Die Freiheit schenk' ich mir

von Stefan Gärtner18.02.2011Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Freiheit dauert nur einen Moment – denn steht sie erst einmal in einem deutschen Leitartikel, ist sie tot.

Bei allen guten Wünschen für die arabischen Revolutionen und eingedenk des Umstandes, dass weniger schlecht meist unbedingt besser ist als schlecht: Die „Freiheit“, die seit der folgenhaften Selbstverbrennung eines tunesischen Gemüsehändlers in allen deutschen Volksempfängern (“und nicht nur da(Link)”:http://www.theeuropean.de/alexander-goerlach/5726-demokratie-in-nahost) tränenfeucht belärmt wird, ist, leider, immer dieselbe; und ihre Grenze verläuft irgendwo auf Lampedusa.

Fast wünscht man sich den Panzer zurück

Was Freiheit, „dieses durch und durch verkommene Allzweckpanzerwort der ökonomischen Tyrannen“ (Jürgen Roth), eigentlich noch bedeutet, kaum mag man’s noch ermessen angesichts des perennierenden „Roboterstils“ (Gottfried Benn) unserer Meinungsverwalter, in dem die Rede von der „Freiheit“ selbst dann noch aufgesagt und anerzogen klingt, wenn auf den Panzern schon getanzt wird; und kaum ist in situ die Heldentat vollbracht und der Tyrann verjagt und dürfen die, die Leben und Gesundheit für ein besseres Leben riskiert haben, stolz und mit allem Recht von jener „Freiheit“ schwärmen, die sie sich erstritten haben und die erst einmal die Erfahrung einer Selbstbestimmung ist, die der Westjournalist nur aus dem Fernsehen kennt, wird diese wunderbare Freiheit in unseren Kommentarspalten und Funkbeiträgen schon wieder auf den Strich geführt und so gnadenlos zu Tode gephrast, dass man sich die Panzer fast zurückwünscht. „So wie 1989 nach der DDR der ganze Ostblock ins Wanken geriet, so wird, durch Tunesien und Ägypten angefangen, die gesamte despotisch geführte arabische Welt in den Sog der Freiheit gezogen“, und nicht nur im European freut man sich schon auf die arabische „Freiheitsgeschichte“, die jener des Ostblocks entspreche und sie glücklich wiederhole. Diese besungene Freiheit weiß natürlich nichts von ostdeutschem Hartz-Elend, rumänischen Straßenkindern, russischen Sozial- und Autoritativ-Verhältnissen und einem neuerdings parafaschistischen, gleichgeschalteten Ungarn, und dass diese Art der Geschichtsschreibung der DDR, der man doch weiß Gott schon genug hintergespuckt hat, parallelisierend Despotentum unterstellt, also eine Machtkaste, die foltert und totschlagen lässt und Devisenmilliarden im Ausland bunkert, beleuchtet, dass Freiheit immer auch die Freiheit zur geschichtsbildnerischen Flunkerei einschließt.

Formatierte Rede freiwillig geschluckt

„Den Menschen giebt (sic) es gar nicht mehr, er wird zusammmengesetzt aus Redensarten, verbrauchten Floskeln, ausgewetztem Sprachschatz“ (Benn an F. W. Oelze, 10.7.49) – so hölzern und phrasig die hoheitliche Rede in der DDR auch war, so fein war das Sensorium des Ostbürgers fürs Verlogene und Schablonenhafte, während in der Freiheit (West) die formatierte Rede von „Bild“ bis „Spiegel“, von „Tagesschau“ bis „Frontal21“, meist willig geschluckt wird und genau jene die ewig selben Freiheitsschnulzen auflegen, die sich so gern über Unfreiheit verbreiten, ihre Freiheit aber praktisch nie dazu gebrauchen, mal einen Gedanken zu haben, der nicht hunderttausendmal gebraucht ist. Und, Gott bewahre, irgendwas im Ernst infrage stellt. Und solange man seinen Chef nicht „Arschloch“ nennen darf, braucht von „Freiheit“ sowieso nicht die Rede zu sein.

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