Weniger ist weniger

von Stefan Gärtner16.07.2010Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Frauen verdienen viel weniger als Männer – weil sie, so hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung herausgefunden, auch nicht mehr verdienen wollen. Selber schuld, Schwestern! Und also höchste Zeit, es mit der öden Geschlechterdebatte auch mal gut sein zu lassen – die Damen funktionieren schließlich nach Vorschrift.

Eine der raisons d’être des European ist, auszusprechen, was ist; und statt also die Ergebnisse einer Studie, wonach Frauen es okay und sogar gerecht finden, wenn sie im Schnitt 23 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, mit “einem geringeren Selbstwertgefühl von Frauen” zu erklären – “das wäre die systemkonforme Analyse, die Frauen vorzugsweise als Opfer sieht” –, wagt der European (12.7.) den doch gar nicht so fernliegenden Schluss, dass die Frau als solche auf Job viel weniger Bock hat als auf Familie und deshalb auch akzeptiert, im Büro immer hinten dran zu sein.

Männer liefern sich eine lebenslange Schlacht am Karrierebüfett

Man kann sich nämlich durchaus fragen, “ob sich in dem Gehaltsverzicht nicht eine realistische Sicht auf die eigene Leistungsbereitschaft ausdrückt, oder sagen wir lieber: den Willen zur Selbstauslieferung. Frauen verfolgen neben der Arbeit häufig noch andere Interessen, ein Leben mit Kindern und Familie zum Beispiel, auch deshalb sind ihre Berufsbiografien zwangsläufig unregelmäßiger als die ihrer männlichen Kollegen, die nur das eigene Fortkommen im Kopf haben. Es ist eine kluge und zudem lebensverlängernde Entscheidung, sich seinem Arbeitgeber nicht mit Haut und Haaren zu verschreiben; die selbstschädigenden Folgen männlicher Aufstiegssucht” – also deren schädliche Folgen, denn Folgen neigen nicht zur Autoaggression – “sind in nahezu jeder Medizinstatistik zu stressbedingten Erkrankungen ablesbar” bzw. vielleicht doch eher __an__, aber darum geht es doch auch gar nicht; sondern darum, dass der Karrierevorteil der Männer recht eigentlich ein Nachteil ist. Männer haben weder ein Interesse an Kindern, noch haben sie sonst welche außerberuflichen Neigungen, und während Frauen bereit sind, für ihre liebsten Hobbys (Kinder, Küche) Gehaltseinbußen schon dann in Kauf zu nehmen, wenn familiäres Divertissement noch gar nicht in Sicht ist, und im Bewerbungsgespräch ihre Selbstauslieferungsbereitschaft freimütig mit “na ja, so mittel halt” angeben, liefern sich Männer eine lebenslange Schlacht am Karrierebüfett und sind mit 50 tot.

Kinder sind ein Karriere- und Armutsrisiko

Frauen hingegen sind zufrieden mit dem, was sie haben, und das richtige Geld (also nicht das Taschengeld für irgendeinen Teilzeitpipifax!) kann ja auch der Mann nach Hause bringen, wenn er denn so blöd ist, nicht zu merken, einen wie feinen Lenz sich die Gattin auf seine Stresskosten macht. Frauen, mit einem Wort, liefern sich lieber dem Privatvergnügen aus, Kinder zu kriegen und großzuziehen (und manchmal sogar ohne Mann, was den Spaß noch steigert), und da wäre es ja geradezu noch schöner, wenn sie für diese geschlechtsspezifische Flause auch noch Geld bekämen! Aber wir wollen nicht sarkastisch werden. Warum Frauen finden, ihnen stehe für gleiche Arbeit weniger Geld zu, mögen bitte Sozialpsychologen klären; die kluge, lebensverlängernde Entscheidung, fürs Kind auf Geld und Karriere zu verzichten, würden Frauen vielleicht lieber gar nicht treffen müssen, so wenig wie es die allermeisten Männer tun. Kinder sind ein Karriere- und Armutsrisiko, und dieses Risiko tragen nach wie vor viel mehr Frauen als Männer. Tatsächlich ist es vernünftig, mal aufs Geld zu pfeifen und lieber auf den Spielplatz zu gehen; das gilt allerdings für beide Geschlechter. Wer mit dem geradezu antikapitalistischen Gedanken des “weniger ist mehr” aber bloß das Patriarchat rechtfertigt, der ist nicht originell, der ist bloß zynisch.

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