen hält.

Mit dem Produzentenduo Wiedemann und Berg hat die deutsche Filmgeschichte aber erst begonnen. Von diesen Zeichensetzern können wir noch Großes erwarten. Für den Kinofilm die „Hartmanns“ bekommen sie den diesjährigen Signs-Award in der Kategorie „Engagement in der Kommunikation“.

Die Laudatio hielt Nina Eichinger

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