Das Märchen vom armen Mann und der guten Gabe

von Stefan Gärtner11.02.2011Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Dass Hartz IV nicht zuletzt der Kujonierung, Kriminalisierung und Demütigung der Depravierten dient, war bislang Exklusivwissen informierter Kreise. Die Hartzler jetzt öffentlich und wochenlang zu verhöhnen, ist da glatt ein Strategiefehler. Am Ende kriegt noch wer Mitleid!

Es war einmal ein armer Mann, der hatte reiche Verwandte. Diese Verwandten hatten vor Jahren, weil sie alle gute Christenmenschen und/oder Sozialdemokraten waren, beschlossen, ihren armen Verwandten zu unterstützen: Jeder sollte allmonatlich ein winziges Scherflein seines Vermögens abgeben und es dem Verwandten schenken, damit der arme Mann, der zu Hause ein Halbdutzend Mäuler zu füttern hatte, ein wenigstens annähernd menschenwürdiges, teilhabendes Leben führen könne.

Familiäre Barmherzigkeit

Einerseits war der Mann dankbar für diese Spende, die ihn mehr schlecht als recht über Wasser hielt; andererseits schämte er sich, denn er hatte ein halbes Leben lang hart in den Firmen der Verwandtschaft geschuftet und war nun krank geworden und konnte sich des Gedankens nicht erwehren, dass er ein Recht auf eine angemessene Rente hätte, schließlich wären seine Verwandten nicht halb so reich, wenn er nicht für sie jahrzehntelang den Rücken krumm gemacht hätte. Abends, wenn die Familie schon im Bett lag und der Mann stumm unter seiner Lampe saß, wurde ihm ganz elend vor Kummer und Scham, denn die Verwandten ließen es an Zeichen nicht fehlen, dass er, der Mann, ihr Geld nur ihrer Großherzigkeit zu verdanken habe, dass er ihre Zuwendungen keinesfalls als erworbenes Recht betrachten dürfe und sie, die Verwandten, ihre Zuwendungen jederzeit kürzen oder sogar ganz aussetzen dürften, wenn sie etwa Undankbarkeit oder Renitenz zu spüren bekämen. Eines Tages nun erreichte die Verwandten ein Brief des Familienpatriarchen, eines alten Richters, dem die Armut seines ärmsten Verwandten zu Ohren gekommen war und der nicht zulassen wollte, dass der Ruf seiner großen, reichen, mächtigen Familie darunter litte, dass ihr Geringster nur ein so eingeschränktes Dasein führen konnte. Er befahl seinen Verwandten, ihre Spendenpraxis noch einmal zu überdenken, denn das, was der arme Mann von ihnen beziehe, reiche ja hinten und vorne nicht. Er, der alte Richter, verlasse sich da ganz auf sie, die Verwandten, auf ihre Christlichkeit und/oder ihre Sozialdemokratie, er wolle jedenfalls in Zukunft keine Klagen mehr hören. Die Verwandten trafen sich also, unwillig zwar, aber sie trafen sich, denn der alte Richter war nicht irgendwer. „Na schön“, sagte der eine, der als Sozialdemokrat bekannt war, „soll er einen Groschen mehr kriegen, was verschlägt’s.“ „Einen Groschen? Einen ganzen Groschen?!“, rief da entsetzt eine andere, eine gute Christenfrau. „Was soll ich denn meiner Putzfrau sagen, wenn ich meinem faulen, nichtsnutzigen Verwandten einfach so einen Groschen schenke? Einen Groschen, für den sie einen Tag lang putzen muss? Da mach’ ich mir ja die Preise kaputt!“ „Wie wäre es“, schaltete sich ein Dritter ein, der als Liberaler galt, „wenn wir uns auf einen halben Groschen einigten, das ist ein halbes Bier im Monat mehr, das sollte reichen und stößt schließlich auch die Binnennachfrage an?“ „Binnennachfrage“, äffte eine Vierte ihn nach. „Diese Herrschaften saufen eh schon genug, ich finde nicht, dass wir diesen Lebenswandel unterstützen sollten.“

Joviales Geschacher

„Ein Groschen ist zu wenig“, sagte nun der Sozialdemokrat, dem der arme Mann zwar völlig wurscht war, der aber erstens dieser blöden Christenziege eins auswischen wollte und sich zweitens mit dem armen Mann gut zu stellen hatte, weil er hoffte, der arme Mann werde ihm helfen, seinen, des Sozialdemokraten, renitenten kommunistischen Nachbarn zu verprügeln, der die Äpfel, die von des Sozialdemokraten Baum in des Nachbarn Garten fielen, einfach behalten und an die Armen verteilen wollte. „Eineinhalb müssen es schon sein!“, sagte er und wischte sich jovial einen Kaviarkrümel von der Krawatte. „Niemals!“, schrie da eine andere Christenfrau (eine aus Bayern) empört, und dass das nur über ihre Leiche gehe usw. Und so ging es hin. Über Stunden, Tage, Wochen. Immer wieder mussten die Bediensteten die Champagnergläser auffüllen und frische 500-Euro-Scheine für den Kamin herankarren, und immer wenn der arme Mann davon hörte, dachte er bei sich: „Wenn meine Frau nicht wäre und die Kinder, ich würde zu euch gehen und euch sagen, was ihr mit eurem beschissenen Geld machen könnt, denn dass ich euer Geld nehmen muss, ist schon schlimm genug; aber dass ihr euch jetzt auch noch über mich lustig macht, das ist abscheulich.” Und er spuckte dreimal aus.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Die erstaunlichen Geschäfte der Greta Thunberg-Lobby

Greta Thunberg bricht mit einem Segelboot in die USA auf. Das globale Medienspektakel um die Klimaschützerin erreicht einen neuen Höhepunkt. Doch im Hintergrund ziehen Profis ihre PR-Strippen und machen erstaunliche Geschäfte.

"Ganz klar die Ausländerkriminalität."

Vor einigen Wochen stellte Friedrich Merz völlig zu Recht - aber natürlich auch völlig entsetzt - fest, dass sehr viele Polizisten und Soldaten mittlerweile Unterstützer der Alternative für Deutschland sind.

Unsere Positionen sind keineswegs AfD-nah

Gern unterstellen unsere Gegner der WerteUnion, unsere Positionen seien AfD-nah. Die Realität ist aber, dass die WerteUnion Positionen vertritt, die über Jahrzehnte unbestritten Positionen der CDU/CSU waren. Leider hat die alte Parteiführung diese Positionen in den letzten Jahren aber über Bord

Der Rest der Welt hält Deutschland für verblödet

Deutschland ist nur für kaum mehr als 1 % des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich ist, während China, der größte Emittent, vom Pariser Klimaschutzabkommen das Recht auf Steigerung seiner CO2-Emissionen eingeräumt bekommen hat. Die politisch herbeigeführte Verelendung der deutschen Bevölk

Fünf Gründe, die für die E-Mobilität sprechen

Die Absatzzahlen steigen sprunghaft. Die Batterietechnik meldet Durchbrüche. Die Produktion von E-Autos wird ab sofort in gewaltige Volumina vorstoßen. Branchenexperten sprechen vom „Take-off“ der E-Mobilität.

Warum Sie aus der Klimakirche austreten sollten

Es gibt in der Wissenschaft unterschiedliche Meinungen darüber, ob es eine allgemeine Klimaerwärmung gibt und welchen Anteil der Mensch daran hat. Diese unterschiedlichen Positionen werden von Politik und Systemmedien nicht offen diskutiert; vielmehr wird wahrheitswidrig behauptet, dass nur ein un

Mobile Sliding Menu