Honey talks

von Stefan Gärtner6.05.2011Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Es war ihr ein Bedürfnis: Die Kanzlerin freut sich, dass Bin Laden tot ist, und alle sind befremdet, irritiert, empört. Aber wenn sie’s doch nicht besser kann!

Kaum war die Nachricht, dass Bin Laden und Teile der Seinen im Kugelhagel eines US-amerikanischen Sonderkommandos ihr Leben gelassen hatten, um die Welt gegangen und war die Frage, “inwieweit das völkerrechtlich oder gar moralisch in Ordnung gewesen sei(Link)”:http://www.theeuropean.de/yascha-mounk/6553-nach-osama-bin-ladens-tod, pflichtgemäß unter „eher nicht, aber mach was dran“ abgeheftet, richteten sich die Blicke und Ohren auf die Bundeskanzlerin, die in der ihr durchaus eigenen, zwischen Naivität, Hilflosigkeit und nonchalantem Pragmatismus herumbaumelnden Diktion Folgendes herausstemmte: “„Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten.“(Link)”:http://www.youtube.com/watch?v=ff-ewCeJOmM

„Wortmissgriffe, logische Kapriolen, Verblasenheiten“

“Da war die Aufregung freilich groß(Link)”:http://www.theeuropean.de/alexander-goerlach/6548-zum-tod-von-osama-bin-laden, denn die Chefin einer christlichen Partei darf sich über den Tod eines Menschen noch weniger freuen als alle anderen. “Ihr Regierungssprecher tat sein Möglichstes, die Sache zu bereinigen(Link)”:http://www.theeuropean.de/richard-schuetze/6573-der-gerechtigkeit-genuege-tun: „Sie hat Verständnis dafür, dass derjenige, der nur diesen einen Satz gehört hat – und im Fernsehen wurde ja gerne nur mal dieser eine Satz isoliert ausgestrahlt – dass der vielleicht das Zusammenwirken der Worte Tod und Freude in einem Satz als unpassend empfunden haben mag“, ganz anders nämlich als der, der den vollen Wortlaut kannte. Also: „Ich bin heute erst einmal hier, um zu sagen: Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten. Und ich glaube, dass es vor allen Dingen auch für die Menschen in Amerika, aber auch für uns in Deutschland doch eine Nachricht ist, dass einer der Köpfe des internationalen Terrorismus, der so vielen Menschen auch schon das Leben gekostet hat, gefasst, also getötet wurde. Und damit auch nicht mehr weiter tätig sein kann. Und das ist das, was jetzt für mich zählt. Und deshalb habe ich auch meinen Respekt für dieses Gelingen dem amerikanischen Präsidenten mitgeteilt. Und das war mir auch ein Bedürfnis.“ Im Herbst 2006, ein Jahr nach Merkels Amtsantritt, zählte ein halb geschockter, halb faszinierter Eckhard Henscheid die „Wortmissgriffe, logischen Kapriolen, Verblasenheiten“ und fand kein Ende: „Es knüpft an Lübke an und hat fast Karl-Valentin-Struktur“, weswegen die Frage wäre, ob es tunlich ist oder eher aussichtslos, angesichts eines vergleichsweise kleinen Unfalls – denn circa 98 Prozent der Amerikaner freuen sich schließlich genauso, dass Bin Laden tot ist und also, auf gut Merkelsch, „nicht mehr tätig sein kann“ – gleich mit den Maßstäben gebildeter Erwachsenenrede zu kommen. Wer das hilflose Gerede derer, die vor irgendeinem Fernsehmikro ihre Meinung zu Dingen abgeben dürfen, von denen sie meist genauso wenig verstehen wie die, die das Mikro halten, gegen das Gestolpere der Kanzlerin hält, mag einen der Gründe ihres andauernden Erfolges in ihrer Volkstümlichkeit sehen: Noch die korrodierteste Phrase, das gedankenfernste Gestocher im Nebel von Semantik und Syntax wird in Merkels Kindermund zu einem Dingsda-Moment von hoher, das Paradies im Kleist’schen Sinne durch die Hintertür betretbar machenden Feierlichkeit. Unvergessen, unvergesslich ihr 2006er Auftritt in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem: „Ich bin tief beeindruckt und auch im Namen Deutschlands mit tiefer Scham erfüllt … Diese Beziehungen werden immer besondere Beziehungen in Erinnerung an die einzigartigen Vorfälle bleiben.“

Die „Süddeutsche Zeitung“ setzt noch einen drauf

Besser, verhauener, abgründiger geht es nicht; jedenfalls nicht auf der performativen Ebene. Argumentativ natürlich schon; vgl. die „Süddeutsche Zeitung“ vom 3.5.: “„Wenn man den Erfolg von Terror nur in Einheiten von Tod und Zerstörung misst, dann ist al-Qaida erfolgreich. Sie hat vor allem die Amerikaner zu furchtbaren Fehlern verleitet, die Regierung Bush erfand Guantanamo, rettete sich in Folter und einen herbeigelogenen Krieg“(Link)”:http://www.sueddeutsche.de/politik/militanter-islamismus-mythos-al-qaida-1.1092344-2 – dies alles in einer Zeitung, die gewiss nicht zögern würde, die Behauptung, der Friede von Versailles habe Deutschland zu furchtbaren Fehlern verleitet und Hitler zur Erfindung von Auschwitz, als so dämlich und geschichtsrevisionistisch abzutun, wie sie ist.

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