Alles Gute kommt von oben

von Stefan Gärtner6.07.2012Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Was lernt der Deutsche aus einem verlorenen Fußballspiel? Dass es ohne Führer nicht geht.

Keine Sorge, es geht nicht schon wieder um Fußball; oder nur ein bisschen. Und nur aus ganz anderen Gründen. Nach der deutschen EM-Niederlage im Halbfinale (die nur ein Zehntel so lange her ist, wie es einem vorkommt) stieg ein Ressentiment vom Dachboden, das man dort doch gut verstaut gewähnt hatte; aber dann bedauerte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, es fehle den Deutschen an „Typen“ und „Verrückten“, die solche Spiele auch mal übers Knie brächen, und “haute Günter („Delling“) Netzer via „Bild“ in seine höchstpersönliche Lieblingskerbe”:http://www.bild.de/sport/fussball-em-2012-polen-ukraine/guenter-netzer/zum-titel-fehlen-loew-persoenlichkeiten-24938438.bild.html: „Viele Trainer … loben eine flache Hierarchie. Und fördern damit die Gleichmacherei und würgen gleichzeitig die Eigeninitiative ab. Dadurch können sich keine herausragenden Persönlichkeiten entwickeln. Aber jede herausragende Mannschaft in der Geschichte des Fußballs hat überragende Persönlichkeiten gehabt. Spieler, die sich in der Not verantwortlich zeigen, die vorangehen, Präsenz und Leistung vorweisen, eine Richtung vorgeben und mitreißen.“

Eine sehr deutsche Diskussion

Freilich verloren am selben Abend die italienischen Vorzeigepersönlichkeiten mit Pauken und Trompeten gegen eine Mannschaft, deren Hierarchie so flach ist wie die Analysen des ewigen Leitwolfs Netzer; und da Papier zum Glück geduldig ist, ist der Unsinn längst vergessen, auch wenn er im Internet, bis ans Ende der Zeiten, abrufbar bleiben wird. Warum nun aber davon reden und Aufhebens machen? Weil dies, um eine Feuilletonphrase mal zu ihrem Recht kommen zu lassen, eine sehr deutsche Diskussion ist. Sollten die Presseschauen, die nach Fußballgroßereignissen zum Standard der Berichterstattung gehören, den Meinungsstand im Ausland auch nur annähernd korrekt wiedergeben, gibt es derlei nirgends sonst: Da ist nach Niederlagen der Trainer schuld, die Taktik, das Wetter, der liebe Gott, vielleicht sogar die eigene Mannschaft oder deren Gegner, der halt einfach besser war. Deutschland dagegen vermisst stets „den einzigen der hilft“: bq. Der sprengt die ketten fegt auf trümmerstätten Die ordnung, geisselt die verlaufnen heim … Er führt durch sturm und grausige signale Des frührots seiner treuen schar zum werk Des wachen tags und pflanzt das Neue Reich. Na ja, vielleicht nicht eben das Neue Reich, das sich Stefan George 1921 gewünscht hatte (und, als es dann kam, gar nicht haben wollte), sondern den starken Staat auf dem Platz, in dem von oben nach unten durchregiert wird, denn anders will’s der Deutsche nicht. Und ist das mit den flachen Hierarchien am Ende nicht sowieso Sozialismus? Und Wehrkraftzersetzung, wenn die ganzen Ausländer in der Mannschaft die Hymne nicht mitsingen? “„Inbrunst und Lautstärke des italienischen Gesangs strahlten eine Entschlossenheit und einen Gemeinsinn aus, den man den Deutschen so nicht angesehen hat.“”:http://www.sueddeutsche.de/sport/debatte-um-bundestrainer-joachim-loew-in-katar-wird-alles-gut-1.1398661-5 („SZ“)

Keine Typen, nur ausgenutzte Fehler

Die Hymne des Europameisters Spanien hat nicht mal einen Text; und so dumm und fachlich falsch diese Anwürfe sind – zu den italienischen Toren gegen Deutschland brauchte es keine Typen, da brauchte es bloß grausige, kühl ausgenutzte Abwehrfehler –: sie wird wiederkehren. Und wiederkehren. Und dafür sorgen, dass dem Deutschen nicht das Schicksal Frankreichs blüht, wo jetzt, zwecks Verflachung der Hierarchien, ein Spitzensteuersatz von 75 Prozent kommen soll. Und da sei Netzer vor.

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