Der Wirt rechnet ab

von Stefan Gärtner13.08.2010Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Was am Volkskörper blutsaugt, soll man auch so nennen dürfen: Der Ton, den bürgerliche Debattenkulturbeauftragte in Sozialfragen anschlagen, würde ihnen vielleicht etwas weniger gefallen, wenn sie wüssten, woher er kommt.

Eigentlich müsste ich dem Kolumnistenkollegen F. ein paar Cent von meinem Kolumnistensalär abgeben; denn wann immer sich die tages- und wochenaktuellen Themen als zu wenig inspirierend erweisen, kann ich mich auf den fröhlichen Konservativen verlassen, der dem antikapitalistischen Affen in mir Zucker gibt und der die Drahtbürste, die in meinem Abdomen wohnt und auf gut gekleideten, wunderbar provokanten Unflat gerade noch gewartet hat, zuverlässig in die Vertikale bringt.

Eines der ältesten rechtsklassenkämpferischen Klischees

Dass F. Das zu sehen braucht’s weder Marx noch Engels

Nun würde ein Blick in eines der bunten Blätter, die beim Friseur oder Zahnarzt herumliegen, genügen, um zu erkennen, wer auf dieser Welt von wem lebt: nämlich nicht die Hartz-IV-Mutti mit dem Alkoholproblem von denen, die auf Industriellenhochzeiten oder “Charity-Events” mit Geld schmeißen, das andere für sie verdienen, sondern der Hofkolumnist von der in Asien sistierten Arbeiterin, die ihm für ein halbes Butterbrot den Laptop zusammenbaut, auf dem er dann gegen just die Armut teufeln kann, die doch Bedingung für seinen Lifestyle ist. Das zu sehen braucht’s weder Marx noch Engels; ja, nicht einmal mich. Was aber – neben Volksverhetzung – ist dieser Klassenkampf von rechts? “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen” – ich hoffe, der Kollege kann damit leben, dass diese Formel vom “unnützen Esser” nur eine Moralzeigefingerbreite von seinem latent gewalttätigen Almosengewäsch entfernt liegt. Es ist nämlich, halten zu Gnaden, eine faschistische.’>am Montag dagegen war(am Montag dagegen war)

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