Ausweitung der Dampfzone

von Stefan Gärtner12.10.2012Gesellschaft & Kultur, Medien

Wer lesen will, muss fühlen: Über die freie Presse und ihren treuesten Freund.

Ich bin ja eigentlich ein Stadtmensch, und mag sein, das ist jetzt bereits eine Altersfantasie, aber manchmal, da träume ich mich unter einen Baum, hinter mir steht ein Haus, und das nächste Haus ist ziemlich weit weg, und da ich ein Mensch bin, der halbe Sachen hasst, halte ich auch keine Zeitungen mehr, das Idyll nicht zu stören.

Zwischen Ideologie und Transplantationsschieberei

Vielleicht wär’s aber auch ohne Haus und Baum kein Fehler, sich ein bisschen Abstand von der täglichen Presse zu gewähren, denn kaum hat man morgens beschlossen, der „Süddeutschen“ jetzt aber wirklich mal zu kündigen, wenn sie noch einmal das immer wieder gleich demente „scharf kritisiert“ herausphrast oder Kriegsopfer per frecher Überschrift („Ausweitung der Kampfzone“) zu Statisten im Boulevardtheater degradiert, sitzt man nachmittags mit der „FAZ“ im Zug und muss sich sogar im Feuilleton von der unvermeidlichen Regina Mönch über einen „Medizinskandal“ in der DDR informieren lassen, an dem, sowieso, die „Ideologie“ schuld gewesen ist, ganz anders als im Westen nämlich, wo vergleichbare Vorfälle, von Contergan bis zu den jüngstvergangenen Transplantationsschiebereien, sich gottlob bloß dem Profitprinzip verdanken. 50 Jahre hat die Conterganfirma Grünenthal an ihrer Entschuldigung gefeilt, und das ist wahrscheinlich die Freiheit, die Frau Mönch meint; die sich das Geifern aber trotzdem mal abgewöhnen sollte, ist auch besser für den Teint.

So geht das praktisch jeden Tag, und ohne dass man es recht merkt, läuft die nächste Sau am Frühstückstisch vorbei: Was darf ein Abgeordneter, darf eine Abgeordnete nebenraus verdienen, ohne dass er oder sie ihre Unabhängigkeit verliert, und es ist so herrlich absehbar das alles: Für die „SZ“ und ihren öden Sozialliberaldemokratismus steht die FdGO auf dem Spiel, während die „Frankfurter Allgemeine“ sich auf die Seite der Parlamentarier schlägt, die doch schließlich umso unabhängiger seien, je mehr sie irgendwo verdienten; das ist natürlich beides Quatsch, derselbe Quatsch wie die Rede vom „unabhängigen Abgeordneten“, den es nicht gibt, solange er gewählt werden will, und wenn er das ausnahmsweise nicht will, dann sitzt er mit seiner Unabhängigkeit zu Hause und nicht im Parlament.

„Erlaubnis zur Melancholie“

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