Zettel’s Albtraum

von Stefan Gärtner21.12.2012Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Nur Amerikaner wünschen sich zu Weihnachten ein Schnellfeuergewehr? Ich tu’s, angesichts des medial gut verborgenen Zusammenbruchs des moralischen Gesamtwertsystems, diesmal fast auch.

In meinem Kopf gibt es einen Zettel, auf dem ich über die Woche notiere, was am Freitag an dieser Stelle zu lesen sein soll. Auf diesem Zettel stand in der 51. Kalenderwoche z.B. „Skandal bei der Deutschen Bank“, wo die Bedenken der Beobachter ja zusammengefasst dahin gingen, dass eine Bank, bitte sehr, nicht bloß an den Profit denken dürfe, was eine einigermaßen schwachsinnige Beschwerde ist, denn woran soll eine Bank, zumal eine nicht-genossenschaftliche, denn sonst denken; dann, dass Deutschland, was die materielle Gleichberechtigung der Geschlechter betrifft, nur von Japan und Südkorea untertroffen wird, was die Vermutung nahelegt, dass sich unser „kurioses Volk“ (Arno Schmidt) in Sachen Frauen- bzw. Mutterbild noch genauso wenig von A. Hitler und seiner beliebten Massenpartei erholt hat wie in den Bereichen Ausländer und Judentum; und drittens, dass auch zum Jahresende der Qualitätsjournalismus unerbittlich, ja geradezu „fanatisch“ (Hitler) an seiner Rolle als Großvernebler festhält: „Es ist paradox: Obwohl die Arbeitslosenquote sinkt, sind immer mehr Menschen in Deutschland von Armut bedroht. Der Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbandes sieht mehr als 15 Prozent der Bundesbürger gefährdet – das ist der höchste Wert seit der Wiedervereinigung. Erstmals belegt eines der alten Bundesländer den letzten Platz im Ranking. Verheerend ist die Lage im Ruhrgebiet.“

Im Fernsehen wird lieber eine unfassbar idiotische Frage behandelt

Es ist, liebe „Süddeutsche“, natürlich das genaue Gegenteil von paradox,

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