An der medialen Heimatfront

von Stefan GĂ€rtner19.10.2012Außenpolitik, Medien

Black Hawk Down als deutsche Produktion? Nur noch eine Frage der Zeit, denn deutsche Kriegshelden lassen sich wieder verkaufen.

bq. „Der Krieg ist schrecklich, wie des Himmels Plagen, Doch er ist gut, ist ein Geschick, wie sie.“ (Schiller)

Das Fernsehen sagt, auf seine Weise, immer die Wahrheit. Dass Deutschland in Afghanistan nicht humanitĂ€r interveniert, einem regionalen Konflikt mit gegebenenfalls auch militĂ€rischen Mitteln begegnet oder wie immer die Verschleierungsformeln gelautet haben, wusste das Fernsehprogramm vom Mittwoch: “„Auslandseinsatz. Kriegsfilm, D 2012“(Link)”:http://www.ardmediathek.de/das-erste/filmmittwoch-im-ersten/auslandseinsatz-fsk-ab-20-uhr?documentId=12149816. Zwar war schon vorher der kriegsĂ€hnliche Einsatz am Hindukusch im Fernsehen verwurstet worden, aber da war es eher um traumatisierte Heimkehrer gegangen und also darum, wie die Heimat mit ihren Helden umgeht. NĂ€mlich im Zweifel, wie das in Fernsehfilmannoncen heißt, verstĂ€ndnislos.

Jetzt durften deutsche Soldaten (und eine Soldatin) in Afghanistan tatsĂ€chlich ĂŒber 90 Minuten Dienst tun, und es bildet das diskursive Zwischenreich, in dem sich das wehrhafte Vaterland befindet, treffend ab, dass zwar einerseits geschossen wurde, und zwar scharf, und zwar mit tödlichem Ausgang, dass der deutsche Fernsehsoldat aber ein Vorbild an Reflexion und Gewissensqual ist, der durchaus nicht weiß (und darĂŒber leidenschaftlich mit den Kameraden diskutiert), „wie sinnvoll“ sein Einsatz ist; und nach dem ersten Blattschuss erst einmal nach Luft schnappt. Ein BĂŒrger in Uniform, der das Gute will, aber von der Frage umgetrieben wird, ob er dabei vielleicht das Böse schafft.

Im Fernsehfilm „Auslandseinsatz“ ist „Krieg“ erst mal bloß Diskursmunition, die VerlĂ€ngerung jener Talkrunden, in denen die Heimatfront ĂŒber Sinn und Unsinn von KriegseinsĂ€tzen debattieren darf, und hier wie da lautet das Fazit, dass Krieg natĂŒrlich doof sei, aber hin und wieder nötig, damit am Arsch der Welt die MĂ€dchen zur Schule gehen dĂŒrfen. Die Menschen nicht im Stich zu lassen, das ist das Argument, das die junge deutsche Entwicklungshelferin wider die Zweifel ihrer Soldaten parat hat; wie recht sie hat, beglaubigt ihre EntfĂŒhrung und Ermordung durch talibanesische RĂŒbenbĂ€rte. Vorher dĂŒrfen drei Soldaten aber noch befehlswidrig ein Rettungskommando starten, das Thesen- zum Genrekino weitend; und da der moderne deutsche Soldat keine stur funktionierende Befehlsempfangsmaschine mehr ist, siegt natĂŒrlich die Moral und können immerhin zwei MĂ€dchen aus den FĂ€ngen der Taliban gerettet werden. DafĂŒr ist die unehrenhafte Entlassung aus der Bundeswehr natĂŒrlich kein zu hoher Preis, und der Vorgesetzte sagt, privat zolle er Anerkennung und Respekt. Allein, die Vorschriften!

Fast fÀngt er an zu weinen.

Was haben wir gelernt? Erstens, der Krieg ist gut, denn die geretteten MĂ€dchen können zur Schule. (In der anschließenden Talkrunde besteht der Kriegskritiker Todenhöfer darauf, das dĂŒrften afghanische MĂ€dchen sowieso, selbst unterm Taliban; unterm Russen, nebenbei, durften sie es auch schon, aber gegen den hat man die Taliban ja einst mit Waffen versorgt.)

Zweitens, wenn schon Krieg, dann doch bitte mit diesen blonden Prachtkerlen, die schon mal einen Befehl verweigern, sich beim Brunnen- und Schulbau beweisen und helfen, wo sie können, wĂ€hrend der Ami, dem das GlĂŒck afghanischer Kinder halt egal ist, ohne viel Federlesens und aus purer Einsatzraison einen afghanischen Jungen erschießt und sich deshalb auch nicht wundern muss, spĂ€ter per Selbstmordattentat in die Luft zu fliegen; statt zum besten Freund des DorfĂ€ltesten zu werden wie sein deutscher Kollege. (Man soll mit Goebbels-Vergleichen ja nicht um sich werfen, aber hier lĂ€sst es sich schwer vermeiden.)

Und drittens, dass „Krieg“ auch als zeitgenössischer in der deutschen PopulĂ€rkultur angekommen ist und auf die begleitende Talkrunde in Zukunft verzichtet werden kann: Der Binse folgend, dass auch Antikriegsfilme (oder, in unserem Fall, die „Lindenstraße“ im Tarnanzug) Kriegsfilme sind, insbesondere, wenn es Action hat und Helden, Tragik und schöne Frauen, markiert ein solcher Kriegsfilmmittwoch im Ersten als normal, was nun einmal NormalitĂ€t ist:

bq. „In meiner EinschĂ€tzung sind wir insgesamt auf dem Wege, in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer GrĂ¶ĂŸe, mit dieser AußenhandelsabhĂ€ngigkeit, auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militĂ€rischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren.“ (Horst Köhler, 2010)

Und, versteht sich, die MĂ€dchenbildung voranzubringen.

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