Schön wär die Zeit

Stefan Gärtner14.11.2012Politik

Wenn Profikasper und Amateurkasper koalieren, dann ist das mindestens eines: eine Mordsgaudi.

Wenn (womit ja leider ganz und gar nicht zu rechnen ist) Schwarz und Orange, also Union und Piratenpartei, nach der nächsten Wahl zum Deutschen Bundestag eine Mehrheit hätten und sich darauf verständigten, die Zukunft des deutschen Volkes gemeinsam ins Licht zu hebeln, dann wäre die deutsche Regierungspolitik ein einziger großer Synergieeffekt.

Zum Beispiel könnten sich Wolfgang Schäuble und der Piratenvorsitzende Bernd („Das Brot“) Schlömer darüber austauschen, wo man Geld hernimmt, wenn man keines hat: “Fast die Hälfte aller Piraten hat fürs laufende Jahr noch keine Mitgliedsbeiträge gezahlt,”:http://www.theeuropean.de/schloemer-bernd/11402-die-piratenpartei-auf-dem-weg-zur-bundestagswahl so wie, auf höherer Ebene, die deutschen Unternehmen gar nicht daran denken, den Staat, der ihnen doch gehört, auch noch zu finanzieren. Schlömer will seine Landesverbände Mahnungen verschicken lassen, Schäuble die historisch niedrigen Unternehmenssteuern unter Umständen ganz abschaffen, damit mehr Arbeitsplätze entstehen und dann die Arbeiter die Steuern zahlen – genial. Da könnte Politneuling Schlömer also noch eine Menge lernen.

Unkontrolliertes In-der-Gegend-Herumexistieren

Umgekehrt würde sich Bildungsministerin Annette („Hexe“) Schavan gewiss über “die Piratin Julia Schramm freuen,”:http://www.theeuropean.de/christoph-giesa/12293-das-buch-von-julia-schramm der die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ bereits anerkennend einen entschlossenen Hang zum „Gefasel“ attestiert hat und die als wunderbares Beispiel dafür dienen könnte, dass es auch ohne Bildung „geht“ und es weiß Gott kein richtiges Studium braucht, um sich als Politprofi, Diskursteilnehmerin („Du kannst sagen, mein Geschäftsmodell ist voll _awesome_ und hat mir voll viel gebracht und ich möchte es erhalten, und ihr Ficker, ihr macht mir das Geschäftsmodell nicht kaputt.“) und aber auch einfühlsame Lyrikerin („Der Nebel hängt tief / Kontrolle verlustiert sich / eigenwillig und stur // Die Ernsthaftigkeit lähmt / zerlegt in einzelne Teile / zerfällt in der Zweisamkeit“) hervorzutun.

Dies wiederum: Die sich stur verlustierende Kontrolle wäre dann eine furchtbare, stopp: fruchtbare Gemeinsamkeit mit Hans-Peter Friedrich (Inneres), denn während Friedrich Ausländer und Sportler auf Terrorismus beziehungsweise Hitler kontrolliert und sich dafür viel Kritik gefallen lassen muss, demonstriert Schramm, dass vollkommen unkontrolliertes In-der-Gegend-Herumexistieren ja vielleicht auch keine Lösung ist; während Friedrich wiederum von Schramms Internetkompetenz profitieren könnte, die zwar (laut Auskunft eines Parteikollegen) nur die „einer Zwölfjährigen“ ist, aber selbst als solche die des Innenministers (BTX, Pac-Man) um locker zehn Jahre übertrifft. Für einen voll viel bringenden Posten als Staatssekretärin sollte es jedenfalls reichen.

In jedem Fall müssten Sebastian Nerd (lies: Nerz) und Marina Weisband (vergleiche auch Michael Haneke, „Das weiße Band“) wieder mitmachen: diese als frisch-juvenile, vollkommen erfolglose, dafür wunderschöne Familienministerin, jener als Entwicklungshilfeaugust, der in Afrika den Bau von Datenautobahnen überwachen muss, weil er da nicht so viel kaputtmachen kann; und vielleicht auch mal ein bisschen abnimmt.

Um das Amt des Wirtschaftsministers reißen sich die Piraten, wenn es mal so weit ist, naturgemäß nicht – gerade deshalb muss man es ihnen aber aufs Auge drücken, um Antipathien von der Union abzuziehen und den Youngstern zu zeigen, wie richtige Politik geht: mit Dieter Hundt essen gehen müssen und die Rechnung bezahlen. Angelika Beer böte sich hier an, obwohl sie als gewesene friedenspolitische Sprecherin der Grünen („Bombardiert Belgrad!“) vielleicht doch besser ins Verteidigungsministerium passte, “Thomas de Maizière”:http://www.theeuropean.de/thomas-de-maiziere/11077-streit-um-den-truppenabzug-aus-afghanistan bei der Morgenlatte helfen. Morgenlage. Mensch!

Antrittsbesuch in Trekking-Sandalen

Bleiben noch Arbeit, Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz. Gesundheit interessiert die Piraten nicht, sie sind ja noch so jung, und im Internet kann man sich jederzeit den billigsten Zahnarzt heruntergoogeln; und da die meisten
 Piraten aus Berlin sind, ist das Arbeitsministerium natürlich auch nicht das richtige, hahaha! Außerdem denkt Angela Merkel nicht daran, die von der Leyen was anderes machen zu lassen, schlimmstenfalls Kanzlerin, ein Job, für den ja auch awesome Julia (Schramm) viel besser geeignet wäre (Selbsteinschätzung).

Aber Verbraucherschutz, das ginge, das muss sogar: undemokratische Urhebergebühren, betrügerische Abzock-Flats, zu hohe Hardwarepreise, das checkt die Aigner doch nie, da müssen mal Piraten ran. Aber Umwelt, das soll ruhig der Altmaier weitermachen, so viele Dicke haben die Piraten nicht, und der Nerz ist ja in Afrika; und was ein richtiger Nerd ist, der interessiert sich doch auch gar nicht für seine Umwelt. Also.

Schwarz-Orange – wer ist da blind, wer lahm? Ich säh es jedenfalls gern, besonders dann, wenn die Piraten traditionsgemäß den Außenminister stellten. “Johannes Ponader”:http://www.theeuropean.de/sebastian-pfeffer/12075-spenden-fuer-den-piraten-ponader macht seinen Antrittsbesuch in Frankreich in Trekking-Sandalen, und wenn der Hollande labert, wird ein bisschen auf dem Smartphone rumgefingert. Das ist dann sofort einen ARD-Brennpunkt wert, und die Leserbriefschreiber schäumen, deutschlandweit, wochenlang.

Schön wäre das. Zu schön.

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