Club Bataclan, 13. November

Stefan Groß-Lobkowicz16.11.2015Europa, Gesellschaft & Kultur

Er gilt als der Kult-Club der französischen Hauptstadt Paris. Im Bataclan wird getanzt und gefeiert – Frivolitäten inklusive. Genau diese Spaßkultur hatte der Islamische Staat bei seinem mörderischen Attentat im Visier. Im Inneren des Konzertsaales hatte sich am Freitagabend das Attentat ereignet, das nun auf grauenhafte Weise in die Geschichte eingegangen ist.

Seit Freitagabend steht das Pariser Bataclan mehr denn je in der Öffentlichkeit. In Paris gab es keinen lebenslustigeren Ort als das Bataclan, das keine 200 Meter entfernt von den Redaktionsräumen der Satirezeitschrift Charlie Hebdo liegt.

Der Hass der Terroristen richtet sich gegen die europäische Spaßkultur. Während Stoner-Rock-Klängen fand im vergnügungsstärksten Arrondissement der Pariser Metropole eine Hinrichtungsorgie statt, die alle Träume eines friedlichen Konzerts im Keim erstickten. Ausgerechnet das mulitkulturelle Miteinander und die Feierkultur der Pariser Jugend wurden zum tödlichen Schmelztiegel fanatischer Fundamentalisten. Über 100 junge Menschen wurden von ebenso bekennenden Jugendlichen erschossen, die sich bei ihrer Gewalttat auf den Allmächtigen beriefen. „Allahu Akbar”, schrieen die fanatischen Terroristen: „Gott ist größer.“

Bekannt ist das Bataclan als ein Pariser Vergnügungsetablissement und Konzertsaal mit einer ehemals auffällig orientalisierenden Architektur. Charles Duval hatte es zwischen 1864-65 errichtet und sein Name verweist auf die gleichnamige Operette von Jacques Offenbach, Ba-ta-clan. Offenbach hatte seine frivolen Handlungen im Nahen Osten angesiedelt und gilt nicht zu unrecht als ein Wegbereiter des modernen Hedonismus, er war gleichermaßen Vorbild der Pariser Lebensart. Später haben Maurice Chevalier und Edith Piaf hier auf der Bühne gestanden. Für Furore sorgte das Bataclan, in dem regelmäßig Rock- und Pop-Konzerte stattfinden, durch einen gemeinsamen Bühnenauftritt von Lou Reed, John Cale und Nico nach der Auflösung von The Velvet Underground im Jahr 1972. Heute gleiche das Bataclan eher einem Potpourri aus Lebkuchenhaus und kalifornischem Mission Style, so Sascha Lehnartz in der Tageszeitung Die Welt.

Auch in Paris richteten sich die Attentate wieder gegen Juden

Während 2001 die Anschläge auf das New Yorker Word Trade Center an einem Dienstag stattfanden und fast 3.000 Menschenleben forderten, haben sich die neuen Kämpfer des Islamischen Dschihads europäisiert und einen Freitag, den 13., den traditionellen Unglückstag im Volksglauben der Europäer, ausgewählt. Passend zum 13. war auch die Musik: Heavy Metal, das von Hard Rock abgeleitet wird. Zuzeiten seiner Entstehung zählte dieser zur härtesten Musikrichtung, die damals auf dem Markt war, und die in den siebziger Jahren immer mehr an Brutalität, Mord und Totschlag gewann und den ursprünglichen Hard Rock – also „harter Stein“ – weit an Härte und Aggressivität übertroffen hatte. Härter als Stein war nur Metall, und mit diesem Metall wurden die Jugendlichen jetzt wahllos hingerichtet. Hinzu kommt, dass auch die Betreiber des Bataclan jüdisch sind – auch dies eine Parallele zu den Anschlägen vom 7. Januar 2015, wo nicht nur die Redakteure der Satirezeitung Charlie Hebdo attackiert, sondern gleichzeitig auch mehrere gläubige Juden getötet wurden. Die kalifornische Band Eagles of Death Metal, die am Freitag vor über 1.000 Gästen spielte, hatte gerade eine Israel-Tournee absolviert. Bekannt sind die Rocker für einen „reduzierten, rauen, spaßbetonten Garagen-Rock“. Ein Großteil ihrer Songtexte widmet sich Themen wie Sex, Drugs und Ironie.

Wir brauchen Kunst und Kultur, sonst enden wir in der Barbarei

Am Freitag, den 13. November 2015 hat neben Europa auch die saturierte Spaßgesellschaft grausam feststellen müssen, dass fanatische Glaubensbrüder nicht nur die Werte Europas verabscheuen, sondern ganz dezidiert jene auslöschen wollen, die mit ihrer Fest-, Kunst-, Musik-, und Spielkultur mögliche Gefühle von Dschihadisten verletzen. Wenngleich in islamischen Ländern Heavy-Metal-Musik verboten ist, bedeutet dies noch lange nicht, dass die Kämpfer des IS uns unserer Spaßkultur berauben, sie verbieten oder gar militärisch angreifen dürfen. Selbst wenn man Heavy Metal nicht mag, steht fest: Die Schlächter wollen uns das Lachen verbieten. Aber dies können wir nicht hinnehmen. Musik, Darstellende und Bildende Kunst gleichermaßen – sind und bleiben die Existenzpfeiler unserer Kultur. Erinnert sei an Friedrich Schiller. Für ihn war das Theater, die Schaubühne, wie er sie nannte, die moralische „Besserungsanstalt“ schlechthin, denn sie erzieht uns zu ästhetischen Menschen und letztendlich zu mündigen Staatsbürgern. Das Ästhetische bleibt also die Voraussetzung des aufgeklärt Politischen – es zu verbieten, endet nicht nur in der Kulturlosigkeit, sondern schlichtweg in der Barbarei.

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