Schreck lass nach!

von Sophie Diesselhorst30.10.2009Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft

“Das Kabinett des Dr. Bondi” war einer der ersten Spielfilme, die Anfang der 50er-Jahre mit 3D-Technik produziert wurden. Die Horrorgeschichte um den Betreiber eines Wachsfigurenkabinetts wurde – wegen oder trotz 3D-Optik – zum Publikumserfolg.

Als “widerliche, auf bloßen Nervenkitzel angelegte Jahrmarktsattraktion” wird “Das Kabinett des Dr. Bondi” im 1963 erschienenen “Handbuch der katholischen Filmkritik” beschrieben. “Anstrengend für die Augen” sei die 3D-Optik, beklagten sich Filmbesucher. Trotzdem wurde der erste 3D-Film des Studioriesen Warner Bros. ein Erfolg: Bereit die Premiere wurde von so illustren Hollywood-Stars wie dem späteren US-Präsidenten Ronald Reagan beehrt, und “Das Kabinett des Dr. Bondi” ließ die Kinokassen, wie erhofft, wieder klingeln – der unaufhaltsame Aufstieg des Fernsehens hatte soeben begonnen, sich dort empfindlich bemerkbar zu machen. Warner Bros. setzte also auf eine neue Technik, um der Kinoflaute zu trotzen – und zog dieses Projekt mit dem eigentlich denkbar ungeeignetsten Regisseur durch: Denn André de Toth war auf einem Auge blind und konnte also selbst gar nicht räumlich sehen. Die Horrorgeschichte, die “Das Kabinett des Dr. Bondi” erzählt, spielt um 1910 in New York. Henry Bondi ist Wachsfigurenschöpfer und Mitbesitzer eines Wachsfigurenkabinetts. Sein Geschäftspartner ist nicht ganz so künstlerisch gesinnt wie er: Er meint, dass es sich eher lohnen würde, die Figuren alle einem Brand zu opfern, um die Versicherungssumme zu ergattern, als das eher erfolglose Museum weiterzubetreiben. Gesagt, getan. Bondi, den der geldgierige Brandstifter gleich mit vernichten will, überlebt und macht sich sogleich daran, ein neues Wachsmuseum aufzubauen. In einer “Kammer des Schreckens” bildet er sowohl Kriminalfälle als auch berühmte Figuren der Geschichte nach. Museumsbesucherin Sue Allen entdeckt eines Tages, dass die Figur der Jungfrau von Orleans einer verschwundenen Freundin sehr ähnlich sieht. Tatsächlich ist Bondi, der seine Wachsfiguren mehr als alles auf der Welt liebt, nach dem Brand wahnsinnig geworden und verwendet für sein neues Museum die Leichen von ihm ermordeter Menschen als Vorbild für die Figuren. Nach ihrer schaurigen Entdeckung läuft auch Sue Allen Gefahr, auf diese Weise zu einer Wachsfigur verwandelt zu werden. Sie kann jedoch in letzter Sekunde gerettet werden. Der unglückliche Bondi hingegen geht während einer den Vorfällen um Sue Allen folgenden Auseinandersetzung mit der Polizei endgültig unter – in einem Bottich mit brodelnd heißem Wachs.

3D-Wellen und -Flauten

Ein Plastiker als Hauptperson dieses Vorreiters der plastischen 3D-Technologie – symbolischer könnte es kaum sein. Mit dem 3D-Effekt wird spielerisch umgegangen, es gibt zum Beispiel eine Szene, in der länger als dramaturgisch nötig mit Bällen jongliert wird – immer wieder fliegt ein Ball in Richtung des Publikums. Der Schockeffekt, den die neue Technologie hatte, dauerte allerdings nur kurz an. Bereits Mitte der 50er-Jahre endete die erste 3D-Welle in einer 3D-Flaute, die – bis auf kurze Unterbrechungen – bis ins 21. Jahrhundert angedauert hat. 2005 kam ein Remake von “Das Kabinett des Dr. Bondi” heraus – ohne 3D-Effekte. “House of Wax” wurde ein Flop. Ob das an den nicht vorhandenen Schauspielkünsten von Hauptdarstellerin Paris Hilton lag oder daran, dass die 3D-Effekte in dieser Version fehlen, das sei dahingestellt.

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