Schlaflos im Gaza-Streifen

von Stefan Gärtner23.11.2012Außenpolitik, Medien

Die deutschen Medien versagen nicht bei der Berichterstattung aus Nahost, sondern bedienen zuverlässig die Affekte ihrer Kunden.

Am liebsten bin ich ja der Erste, idealerweise sogar der Einzige, aber wenn’s der Sache dient, tret’ ich gern zurück. Dass die deutschen Medien bei der Berichterstattung wieder einmal „versagen“, war vorgestern schon zu lesen: “„Im Zweifel gegen Israel“”:http://www.theeuropean.de/harnasch-david/5517-die-deutsche-berichterstattung-zu-israel – das hat aber (und jetzt komm ich) nichts mit Versagen zu tun. Versagen impliziert ja eine Absicht, es richtig zu machen: Wer ohne jede Vorbereitung in die Matheklausur geht oder absichtlich nichts gelernt hat, um es Mutti oder Dr. Klöbner, diesem Saupauker, mal zu zeigen, der versagt ja nicht. Zum Versagen gehört der gute Wille.

Professionell zerknirscht

Es dürfen Zweifel angebracht sein, dass der vorhanden ist. Als das Schießen losging, zeigten die „Tagesthemen“ hinter einer professionell zerknirscht aus der Wäsche schauenden Caren Miosga das Symbolbild, mit dem schon alles erklärt war: eine zerschossene Wand, davor ein sichtlich arabischer, Deckung suchender, verängstigter Junge. Nahostkonflikt ist, wenn palästinensische Kinder leiden, wer zuerst geschossen hat, ist da nachrangig, es sind doch noch Kinder! In der „Süddeutschen Zeitung“ wusste Korrespondent Peter Münch, dass „natürlich die zivilen Opfer, die Frauen und Kinder, von der Hamas gezielt ins Bild gesetzt“ werden, tat aber selbst nichts anderes, als auf reichlich 500 Druckzeilen die zivilen Opfer, die Frauen und Kinder, sofern aus Gaza, ins Bild zu setzen, und seine Redaktion tat der Hamas den Gefallen und illustrierte den Report mit dem sechsspaltig gedruckten ideogrammatischen Foto, das alles schon erklärte, nämlich „arabisches Kulleraugenkind in Schuttlandschaft“, Bildunterschrift: „In Gaza können die Jungen und Mädchen nicht mehr schlafen – aus Furcht, am nächsten Morgen nicht mehr aufzuwachen. Das Haus, in dem dieser Junge wohnt, wurde am Sonntag bombardiert.“ Kurzfassung: Israel bombardiert Kinder.

„Unter den Opfern sollen Frauen und Kinder sein“ – ein allzu gern verbreiteter Satz, bei dem sich nicht nur mein Kollege L. entgeistert fragt, woher solche Spekulationen stammen, wenn nicht „vom Hamas-Pressechef“, und geradezu von Glück sagen kann Israel, wenn in Tel Aviv ein Bus in die Luft fliegt, weil das mal eine Nachricht ist, die sich nicht ohne Weiteres mit minderjährigen palästinensischen Kriegsopfern illustrieren lässt.

Selten genug, dass die deutsche Presse nicht bereitwillig auf diese Züge springt, “sondern mal mitteilt, wer sie aufs Gleis gesetzt hat”:http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/propagandabilder-im-gaza-konflikt-nichts-spricht-fuer-einen-israelischen-luftschlag-11965364.html:

bq. „Da liegt ein vier Jahre altes Kind, tot, den Rücken und das Gesicht blutverschmiert, in den Armen zweier Männer: Ismail Hanija und Hischam Kandil, Hamas-Ministerpräsident der eine, ägyptischer Premier der andere. CNN, der ,Daily Mirror‘, der ,Telegraph‘, sie alle publizierten Schilderungen, Bilder, Videos von diesem Ereignis. ,Ein weiteres Opfer eines Luftangriffs‘, spricht die Off-Stimme bei CNN über diese Bilder. Ägyptens Premier küsst das tote Kind auf die Stirn. Die Bilder zeigen, wie Kandil und Hanija danach in die Videokameras schauen, ihre Arme überkreuzen und Hanija ruft: ,Das Blut klebt an unser beider Händen.‘ Das war freilich noch doppeldeutiger, als er wissen konnte. Denn vermutlich starb das Kind Mahmoud Sadallah nicht durch eine israelische Attacke, sondern durch eine Waffe der Hamas, vielleicht eine Mörsergranate oder eine Kassam. Das Palestinian Centre for Human Rights (PCHR), eine Nichtregierungsorganisation, die akribisch jeden Angriff auf Gaza verzeichnet, jede Rakete und jeden Toten mit Namen und Alter, hat den Tatort inspiziert, berichtet Associated Press. Die Krater in der Hauswand, das ganze Panorama der Zerstörung: Nichts, sagen sie, deutet zwingend darauf hin, dass es ein israelischer Luftschlag war.“

Unheimliche Stille

Die Regel ist aber, dass Zeitungen drucken und Sender senden, was Nutzer wie der „SZ“-Leser Hans-Dieter Stimpfig, Kassel, ohnehin für die Wahrheit halten: „Sind der Mauerbau im Westjordanland und die damit verbundene Enteignung palästinensischer Bauern und die Zerstörung von palästinensischem Land Verstöße des Staates Israel gegen das Völkerrecht oder nicht? Sind die Checkpoints, die Abriegelung des Gaza-Streifens, die Vertreibung von Palästinensern aus ihren Wohnungen … Verstöße gegen Menschenrechte oder hat Israel Sonderrechte? Und stimmt es, dass … bewaffnete Siedler palästinensische Bewohner terrorisieren und dabei von Israels Armee geschützt werden? Kritik an dieser Politik ist notwendig und berechtigt. Mit der Keule ,Antisemitismus‘ sollen die Kritiker zum Schweigen gebracht werden.“

Die Stille ist direkt unheimlich.

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