E pluribus unus

von Stefan Gärtner4.03.2011Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Das deutsche Staatstheater und seine Kritiker: Auf irgendeinem Auge sind sie immer blind, und wer jetzt auf das Windei Guttenberg schimpft, der soll sich mal eine Rede von Angela Merkel anhören.

Nu’ is’ er weg, der schöne Baron, und als sei das Großdeutsche Reich schon wieder zusammengebrochen, raunte faz.net morbid vom „Tag nach Guttenberg“; es ist aber nur einer gegangen worden, der bis hin zu seiner einmalig seifigen Abgangserklärung die Regeln des Betriebs besser beherrschte als das graue Partei-Mittelmaß, das laut „Bild“-Oberferkel K. Diekmann des Freiherrn Königsmörder war.

“Dass Politik überwiegend Schauspielerei ist(Link)”:http://www.theeuropean.de/florian-keisinger/5893-doktoren-in-der-politik, wusste schon Heinrich Mann im „Untertan“, und ein ehemaliger stellvertretender Regierungssprecher namens Thomas Steg berichtete der „Süddeutschen Zeitung“, worauf es mehr denn je ankommt: „So sehr immer noch zutrifft, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt“ – hört, hört! – „so sehr spricht alles dafür, dass der Schein die Wahrnehmung bestimmt.“

Irrationale Projektionen

Was aber, so der heutige Medienberater, erst mal nicht weiter schlimm ist: „Man mag es bedauern, doch die meisten Bürger orientieren sich mehr an Personen als an Programmen. Die Personalisierung von Politik ist ein säkularer Trend. Sie ist nicht mit Entpolitisierung gleichzusetzen, denn Personen erleichtern den Zugang zur Politik und das Verständnis von Politik“ als einem Vorgang, in dem das fotogene Hampeln bei Anne Will und Maischberger von den Gemeinheiten hinter der Bühne ablenkt. „Während die meisten Politiker schon einigermaßen froh sind, als fachkundig und respektabel zu erscheinen, wurden dem fränkischen Freiherrn Aura und Ausstrahlung, Charisma und Empathie, Unabhängigkeit und Leidenschaft attestiert. Diese Eigenschaften sind Guttenberg zugeschrieben worden, ohne dass er sie tatsächlich nachgewiesen hätte. Seine phänomenale Wirkung resultierte aus den irrationalen Projektionen, die viele Menschen auf ihn gerichtet haben, wobei auch latent antidemokratische Affekte und Sehnsüchte nach einer starken und weisen Lichtgestalt mitschwingen, der man bereitwillig folgen möchte.“

Alles richtig, wobei dem fränkischen Freiherrn Aura und Ausstrahlung nicht einfach attestiert „wurden“; dass “die nationale Presse(Link)”:http://www.theeuropean.de/heribert-prantl/5887-politik-und-glamour hier sehr aktiv zugeschrieben hat, sei nicht vergessen (Stern: „Der coole Baron“). Jedenfalls (und das ist wichtig) ist mit dem Abgang des fränkischen Früchtchens das Prinzip nicht aus der Welt: Eben erst hat eine völlig unbekannte, aber wohl irgendwie gut aussehende Dame namens Katja Suding die Hamburger FDP zurück in die Bürgerschaft gebracht, ohne über viel mehr Kompetenzen zu verfügen als eine Karriere im, sic, PR-Geschäft, und die Publizistin Cora Stephan beklagt sich neuerdings in Buchform über den „Irrtum“ Angela Merkel, über den angeblichen Verfall einer Politikerin, auf die einst große Stücke zu halten doch auf der Hand lag: „Sie verzichtete auf diesen westdeutschen Betroffenheitskult und setzte als Naturwissenschaftlerin auf Argumente statt Gefühle“ – wer immer nach einem Thema für eine Abschluss- oder gar Doktorarbeit im publizistischen Fach sucht, den bitte ich hiermit dringend, das Blindgerede, die Großsuggestion, den argumentativen Selbstläufer von der “Naturwissenschaftlerin Angela Merkel(Link)”:http://www.theeuropean.de/andreas-puettmann/5892-die-cdu-und-guttenberg zu verfolgen, von der sämtliche Qualitätsmedien glauben und ab ovo geglaubt haben, sie betreibe, als „Physikerin der Macht“, eine wie auch immer mathematisch-konzise, jedenfalls nüchterne, wo nicht sogar akademisch-intellektuelle Politik.

Die Scharade der Macht

Nichts davon ist wahr, ja, wer nur irgendeinen Redebeitrag der Kanzlerin hört, weiß, dass es für derlei Annahmen nicht den allerkleinsten Anhaltspunkt gibt und nie gegeben hat; schon eher fürs gerade Gegenteil. Wer also von Projektionen und Affekten spricht, denen die Menschen, wenn der Tag lang ist, so aufsitzen, der vergesse nicht, wem sie dienen und wer dumm (oder zynisch) genug ist, sie zu nähren.

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