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Stefan Gärtner7.01.2011Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Unfallforscher haben herausgefunden: Hitler war kein Deutscher. Und kann jedenfalls mal vorkommen.

Das wurde aber auch Zeit: Endlich hat ein Ausländer, ein Brite gar, die Deutschen von der Last und Schuld befreit, für Hitler verantwortlich zu sein. “Ein britischer Historiker befindet, Hitler sei keine Ausgeburt des Deutschtums gewesen, sondern seine Antithese“, befand “ein hiesiger Kolumnist am Montag(Link)”:http://www.theeuropean.de/matthias-matussek/5302-deutsche-geschichte. “Deutsche Patrioten freuen sich über den Beistand von unerwarteter Seite.“ Die Diskussion ist so ranzig wie unnötig, denn abgesehen davon, dass 95 Prozent der heutigen Deutschen, wenn man nicht mystisch-völkisch in “Deutschtum“-Kategorien denkt, schon aus biologischen Gründen für Hitler nicht haftbar zu machen sind, holt es keinen der 50 Millionen im Zuge des “Nazi-Regimes“ (ZDF u. v. a.) vergasten, verbrannten, zersprengten, verhungerten und erfrorenen Menschen aus dem Massengrab, wenn bewiesen wäre, Hitler sei, wie die Patrioten sagen, “ein Freak-Unfall der Deutschen“ gewesen. Ein Unfall, das klingt freilich gut, denn Unfälle passieren, und niemand freut sich darüber oder zwingt gar irgendwelche Passanten, sich auf die Straße zu stellen, damit’s beim Unfall auch möglichst viele Tote gebe. Wer 50 Millionen Tote zu Opfern einer Fahrlässig- oder Unaufmerksamkeit macht und Mord in singulärer Dimension zu einer Art Trunkenheitsfahrt herabplänkelt, dem gönne ich sein prima Deutschtum von ganzem Herzen. Und tät’s ihm gern dahinstecken, wo die Sonne nie hinkommt.

Dann ist’s ja direkt egal, ob Großvater besoffen an der Grube stand

Aber auch umgekehrt wird ja kein Schuh draus: Zu behaupten, Hitler sei die unumgängliche Konsequenz aus der deutschen Geschichte, exkulpierte ja wiederum alle, die an Front und Rampe, wie ungern im Ausnahmefall auch immer, mitgetan haben. Wenn Auschwitz zwangsläufig aus dem Dreißigjährigen Krieg und Wilhelm II. (oder, immer gern genommen, Versailles) folgt, dann ist’s ja direkt egal, ob Großvater nun besoffen an der Grube stand oder nicht, dann war man’s nicht selbst, dann war es die Vorsehung. Bei der Frage nach dem Warum ist man, von Thomas Mann bis Erich Kuby, nicht ohne Grund immer wieder aufs sog. deutsche Wesen gestoßen, auf nationale Spezifika wie den lutherisch-preußischen Untertanengeist oder die unheilvoll ins Faustisch-Sendungsbewusste politisierte deutsche Romantik. Das ist aber etwas völlig anderes als die Behauptung, Hitler habe kommen _müssen_, weswegen derlei auch niemand seriöserweise behauptet; von unseren Patrioten abgesehen, die etwas brauchen, woran sich, unbedingt abwehrbereit, ihr vaterländisches Gefühl aufrichten kann.

Es bleiben dennoch tausend Fragen

Selbst wenn sie aber recht hätten und Hitler nur ein Unfall war, etwas, das sich aus dem deutschen Nationalcharakter partout nicht erklären lässt, dann bleiben trotzdem tausend Fragen: warum das deutsche Großkapital den nachmaligen Führer mit Millionenbeträgen finanziert hat; warum das deutsche Bürgertum, nach anfänglicher Reserve, überwiegend nichts gegen Aufrüstung und Großmachtpolitik hatte und das mit den Juden gern hinnahm, wenn dafür nur Versailles vergessen wäre; warum der deutsche Kleinbürger ein so begeisterter Faschist war, dass er in einer Umfrage unmittelbar nach dem Krieg den Nationalsozialismus für eine im Grunde gute Sache hielt, die bloß schlecht ausgeführt worden sei; warum nach den tausend Jahren die alten Eliten unbehelligt weitermachen durften; warum die deutsche Industrie, die mit Zwangsarbeitern Milliardengewinne machte, sich jahrzehntelang weigerte, Entschädigungen zu zahlen und schließlich nur Witzbeträge herausrückte; warum die deutschen Medien, dumme Diener, die sie sind, bis heute “die Nazis“ für Holocaust und Zweiten Weltkrieg verantwortlich machen und von “NS-Verbrechen“ reden, wo es doch deutsche Verbrechen waren. Verbrechen, von Deutschen geplant, von Deutschen ausgeführt, von Deutschen gebilligt. Und bis heute, s. o., von Deutschen relativiert.

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