Von Äpfeln und Birnen

Stefan Erhardt7.07.2011Gesellschaft & Kultur

Was denn nun? Sollen wir für den Frauenfussball andere Maßstäbe anlegen als für Männer oder auf Gleichberechtigung pochen? Beides gleichzeitig geht nicht. Dabei könnte es so einfach sein: Jedem das Seine, jeder das Ihre.

Kann _Mann_ zum Frauenfußball eine eindeutige Meinung haben? Alle männlich-medialen Hämethemen im Stil von „Wird in der Kabine vorm Spiel noch etwas Rouge aufgelegt?“ oder „Welches Schuhdesign wählt Lira Bajramaj heute?“ mal beiseite – zu konstatieren ist: Das Fußballspiel der Frauen ist ein athletisch anderes als das der Männer. Insofern nicht vergleichbar. Insofern eigenständig. Insofern haben die Frauen recht, wenn sie auf diese Unterschiede ständig mit dem Zeigefinger draufzeigen.

Nicht besser, sonders anders

Was mich dennoch stört, ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Nämlich einerseits: die Forderung, frauenathletische Maßstäbe anzulegen. Andererseits: das Fußball-Spiel nach genau denselben männerathletischen Regeln spielen zu wollen, der Gleichberechtigung wegen. Das geht genauso wenig zusammen, wie die Forderung – und das Thema läuft seltsam parallel zur Frauen-WM – Lesben und Schwule sollten vorbehaltlos akzeptiert werden; andererseits aber beharren einzelne Gruppen auf geschlossenen Communities, wollen unter sich bleiben. Frauenfußball ist auch nicht der bessere Fußball, er ist ein anderer Fußball. Kick and rush als Spielgestaltung, Zuspielbillard vor und in den Strafräumen, permanentes Bällewegschlagen, und – mein Liebling: die Hinterkopfballverlängerung eines hohen gegnerischen Balls nach hinten in die eigene Abwehr. Positiv gesagt: der Instinkt überwiegt, Technik und Taktik stehen hintan. Sind das wieder Männermaßstäbe? Es wirkt nicht wie die Frauen-Version des Fußballspiels; es ist eher die Softball-Version des Männerspiels. Die Atmosphäre in den WM-Stadien ist zweifellos eine komplett andere als bei Männerspielen: statt Schlachtgebrüll und Fäkalbeschimpfung dominiert Frohsinnslachen und Spinnenangstgekreische. Es dröhnt kein basslastiges AC/DC-Stück – vielmehr planscht James Blunt platteuphorisch durchs weite Rund. Es fühlt sich eher an wie Kindergeburtstag.

Was hast du denn gegen Frauenfußball?

Aber die Männer kapieren’s auch nicht. Wann, wenn nicht jetzt, wäre zum Beispiel endlich die Gelegenheit, bei der Berichterstattung generell mal von Zuschauerinnen zu sprechen? Ganz anders auf den Punkt gebracht hat’s diese Dame (Name dem Autor bekannt): „Was hast du denn gegen Frauenfußball? Ich hab neulich in meiner Wohnung rumgeputzt, der Fernseher war an, ein Spiel lief gerade, und dann saß ich aufm Sofa und hab zugeguckt und fand’s ganz possierlich …!“

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Die USA praktizieren den Terror

US-Präsident Trump will keinen Frieden im Nahen Osten, sondern Krieg. Aber selbst in deutschen Medien wird die gezielte Tötung des iranischen Generals Soleimani mit dem Kampf gegen den Terror gerechtfertigt. Eine besonders dreiste Lüge.

Terror von Links wird nicht bekämpft

Nach den linksterroristischen Ausschreitungen an Silvester war Leipzig-Connewitz in aller Munde und vor allem in den Schlagzeilen. Dabei ging nicht nur unter, dass es bundesweit Ausschreitungen mit Angriffen auf Polizei und Rettungskräfte gegeben hat, sondern dass auch die Thomaskirche in Leipzig d

Warum bleibt die FDP so schwach?

Zu Beginn des Jahres 2020 wird in der Innenpolitik heftig über das Werben von CSU-Chef Markus Söder für einen Umbau der Bundesregierung debattiert. Über die verhaltene Reaktion der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer. Und über die Forderung des neuen SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borj

„Kosten- und Programm-Exzesse der öffentlich-rechtlichen Sender spalten die Gesellschaft“

Die konservative Basisbewegung innerhalb der CDU/CSU setzt sich dafür ein, die Finanzierung und Programmgestaltung der öffentlich-rechtlichen Sender wieder auf deren Kernaufgaben zurückzuführen.

Die Bundesregierung muss Donald Trump die Gefolgschaft verweigern

Dritter Tag im neuen Jahrzehnt und ein Krieg mit gigantischen Folgen droht. Die US-Morde an dem Kommandeur der iranischen Quds-Brigaden Qassem Soleimani und dem Vizekommandeur der irakischen Volksmobilmachungskräfte (PMF) Abu Mahdi al-Muhandis sollen offenbar einen US-Krieg gegen den Iran vom Zaun

Frau Merkel, treten Sie endlich zurück

Vera Lengsfeld hat einen offenen Brief an die Kanzlerin geschrieben. Und bemerkt: "Alle Fehler ihrer Kanzlerschaft aufzuzählen würde den Rahmen dieser Ansprache sprengen. Deshalb seien nur die verheerendsten genannt." Welche es sind, lesen Sie hier.

Mobile Sliding Menu