Quotenfrau und Schreckschraube

von Stefan Gärtner21.10.2011Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Freiwillig ist immer besser: Das gilt fürs Steuerzahlen wie fürs Einstellen von Frauen in Spitzenpositionen.

Im Regionalexpress nach Frankfurt unterhalten sich zwei Frauen in den sogenannten besten Jahren. Beide sehen sozialdemokratisch aus – diese patente Mischung aus Elternbeirat, Kirchenchor, Bio-Gemüse und Jack Wolfskin –, aber deswegen nicht unsympathisch, und obwohl ich sozialdemokratischen Regionalbahn-Nutzerinnen über 50 in aller Regel nicht ausdrücklich zuhöre, muss ich’s natürlich, jedenfalls an der Stelle, an der es um Ursula von der Leyen geht.

Pro-domo-Politik für Gymnasiastinnen

Die Frauen mögen Ursula von der Leyen nicht, mindestens die eine nicht, die so aussieht, als hätte sie eine kranke Mutter zu Haus, und gut hörbar den Kopf schüttelt angesichts der Mitten-im-Leben-Attitüde, die von der Leyen vor sich her trägt. Im Radio sei neulich eine alte Bauersfrau gewesen, und die habe direkt gehöhnt, ja, wenn sie so viel Geld hätte wie die Frau Ministerin, dann könne sie auch Reden schwingen über Familie und Karriere und wie prima das alles vereinbar wäre. Die Bauersfrau habe gesagt, sie habe sechs Kinder großgezogen und stehe jeden Morgen um fünf auf, und wenn sie eins nicht brauche, dann das forsche Geschwätz einer Hochwohlgeborenen, berichtete die Sozialdemokratin beifällig, und ich saß daneben und nickte mit. Denn das können wir ausschließen, dass das Leben der einen (Bäuerin, sechs Kinder) mit dem der anderen (Ärztin, Ministerin, sieben Kinder) auch nur das Mindeste zu tun hat, und der “Einsatz für die Frauenquote”:http://www.theeuropean.de/debatte/5863-gendering-und-weltfrauentag in Führungsetagen, so richtig er sein mag, ist ja, genau betrachtet, auch wieder bloß Pro-domo-Politik für Gymnasiastinnen. Nun fügt es sich aber, dass mir die Leyensche fast sympathisch wird in dem Moment, wo sie der jungen Schreckschraube Kristina Schröder Paroli bietet. Die nämlich als die eventuell Dümmste, jedenfalls Naivste im Kabinett, wo es um die erwähnte Frauenquote geht, den ollen Unsinn von der “„Selbstverpflichtung“ der Unternehmen”:http://www.focus.de/finanzen/karriere/berufsleben/freiwillige-selbstverpflichtung-grosskonzerne-wollen-mehr-frauen-in-chefetagen_aid_675389.html glaubt, die sie per „Flexi-Quote“ in einen Wettbewerb um die tollsten Erfolge bei der Frauenförderung schicken will. Diese Selbstverpflichtung gibt es freilich schon eine ganze Weile, herausgekommen ist ein Frauenanteil in den Führungsetagen, den v. d. Leyen zu Recht „unterirdisch“ nennt. Er liegt unter vier Prozent. Bitte nicht missverstehen: Eher würde ich mich erschießen, als in eine Führungsetage zu wollen, und man könnte jetzt dialektisch werden und sagen, ja, sollen die Frauen doch froh sein, wenn ihnen das erspart bleibt. Aber wie man sich an den Kopf fassen kann, wenn Frauen unbedingt zur Bundeswehr möchten, und ihnen das Recht aber selbstredend nicht absprechen darf, so müssen Frauen alles dürfen, was die Männer auch dürfen, unabhängig davon, wie sinnvoll die in Rede stehende Beschäftigung ist. Unternehmen – wenn man dies der Frau Dr. (!) Schröder, die als Soziologin vom Materialismus doch zumindest mal gehört haben sollte, mal ins Stammbuch schreiben soll – sind aber nicht an Emanzipation interessiert, sondern an Zahlen, und die Männer, die für dieses Interesse einstehen, haben ihrerseits keins, sich auch noch mit Frauen um Boni und Geschäftswagen zu balgen. (Die Karrierefrauen, die es ohne Quote nach oben geschafft haben und die im Fernsehen schon vorab gegen Quotenfrauen stänkern, haben dasselbe Interesse ebensowenig.)

Erst das Fressen, dann die Moral

Es mag verschnarcht klingen, aber wir leben (trotz Merkel, v. d. Leyen und Schröder) im Patriarchat, und was die Herren nicht freiwillig abgeben, das muss man ihnen abnehmen; dass der Markt die Dinge zugunsten derjenigen regelt, die ihn beherrschen, sollte aufgefallen sein, und die lautesten Fürsprecher von Auslese und Wettbewerb sind allemal die, die ihn qua Herkunft und Geschlecht schon halb gewonnen haben. Erst kommt das Fressen, später die Moral: Selbst die als Spitzenerfolg verkaufte Elternzeit wird, wenn ich die Erfahrungen aus meiner Bekanntschaft zugrunde legen darf, von den Chefs nur widerwillig gewährt, was man verstehen kann, denn ein Mitarbeiter weniger ist ein Mitarbeiter weniger, und ich kenne keinen Mann, der länger als die gesetzliche Mindestzeit von zwei Monaten ausgesetzt hat; aussetzen konnte. Die restlichen zwölf Monate nehmen wie selbstverständlich die Frauen. Patriarchat, ich sag es ja; und da auf irgendwelche Selbstverpflichtungen zu setzen ist ein Witz, wie er einer Witzfigur wie K. Schröder nur allzu gut zu Gesicht steht. Die es überdies verantworten muss, dass uns Ursula von der Leyen für eine historische Halbsekunde ganz vernünftig vorkommt.

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