Griechenland zeigt uns, was passieren kann, wenn man nicht rechtzeitig die Notbremse zieht. Heiko Maas

Warum Männer witzige Frauen nicht mögen

Witzige Frauen leben gefährlich. Nicht nur wildern sie in einer typisch männlichen Domäne, nein, sie bringen sich auch um potenzielle Partner. Und auch die Sprossen der Karriereleiter werden mit jeder Zote brüchiger.

Eine witzige Frau hat viele Feinde – nämlich alle humorlosen Männer. Sie dringt auf männliches Terrain vor, in eine Männerdomäne, und weil Männer extrem territorial funktionieren, ist das weder eine gute Ausgangsposition für einen Flirt noch ist es förderlich für die Karriere. Wenn ein Mann sagt, er will eine humorvolle Frau, dann meint er in den meisten Fällen eine, die über seine Witze lachen kann, niemals eine, die ihn mit ihrer quirlig, witzigen Art in den Schatten stellt. Das empfindet der durchschnittliche Mann als anstrengend.

Humor ist wahrscheinlich die Erfindung der kleinen Brillenträger. Die dicken, finanziell schlechter gestellten Männer mit starkem Haarausfall haben irgendwann erkannt, dass Witz und Charme die Chancen des Außenseiters sind, sich eine Balz-Nische zu schaffen und trotz aller körperlicher oder sozialer Benachteiligung an ein Weib zu kommen. Diese Option will sich der Geplagte nicht ausgerechnet von seinem Opfer streitig machen lassen. Denn die Frau ist in diesem Szenario eher als "die Beute" anzusehen. Das heißt, sie sollte es tunlichst vermeiden, dem mühsam um seinen Status kämpfenden Seiteneinsteiger das Leben auch noch durch allzu vorlaute Wortbeiträge zu erschweren.

In Granit geschlagene Regeln des sozialen Umgangs

Humor an sich ist eine hierarchische Sache, auch heute noch! Sie kennen bestimmt folgende Situation: Der Chef erzählt einen Witz. Alle Angestellten werden geflissentlich lauter lachen, als die Bartwickelmaschine im Keller klappern kann. Jetzt schauen wir mal, was passiert, wenn die kleine Tippse einen Witz erzählt, und damit die Frechheit besitzt, tatsächlich die Aufmerksamkeit der ganzen Gruppe auf sich ziehen zu wollen. Sie verstößt gleich gegen mehrere unausgesprochene aber in Granit geschlagene Regeln des sozialen Umgangs gleichzeitig: Frauen mit einer “Großen Klappe” signalisieren sowohl für Weibchen als auch für Männchen Gefahr.

Männchen denken: “Die will witziger sein als ich!” Und von einer Frau übertrumpft zu werden ist das größte Waterloo für das männliche Ego.

Weibchen denken: “Die will sich in den Vordergrund drängen, die meint wohl sie is’ was Besseres. Womöglich angelt die sich noch das Alphatier aus der Gruppe.” Sich den potentesten Versorger und Beschützer vor der Nase wegschnappen zu lassen ist das größte Waterloo für den weiblichen Überlebensinstinkt.

Unter Frauen bleibt man seit Jahrhunderttausenden lieber im Schutz der Gruppe und macht sich kleiner, als man ist, um Stutenbissigkeit und Zickenkriege zu vermeiden.

Das Alphatier fühlt sich auf den Schlips getreten

Außerdem darf man folgenden Nebeneffekt nicht außer Acht lassen: Erntet der Witz der kleinen Angestellten mehr Lacher als der vom Chef, fühlt sich das Alphatier auf den Schlips getreten, und derjenige, der da so laut lacht, ist quasi der Überbringer der schlechten Nachricht und wird traditionell ebenfalls geköpft. Also wird die Reaktion auf einen “Tippsen-Witz” vor versammelter Mannschaft eher ein abwertendes “Haha, sehr witzig” sein.

Die Angst vor einer solch niederschmetternden Reaktion lässt 99 Prozent der Frauen den Impuls unterdrücken, sich mit einem Witz zu exponieren und aufs Glatteis zu wagen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Mirja Boes, Horst Schroth, Beda M. Stadler.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Humor, Frau, Konkurrenzdenken

Kolumne

Medium_aa7d3091a0
von Alissia Passia
17.10.2014

Kolumne

Medium_b3ff33f52d
von Nils Pickert
12.06.2013

Kolumne

Medium_ee80644634
von Jennifer Nathalie Pyka
15.02.2013
meistgelesen / meistkommentiert