Repression im Überwachungsstaat - kommst du heute nicht, kommst du morgen

von Simone Belko8.02.2019Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Das bleierne Zeitalter bricht an: Wenn der Feinstaub zum alternativlosen Feind des Lebens wird, hat die Naturutopie des locus amoenus gesiegt. Von der ideologischen Instrumentalisierung der Wissenschaft bis zur Repression ist es nicht weit.

Sie kennen das vielleicht, wenn Sie Russland-Versteher, Gefährder oder Freak sind: Deutschsein ist ein Idealismus-Abo auf Lebenszeit. Opt-Out gibt es nur durch Emigration oder freiwilligen vorzeitigen Aufstieg in die überzeitliche Glückseligkeit. Dort ist man zwar auch nicht sicher vor den Gefahren des
locus terribilis, aber die Grenzwerte des idealen „lieblichen Orts“, den man wohl Heimat nennt, sind um einiges angenehmer.

Wenn Kindergärten teutonische Hausbesitzer in idyllischen Biogartensiedlungen produzieren, dann ist der deutsche Traum verwirklicht. Uneinheitliche Bauweisen in einer sonst homogen Stadtgegend werden gerne mal zum Untergang der Solidarkultur stilisiert, mit Dramatisierung kennen sich
die Deutschen aus. Der Deutsche geht für die Verteidigung seiner Community sogar auf die Straße (für Bürgerrechte eher nicht). Und ein falscher, weil nicht farbechter Anstrich in einer Reihenhaussiedlung hat so manchen Grundeigentümer schon in Teufels Küche gebracht. Und da sind wir dann auch sozusagen angekommen.

Eigentlich sind diese Klischees und Vorurteile über die Deutschen so altbacken und überholt, dass es gar nicht wert ist, darüber zu schreiben. Und für einen märchenhaften Sommer bei der WM 2006 im eigenen Land hatten wir geglaubt, wir wären sie los: die Deutschen konnten also doch nomadische Völkerverständigung und Frohsinn, Multikulti und Toleranz hatten gesiegt (und in der allgemeinen Euphorie fiel die Ausdehnung der Überwachung nicht weiter auf). Aber plötzlich, in der Stunde seiner größten Machtfülle seit einem brutalen Jahrhundert, kniff Deutschland den Schwanz ein und zog ihn in das ewige Loch der Ausländerfeindlichkeit zurück. Und dann schmeißt diese muckeligrückständige Nation die in 70 Jahren so mühsam erarbeiteten Verständnisse und Bedürfnisse über das selbstbestimmte Leben ganz über Bord und wirft sich kopfüber in alte Irrungen und Wirrungen. All das will sie, patriotisch aufgeklärt, ohne die Lehrsamkeiten der Wanderschaft zwischen den Horizonten erreichen: es scheint schon fast, als sei das ganze Land ein einziges Fahrverbot. Das gute Leben können die Deutschen nicht, das wusste schon Ludwig Erhard: Das höchste Heil wird zur Qual, weil es immer versucht den flüchtigen Zustand der Gegenwart fürs Tausendjährige zu zementieren. Der romantisch-pathologische Hintersinn liegt wohl doch in der DNA.

Ja, auch ich kann mich dem nicht ganz entsagen, auch durch meine Adern fließt diese eigentümliche künstliche Intelligenz. Er ist wie ein Fieber, das alte Empfindlichkeiten in eine braun-grüne Suppe kocht, nur die Gewürze haben eine andere Wirkstoffkombination. Und wer davon trinkt, weiß plötzlich nicht
mehr, wie alles einst begann… Vielleicht damit, dass hohe Arbeitslosigkeit und die Lügen einer eigennützigen und tatenlosen Elite den Volkszorn entfesselten, dem jedes Mittel Recht war, um Rache zu üben. Sind wir solidarische Nomaden oder repressive Monaden? Geschichte passiert immer jetzt, denn die Vergangenheit ist ein fremdes Land. Dorthin zu reisen ist aufwändig, und am
Ende findet man nur sich selbst.

Wie sagt der Dichter:

Das Echo der Vergangenheit, gebrochen durch Tausend Interferenzen, wird zu einem nur scheinbar chaotischen Nexus, der uns gleichzeitig Halt und Beschränkung schenkt.

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