Das Gerede von einer Pandemie der Ungeimpfen ist einfach falsch und irreführend | The European

Eine Impfpflicht bringt nicht viel - Immer mehr spricht gegen die Zwangsmaßnahme

Sevim Dagdelen23.01.2022Medien, Politik

Die Debatte um die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht im Kampf gegen Corona hält unverdrossen an und hat sich vom realen Geschehen entkoppelt. Immer mehr spricht gegen die Zwangsmaßnahme, immer mehr für die Wiederherstellung unserer Freiheit. Von Sevim Dagdelen.

Impfpflicht? Quelle: Shutterstock

Mittlerweile ist klar, dass sich das Corona-Virus durch eine Impfung nicht ausrotten läßt. Jedenfalls nicht mit den bisher eingesetzten Impfstoffen. Zu groß ist die Zahl der sogenannten Impfdurchbrüche, also der Ansteckungen Geimpfter mit dem Corona-Virus, bei der Omikron-Variante allemal. Und es ist vollkommen unklar, ob bei einer nächsten Virusvariante eine Schutzwirkung durch Impfungen überhaupt noch vorhanden ist bzw. wie oft man sich denn noch impfen lassen müsste. Damit entfällt aber eine wichtige Rechtfertigung für eine Impfpflicht aus medizinischer Sicht, wie wir sie etwa bei Masern oder Pocken kennen. Das heißt eine sterile Immunität und einen lebenslangen Schutz werden wir damit nicht erreichen.

Tatsächlich sorgt die nun vorherrschende Omikron-Variante für immer neue Rekordzahlen bei Corona-Infektionen. Die gute Nachricht dabei ist: Die Gefahr, im Fall einer Ansteckung schwer zu erkranken, ins Krankenhaus oder gar auf die Intensivstation zu kommen oder zu versterben, sinkt deutlich. Studien zufolge auf nur 30 bis 50 Prozent der vorherigen Delta-Variante.

Keine Frage, die Lage in den Krankenhäusern ist schwierig und die dort Beschäftigten arbeiten lange schon am Limit. Der Wegfall Tausender Intensivbetten binnen Jahresfrist ist der dramatischen Personalflucht angesichts schlechter Bezahlungen und schlimmer Arbeitsbedingungen geschuldet. Wird hier nicht endlich politisch gegengesteuert und das Gesundheitssystem für die Menschen und nicht länger für den Profit organisiert, setzt sich der Trend fort – mit oder ohne Corona, mit oder ohne Impfpflicht!

Das Gerede von einer Pandemie der Ungeimpfen ist einfach falsch und irreführend. Mittlerweile lässt sich nicht mehr bestreiten, dass auch doppelt Geimpfte und Geboosterte sich mit Corona infizieren und selbst auch andere anstecken können. Geimpfte wie Nicht-Geimpfte können Träger und Überträger des Virus sein. Wissenschaftlich abgesichert ist, dass Geimpfte weniger Gefahr laufen, schwer zu erkranken oder zu versterben. Eine Impfung hat also mehr mit Selbstschutz als mit gesamtgesellschaftlicher Solidarität zu tun, wie es im Zusammenhang mit der Impfpflicht unterstellt wird. Geimpfte schützen in aller erster Linie sich selbst, sie bleiben aber weiter potentielle Überträger des Virus. Damit ist die juristische Grundlage, mit der sich der tiefe Eingriff in das Recht auf Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit eines jeden noch rechtfertigen lässt, deutlich infrage gestellt. Zudem gibt es viele offene Fragen wie die zur Durchsetzung und Dokumentation und dem Impfintervall, was alles wesentlich ist für die Verhältnismäßigkeit einer Zwangsmaßnahme, die ich hier nicht sehe.

Verfassungsrechtler, Virologen und Mediziner, immer mehr melden Bedenken an, nicht gegen das Impfen, sehr wohl aber gegen eine Impfpflicht. Man sollte die Argumente aus der Wissenschaft ernst nehmen und nicht einfach vom Tisch wischen. Selbst der Chef der Ständigen Impfkommission lehnt sie als nicht zielführend ab, die niedergelassenen Ärzte wollen sich nicht zum Büttel machen lassen für staatliche Zwangsmaßnahmen. Das sollte auch für uns gelten. Lasst uns gemeinsam für eine gute öffentliche Gesundheitsvorsorge kämpfen, für Kliniken und Pflegeeinrichtungen, die den Menschen verpflichtet sind und nicht länger dem Profitstreben statt bei der Spaltung in gute Geimpfte und böse Ungeimpfte noch länger mitzumachen. Wer darüber nicht reden will, kann uns mit der Debatte über eine Impfpflicht gleich ganz gestohlen bleiben.

Quelle: Facebook

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