USA – arm, aber beliebt

von Stefan Andersen17.10.2013Außenpolitik

Die USA machen munter weiter Schulden. Weil sie selbstbewusst sind und weil sie Freunde haben. Ganz anders als Europa.

Amerika hat Schulden, viele Schulden. Schulden: Das klingt nicht gut, jedenfalls nicht im Deutschen. Das klingt nach einem Verbrechen, an dem jemand die „Schuld“ trägt. Nach Tragödie, Drama und vielen tausend Tränen. Doch Amerika hat auch Gläubiger. Ein Wort, was ganz OK klingt, jedenfalls im Deutschen. Wir sollten in Zukunft besser sagen: Es gibt viele Menschen, die an die USA glauben.

Ein Shutdown würde hier eh nicht auffallen

Doch zunächst einmal glauben die USA vor allem an sich selbst. Denn in der „Hall of Fame“ der Gläubiger steht ausgerechnet die hauseigene Notenbank ganz oben. „Die drucken sich reich!“, meckert der DIN-genormte Standardbürger. Aber nein, das ist ganz und gar kein Grund für schnippische Sprüche. Schließlich kommt eine Nation durchaus sympathisch daher, wenn sie an ihre eigene Regierung glaubt. Wäre das in Deutschland denkbar? Ich schätze nicht! Ein Shutdown würde hier eh nicht auffallen.

Dicht gefolgt hinter der Notenbank ergänzen China und Japan die Fanbase. Wurde China nicht vor geraumer Zeit als neuer Bösewicht in einem kurz bevorstehenden kalten Krieg identifiziert? Quasi kurz vor der Mobilmachung? Da hat wohl jemand die 1,3 Billionen Dollar vergessen, mit denen China an seinen „Feind“ glaubt. Das ist kein kalter Krieg – das ist heiße Liebe. Selbst Japan, quasi ökonomisch dauerscheintot, leistet sich einen 1,1 Billionen Dollar schweren Glauben an die USA. Geld haben die Amerikaner nicht mehr viel, Freunde haben sie dafür genug. USA – arm, aber beliebt.

Geopolitisch machen die Zahlen eine Sache deutlich: Die USA blickt eindeutig in Richtung Pazifik. Nicht Europa ist den Amerikanern am nächsten. Asien ist es. Vielleicht tun sich die Amerikaner einfach leichter mit den aufstiegswilligen Asiaten als mit der alteuropäischen Haarspalterei.

Strafe der Götter Zwei-Punkt-Null

Dabei ist Europas Strategie im Umgang mit seiner eigenen Schuldenmisere der amerikanischen Lösung doch eigentlich sehr ähnlich. Der ESM mit eingebautem Shutdown-Mechanismus wirkt auf Griechenland und Co. schließlich genauso wie die FED-GOV-Kombi auf die USA: Gehen einem EU-Mitgliedstaat die Gläubiger aus, so lässt der ESM – in der Öffentlichkeit wahrgenommen als Angela Merkel – Shutdowns auf das Land regnen. Das ist der neue Blitz des Zeus, die Strafe der Götter Zwei-Punkt-Null.

Europa sollte ganz genau beobachten, wie die USA ihre fiskalischen Probleme lösen – und lernen. Insbesondere lernen, wieso die USA munter alle Jahre wieder ihr Schulden-Limit erhöhen können, ohne eine Vollsparsanierung nach griechischer Art über sich ergehen lassen zu müssen. Vielleicht findet sich Europa nicht sympathisch genug. Vielleicht traut es sich selbst nicht zu, bis in alle Ewigkeit Freunde zu finden, die an seine Zukunft glauben. Vielleicht braucht Europa gar keinen ESM, vielleicht braucht es einfach nur einen guten Therapeuten.

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