Keine falsche Toleranz für die Feinde der Aufklärung und Freiheit! | The European

Wir brauchen in Deutschland kein zweites Paris

Sevim Dagdelen25.10.2020Europa

Nach dem Terroranschlag in Paris fordert Sevim Dagdelen: Wir dürfen die Augen vor dem zunehmenden politischen Islam nicht verschließen, nur weil die politische Rechte ihren menschenverachtenden Rassismus als Islamismuskritik tarnt.

Die Gesetze des Korans, Quelle: Shutterstock

Gegen religiösen Fanatismus – Aufklärung und Meinungsfreiheit schützen!

Der brutale Mord an dem französischen Geschichtslehrer Samuel Paty ist ein grauenvolles Verbrechen. Es darf nicht sein, dass jemand im wahrsten Wortsinne den Kopf dafür verliert, dass er sich für Aufklärung und Meinungsfreiheit einsetzt. Eine freie und pluralistische Gesellschaft muss sich vehement gegen Fanatismus und Terrorismus einsetzen – egal im Namen welcher Religion diese Verbrechen begangen werden.

In Frankreich, dem Land der Aufklärung, hat der Laizismus, die Trennung von Staat und Religion, eine besondere Tradition. Wenn in Vorstädten zunehmend islamistische Strukturen an Einfluss gewinnen, wie führende französische Islamwissenschaftler Anfang des Jahres in einer Studie festgestellt haben, muss der Rechtsstaat konsequent gegen diese radikale Minderheit vorgehen. Insbesondere in sozialen Brennpunkten müssen Kindern und Jugendlichen demokratische Werte wie Meinungsfreiheit, Menschenwürde und Toleranz vermittelt werden. Unsere Menschen- und Freiheitsrechte sind zum größten Teil gegen die Religionen erkämpft und verteidigt worden. Und auch heute gilt es oftmals die grundgesetzlich verankerte Religionsfreiheit gegen Religionsgemeinschaften durchzusetzen. Religionsfreiheit bedeutet nämlich nicht nur das Recht auf freie Religionsausübung im Rahmen der Gesetze. Religionsfreiheit beinhaltet auch das Recht, frei von Religion zu sein, diese zu kritisieren und abzulehnen, sprich die negative Religionsfreiheit. Und grundsätzlich bin ich dafür, dass Religion Privatsache bleibt und nicht immer mehr öffentlichen Raum beansprucht während die Gesellschaft auch noch insgesamt säkularer wird!

Wachsende Ungleichheit bereitet den Nährboden für Radikalisierung. Perspektivlosigkeit ist Wasser auf die Mühlen der Extremisten. Ein Staat, der sich aus dem öffentlichen Leben zurückzieht und religiösen Vereinen und Einrichtungen die öffentliche Infrastruktur gerade in benachteiligten Regionen überlässt, sollte sich nicht wunden, wenn in Folge dessen aggressive Ideologien Raum greifen und in vielen französischen Gemeinden Islamisten bereits die Lufthoheit haben. Auch in manchen Klassenzimmern ist das der Fall. Damit es in Deutschland nicht so kommt, dürfen wir die Augen vor dem zunehmenden politischen Islam und solchen Tendenzen nicht verschließen, nur weil die politische Rechte ihren menschenverachtenden Rassismus als Islamismuskritik tarnt.

Für alle Demokraten muss daher gelten: Gegen den menschenverachtenden islamistischen Radikalismus und gegen rassistische Hetze von rechts! Keine falsche Toleranz für die Feinde der Aufklärung und Freiheit!

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