Sozial sieht anders aus

von Stefan Andersen10.04.2013Medien

Auch seine neuste Idee macht Facebook nicht sozialer. Setzt das Netzwerk nicht auf ein anderes Pferd, steigt es in die Bedeutungslosigkeit ab.

Jetzt bitte nicht weiterlesen. Bitte weitergehen, hier geht’s um nichts. Jedenfalls um nichts, was von größerer Bedeutung wäre als die Entscheidung für oder gegen Fritten zum Wiener Schnitzel. Immer noch nicht weggeklickt? Mutig. Dann halten Sie sich fest: Anfang des Monats hat Facebook sein neuestes Featurele in den Ring geworfen: Facebook Home. Es ist ein – halten Sie sich fest – Launcher für das Android-Smartphone!

Haste mal ’n Like?

Man könnte jetzt – wie so manch ein Kolumnist dieser Tage – versuchen, diese „Innovation“ in die Evolution der sozialen Netzrevolution einzuordnen, oder „Facebook Home“ einfach als das sehen, was es ist: “Ein ziemlich langweiliges Stück „Malware“”:http://www.theeuropean.de/lars-mensel/6724-facebook-home-und-die-zukunft-des-netzwerkes – im Grunde ein Fall für den Virenscanner. Selbst die nicht gerade als internetaffin bekannte Gattung der NYSE-Investoren quittiert diese unkreative Idee mit nichts Weiterem als einem „Und alle so Yeeeaah“-Kurssprung von wenigen Punkten, nur um den Kurs wenige Tage später wieder auf das alte Niveau zusammensacken zu lassen. Dabei war es nie einfacher als heute, verzweifelten Vermögensverwaltern eine mehr oder weniger revolutionäre Zukunftsvision anzudrehen.

Eigentlich darf man froh sein, dass sich Mark Zuckerberg dann doch gegen das „Facebook Phone“ entschieden hat. Die Welt braucht nicht noch ein Microsoft, das verzweifelt versucht, Hardware zu verkaufen. Mal davon abgesehen, dass dem Mark Zuckerberg für so einen großen Schritt dann doch ein ganz großes Stück schwarzer Rollkragenpullover fehlt.

Wenn ich heutzutage einen passenden Vergleich für den Zustand von Facebook suche, dann fällt mir das New York der Achtziger ein. Die halbwegs intellektuell zurechnungsfähige Schicht flieht in die moderierten Foren, der Rest vergammelt in einem Sumpf aus schlecht geshopten Statusbildchen und haut jeden an mit: „Haste mal ’n Like?“ So viel Sinnloses auf einmal gab’s zuletzt nur bei „Fritten-Manni“, meiner Stammfrittenbude vor mehr als zwei Jahrzehnten. Ich bin mir sicher, der gute Manni wäre heute Chef eines sozialen Netzwerks und würde Smartphone-Apps präsentieren. Manni Zuckerberg präsentiert „Frittenbook Home“, das wär’s gewesen.

In die Abendsonne statt ins Smartphone starren

Ganz im Ernst: Ich bin sehr froh darum, eine Facebook-App zu haben. Die kann ich öffnen und wieder schließen, eben wie mir gerade danach ist. Selbst die Push-Nachrichten kann ich halbwegs komfortabel unterbinden. Ein sozialer Startbildschirm, der mir blitzartig anzeigt, dass ich von irgendjemandem – mit dem ich mal vor Jahrzehnten zur Schule gegangen bin – irgendwohin nach Ostwestfalen-Lippe eingeladen wurde: Das will ich lieber nicht. Mein Smartphone erweitert nicht mein „Ich“ und Facebook schon gar nicht. Es ist Medienkonsum, nichts weiter. Den kann ich anstellen, mich ein paar Minuten fremdschämen, und dann auch wieder andere Dinge tun. Blumen gießen z.B., oder Kolumnen schreiben. Vielleicht auch Derivate handeln, oder einfach nur in die dunkelrote Abendsonne schauen und mich darüber freuen, dass ich nicht mitbekomme, wie der Nachwuchs meiner „Freunde“ zahnt.

Wenn im Portfolio von Facebook überhaupt etwas taugt, dann ist es das Telefonie-Feature via Voice-Over-IP. Tatsächlich ist derer Tage zu beobachten, dass Sprachkommunikation nach und nach an Bedeutung zurückgewinnt. Das mag mit der inflationären Zunahme der, im Grunde ziemlich abstrakten, Textkommunikation zusammenhängen. Die ist zwar vom Ansatz her nicht verkehrt und war lange Zeit schön günstig, ist aber einfach in vielen Fällen extrem ineffizient. Wie oft wird stundenlang Ping-Pong im Chat gespielt, um sich über einen Sachverhalt abzustimmen, der via Telefongespräch in dreißig Sekunden geklärt wäre. Facebook könnte hier in Form eines Telefonbuchs, kombiniert mit günstiger Telefoniefunktion, langfristig in Würde überleben.

Netzwerk für die Selbstaufwertung

Viel berechtigter als die Diskussion um „Facebook Home“ wäre ein Diskussion über den Begriff „Soziales Netzwerk“, und ob Facebook noch als solches zu verstehen ist. Ich kann in Facebook eigentlich nur noch ein weiteres „Orbiter-Medium“ erkennen, so wie auch Twitter eines ist. Dort überbieten sich die Accounts mit suggerierter Nähe, um andere Accounts in den Orbit ihrer Kommunikationsreichweite zu ziehen. Ob nun zur Selbstaufwertung, für den Weltfrieden oder um fragwürdige Nahrungsergänzungsmittel zu bewerben – „Sozial“ sieht für mich anders aus.

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