Der Wirt rechnet ab

von Stefan Gärtner13.08.2010Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Was am Volkskörper blutsaugt, soll man auch so nennen dürfen: Der Ton, den bürgerliche Debattenkulturbeauftragte in Sozialfragen anschlagen, würde ihnen vielleicht etwas weniger gefallen, wenn sie wüssten, woher er kommt.

Eigentlich müsste ich dem Kolumnistenkollegen F. ein paar Cent von meinem Kolumnistensalär abgeben; denn wann immer sich die tages- und wochenaktuellen Themen als zu wenig inspirierend erweisen, kann ich mich auf den fröhlichen Konservativen verlassen, der dem antikapitalistischen Affen in mir Zucker gibt und der die Drahtbürste, die in meinem Abdomen wohnt und auf gut gekleideten, wunderbar provokanten Unflat gerade noch gewartet hat, zuverlässig in die Vertikale bringt.

Eines der ältesten rechtsklassenkämpferischen Klischees

Dass F. “am Montag dagegen war(am Montag dagegen war)”:http://www.theeuropean.de/jan-fleischhauer/3989-hartz-iv-reform, dass andere dagegen sind, Kindern aus Hartz-IV-Familien statt mit Geld, das die nichtsnutzigen Eltern eh nur versaufen, mit Gutscheinen fürs Schwimmbad oder den Flötenunterricht auszustatten, mag mit ein bisschen gutem Willen noch als pragmatisch durchgehen (auch wenn der informierte Leser weiß, dass “pragmatisch” i. d. R. bloß synonym für “Arme verarschen” steht), denn tatsächlich wird es mitunter so sein, dass aus sozialer Verwahrlosung geborene Alkoholnot so wenig ein Gebot kennt wie jede andere auch. Dass es im Fortgang aber um “Leben auf Kosten anderer” geht, das “nicht Normalität” sein könne, das ist, damit muss der European leben, reine “Bild”-Zeitung. Es ist Hetze. Eine Hetze, die insoweit programmatisch ist, als sie eines der ältesten rechtsklassenkämpferischen Klischees überhaupt bedient: dass nämlich, wer nicht arbeitet, auch nicht arbeiten will, dass persönliche Sozialmiseren grundsätzlich selbst verschuldet sind und der Hartz-IV-Krüppel also durchaus demütig und dankbar dafür zu sein hat, wenn “die Allgemeinheit”, die geflissentlich gegen ihn in Stellung gebracht wird, ihm sein angenehmes Sofaleben finanziert. Ein Sozialstaat, der diesen Titel verdiente, beruhte nämlich auf dem solidarischen Gedanken, dass die Starken die Schwachen mittragen; was F. auftragsgemäß auf den Begriff bringt, ist der Versuch der herrschenden Klasse und ihrer Briefträger, diese Idee zu diskreditieren, vom systemischen Versagen ihrer sagenhaften FdGO abzulenken und den Unmut der wackelnden Mittelschichten auf die zu lenken, die sich nicht wehren können: “Konsequent sind deshalb schon seit Langem Begriffe wie ‘Almosen’ oder ‘Alimentation’ aus dem Sozialdeutsch getilgt. In solchen Worten ist noch die Erinnerung wach, dass es sich bei einer Reihe staatlicher Transfers im Kern eben darum handelt: um wohltätige Gaben an Bedürftige, die zu keinem eigenständigen Leben in der Lage sind. Die Frage ist allerdings, ob es wirklich so schlecht ist, hin und wieder darauf hinzuweisen, dass ein Leben auf Kosten anderer nicht die Normalität sein sollte.”

Das zu sehen braucht’s weder Marx noch Engels

Nun würde ein Blick in eines der bunten Blätter, die beim Friseur oder Zahnarzt herumliegen, genügen, um zu erkennen, wer auf dieser Welt von wem lebt: nämlich nicht die Hartz-IV-Mutti mit dem Alkoholproblem von denen, die auf Industriellenhochzeiten oder “Charity-Events” mit Geld schmeißen, das andere für sie verdienen, sondern der Hofkolumnist von der in Asien sistierten Arbeiterin, die ihm für ein halbes Butterbrot den Laptop zusammenbaut, auf dem er dann gegen just die Armut teufeln kann, die doch Bedingung für seinen Lifestyle ist. Das zu sehen braucht’s weder Marx noch Engels; ja, nicht einmal mich. Was aber – neben Volksverhetzung – ist dieser Klassenkampf von rechts? “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen” – ich hoffe, der Kollege kann damit leben, dass diese Formel vom “unnützen Esser” nur eine Moralzeigefingerbreite von seinem latent gewalttätigen Almosengewäsch entfernt liegt. Es ist nämlich, halten zu Gnaden, eine faschistische.

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