Hausmeister der Kompetenz

von Stefan Gärtner11.05.2012Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Die Bundesbildungsministerin hat ein paar Stellen ihrer Doktorarbeit kopiert? Wenn es nur das wäre: Sie hat die deutsche Universität zu einer Kopie der amerikanischen gemacht. Und zwar zu einer schlechten.

Darauf hatte die Welt gewartet: dass ausgerechnet die Bundesministerin für Bildung und Forschung erwischt würde, ihre Doktorarbeit plagiiert zu haben. Nach der üblichen, erwartbaren, den Reflexen des Tagesgeschäfts folgenden Aufregung: „Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Dagmar Ziegler, sieht die Ministerin bereits gefährdet. ,Sollten die Vorwürfe zutreffen, dann ist Frau Schavan als Ministerin, gar als Wissenschaftsministerin, nicht zu halten‘, “sagte Ziegler der „FAS“ („Bild“)”:http://www.bild.de/politik/inland/annette-schavan/die-ministerin-schweigt-und-schweigt-24000692.bild.html, dokumentierte die „Süddeutsche“ ein paar der inkriminierten Stellen, und selbst wer, wie ich, der Schavan nicht unbedingt freundlich gesinnt ist, verstand die Aufregung nicht, die sich aber auch so schnell wieder legte, wie sie aufgekommen war.

Herdackeln hinter US-Universitäten

Just zur selben Zeit hielt ein US-amerikanischer Rechtsprofessor einen Gastvortrag an einer süddeutschen Universität. Der Vortrag fand statt im universitätseigenen „House of Competence“. Der Rechtsprofessor spottete, von zu Hause kenne er bloß ein House of Pancakes. Das eine hat mit dem anderen insofern zu tun, als das nämlich das eigentliche Vergehen der Frau Dr. Schavan ist: die deutsche Universität auf den Hund gebracht zu haben, einen Hund, von dem sich die deutsche Bildungspolitik verspricht, er möchte beim Wettbeißen um internationale Spitzenforschung in erster Reihe mittun, der aber eher einem vorwitzigen Kläffer gleicht, der hinter der angelsächsischen Welt, den USA zumal, herdackelt. Es wird ein ewiges Rätsel bleiben, warum sich die deutsche Universität mit ihrer langen Tradition so gut wie überhaupt nicht gegen ihre Abschaffung gewehrt hat; und erst, als es zu spät war, zaghaft gegen Bologna muckte, ein Studium mithin, das für die breite Masse eine verschulte Ausbildung im Schnellverfahren vorsieht und Bildung im engen Sinne bloß für eine Elite, die sich um begehrte Plätze an sogenannten Exzellenzuniversitäten streiten soll. Deren Reputation, anders als die von Harvard oder Yale, aber eher verordnet als gewachsen ist, weil es in Deutschland traditionell kein Eliteuniversitätswesen gibt, weshalb man glaubt, marketingtechnisch ein bisschen auf den Putz hauen zu müssen. Umso schlimmer, wenn es auch noch schlechtes Marketing ist: House of Competence. Es ist ein Witz, und zwar ein schlechter.

Ellenbogen nach innen, Ducken nach außen

Von Churchill stammt das Wort, die Deutschen habe man entweder an der Gurgel oder zu Füßen, und es berührt peinlich, mit welch haltloser Beflissenheit in Deutschland große weite akademische Welt simuliert wird. Mag sein, die deutsche Universität war ein bisschen eingerostet, unterfinanziert, wie sie weithin gewesen ist, und mag sein, dass ein Studium nach alter Fasson, das man, jedenfalls in den Geisteswissenschaften, in überfüllten Hörsälen oder per Referatsbetrieb stillgestellten Seminaren verbrachte, auch nicht das Gelbe war. Eine Debatte darüber, ob die Mischung aus Ellbogen nach innen und Ducken nach außen, für die u.a. Schavan verantwortlich zeichnet und die selbst die „FAZ“-Bildungsredakteurin Schmoll, egalitärer Sympathien ganz unverdächtig, eine “„hohle Inszenierung von Wissenschaft“ genannt hat”:http://www.faz.net/aktuell/politik/bildungspolitik-die-bologna-blase-ist-geplatzt-1880026.html, was Besseres vorstellt, wäre allerdings noch ein bisschen nötiger als die Suche nach Dissertationen, die man unter “„Plagiat-Verdacht“”:http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/plagiat-verdacht-gegen-schavan-schavanplag-autor-im-interview-a-831459.html („Spiegel online“, dt.: Plagiatsverdacht) stellen kann.

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