Der jute Beutel

von Silvia Ricci1.02.2011Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Wirtschaft

Der durchschnittliche Italiener benötigt im Jahr 330 Plastiktüten. Im Schnitt benutzt er sie dann eine Stunde. Wir müssen jetzt handeln und dafür sorgen, dass zukünftig weniger als 20 Milliarden Plastiktüten jedes Jahr in Europa die Umwelt verschmutzen.

Ganz einfache Frage: Macht es wirklich Sinn, einen Gegenstand, der in etwa hundert Jahre braucht, um abgebaut zu werden, für im Durchschnitt gerade mal fünf Minuten zu benutzen? Die Antwort kann nur Nein sein. Entweder wir benutzen diesen Gegenstand länger – “oder aber wir benutzen ihn gar nicht(Link)”:http://www.theeuropean.de/klaus-rhomberg/2550-problemstoff-plastik. Und wir stellen ihn auch gar nicht erst her.

Trag eine Tasche

Mit der Initiative Porta La Sporta, zu deutsch “Trag eine Tasche”, versuchen wir seit März 2009, die Italiener zum Nachdenken zu bewegen über eines ihrer wohl schlimmsten Laster: ihre unstillbare Sucht nach umweltschädlichen Plastiktüten. Rund eine Milliarde Plastiktüten werden in Europa pro Jahr verbraucht. Und ein Viertel davon bestreitet sein schändlich kurzes Leben in Italien. Mit einem Verbrauch von 20 Milliarden Plastiktüten pro Jahr sind die Italiener die Spitzenreiter. Jeder Einzelne von ihnen benutzt im Jahr 330 Plastiktüten. Das bedeutet: Fast jeden Tag nimmt er irgendwohin eine Tüte mit! Auch sonntags – wo er doch nicht einmal einkaufen kann. Diese Plastiktüte benutzt er dann im Schnitt maximal eine Stunde, de facto sind es aber meist nur ein paar Minuten, vom Laden ins Auto, vom Auto ins Haus. Fertig. Sie müssen wissen: Bei uns gilt es als unschick, auf der Straße zu sehen, was der Nachbar heute eingekauft hat. Sonderbar, ja. Aber das kann und darf doch nicht der Grund sein, dass wir mit unserem Plastikkonsum unaufhaltsam zum Untergang unseres Planeten beitragen. Natürlich: “Die Plastiktüte ist nur ein kleiner Teil der Umwelt- und Klimakatastrophen(Link)”:http://www.theeuropean.de/peter-orth/2497-kunststoff-stiftet-nutzen, denen wir bald schon ins Auge blicken müssen. Aber sie steht geradezu sinnbildlich für die Wegwerfgesellschaft, zu der wir geworden sind.

Wir müssen sofort handeln

Fangen wir also mit der Plastiktüte an. Jeder Einzelne von uns: Versuchen wir doch einmal, auf den Gebrauch von Plastiktüten zu verzichten. Oder versuchen wir, auf den Gebrauch neuer Plastiktüten zu verzichten und alte wiederzuverwenden. Versuchen wir es – und stellen wir fest: Es geht! Seit dem 1. Januar 2011 hat die Regierung Italiens die Herstellung nicht abbaubarere Plastiktüten verboten. Bereits produzierte Tüten dürfen weiter verwendet werden. Da ich aber bezweifle, dass dieses Gesetz der Macht der italienischen und europäischen Plastikindustrie standhalten wird, ist es besonders wichtig, dass jeder Einzelne von uns selbst einsieht, dass es Alternativen zur täglichen Plastiktüte gibt. Wer sich daran gewöhnen kann, eine wieder verwertbare Tasche zum Einkaufen mitzunehmen, der kann vielleicht irgendwann auch bei seinen Einkäufen selbst darauf achten, dass sie nicht in zu viel überflüssige Verpackung gehüllt sind. Und eine Sache noch: Wir müssen sofort handeln. Keine Plastiktüten mehr – ab jetzt. Immer dran denken: Porta La Sporta. Nehmt eine Tasche mit.

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