Weltrestschule Afrika

von Stefan Gärtner24.09.2010Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

In schlechten Zeiten ist Entwicklungshilfe einfach zu teuer – aber wie sonst soll man Weltmarkt und Abendland miteinander versöhnen?

Was das bloß wieder miteinander zu tun hat: Bildungspolitik, Entwicklungshilfe und “die nun auch im European behandelte Frage, was Konservatismus eigentlich sei.(David Baum)”:http://www.theeuropean.de/david-baum/4263-das-ancien-regime Lat. conservare heißt erhalten, bewahren. Konservatismus ist, etymologisch gesehen, also erst einmal eine Haltung, die das, was ist, bewahrenswert findet. Nun verhält es sich aber mit einer gewissen Notwendigkeit so, dass man erst etwas besitzen muss, um etwas zum Bewahren zu haben: Geld, einen Acker, Vorrechte. (Der Idealist wird ergänzen wollen: einen Glauben, eine Überzeugung! Aber wir Materialisten wissen, dass noch immer erst das Fressen und dann die Moral kommt. Besitz und Konservatismus gehören zusammen.) Zur Zeit der Französischen Revolution waren es die Junker, der Adel und die Kirche, die ihre Privilegien und Besitztümer gegen den napoleonischen Bürgerpöbel verteidigt sehen wollten, was jenseits der französischen Grenzen ja auch eine ganze Weile gelungen ist; und wer heute forsch vorgibt, “konservativ” zu sein und damit irgendwas vage “Wertorientiert-Rechtsgrün-Libertäres(Alxander Görlach)”:http://www.theeuropean.de/alexander-goerlach/4353-werte-fuer-die-zukunft meint, der soll, bitte sehr, vor lauter Abendland und Humanitas die Metternichs, Bismarcks und Hugenbergs in seiner Ahnenreihe nicht unterschlagen.

Erst das Fressen, dann die Moral

Entwicklungshilfe immerhin ist konservativ. Während ein Marxist im Sinne des sozialistischen Internationalismus die volle zwischenstaatliche Gleichberechtigung anstrebt, um Staat und Nation überwinden zu können, hält der Konservative ein Oben und Unten auf der politökonomischen Landkarte schon deshalb für bewahrenswert, weil er zum Oben gehört. Weil er aber gleichzeitig in christlich-abendländischer Verantwortung steht (und damit ihm nicht noch mehr depravierte Neger die Bude einrennen), gibt er einen Teil seines Nationaleinkommens (zurzeit sind das in Deutschland stattliche 0,35 Prozent) für Entwicklungshilfe aus, Geld, von dem Brunnen gebohrt und Schulen gebaut werden. Politisch ändert Entwicklungshilfe nichts; nicht nur, weil das ein bisschen viel verlangt wäre, sondern auch, weil sie das Feigenblatt eines Weltwirtschaftssystems ist, dem nichts daran liegen kann, am Grundsatz von wir hier oben/ihr da unten viel zu ändern.

Stolz zementieren wir die eigenen Privilegien

Bei allem Respekt vor jedem Arzt und jeder Ingenieurin, die in der Dritten Welt Entwicklungshilfe leisten – das Ganze wird zum Witz (und der Spruch von der “Hilfe zur Selbsthilfe” zur üblen Phrase), wenn (das hatten wir an dieser Stelle schon) die Industriestaaten des Nordens ihre hoch subventionierten Nahrungsmittelüberschüsse in Afrika verschleudern und damit den lokalen Markt zerstören; wenn deutsche und französische Firmen tiefgekühlte Hühnchenreste, die im Wohlstandseuropa nicht verkäuflich sind, nach Ghana und Togo verschiffen und dort den Hühnchenhandel lahmlegen; wenn Kleinbauern in die Fänge des Gentech-Riesen Monsanto gelangen und ihr gentechnisch verändertes Saatgut jedes Jahr nachkaufen müssen. Da kann man sich auf sog. Millenniumsgipfeln noch so lange streiten, “ob und wann die Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent des BSP steigt(Das Glaubwürdigkeitsproblem von Renée Ernst)”:http://www.theeuropean.de/rene-ernst/4373-millennium-development-goals: Solange im west-östlichen Speckgürtel alles bleiben soll, wie es ist, bleibt die Dritte Welt, ob nun ein bisschen mehr oder ein bisschen weniger alimentiert, draußen; und das ist im besten Sinne konservativ. Denn so wenig wir Konservativen die ganzen Kevins, die doch zum Handykauf kein Abitur benötigen, auf dem Gymnasium brauchen und deshalb die Stärkung der Hauptschulen verlangen, so wenig braucht die zu stärkende Weltrestschule Afrika sub specie conservandi viel mehr hervorzubringen als Abnehmer von tiefgekühlten Hühnerresten.

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