Tote Hose im Bett

von Senay Duzcu29.04.2014Gesellschaft & Kultur

Die deutsch-türkische Ehe ist am Ende. Zeit für einen Besuch beim Paartherapeuten.

Deutsche und Türken führen eine Vernunftehe. Geheiratet wurde wegen der Steuern, seitdem leben sie in einer verfahrenen Situation. Man liebt sich nicht richtig, Kinder kommen auf keinen Fall. Deutsche und Türken sind zu einem alten Ehepaar geworden, das zum letzten Mal in der Hochzeitsnacht Sex hatte.

Deswegen ist das feurigste an der Beziehung der Streit. Laufend wird gemeckert. Denn unzufriedene Menschen suchen am liebsten in ihrer Umgebung nach den Ursachen für ihre Unzufriedenheit. Eigentlich müssten sie ihr Herz öffnen, den Verstand einschalten, sich selbst ändern – aber wer sieht das schon gerne ein?

Keine Frage also, dass drei Millionen Deutsche in der Türkei jede Menge Probleme hätten. Denn wie schwierig Integration dort ist, merke ich an mir selbst. Ich wohne schon so lange in Deutschland, dass ich beim Urlaub in der Türkei Integrationsprobleme habe. Urlaub ist für Deutsche immer Arbeit, und so verreise ich mit einer To-do-Liste. Der Plan geht in der Türkei aber nie auf: Einen empfohlenen Laden gibt es plötzlich nicht mehr, ein Geschäft hat ohne Grund geschlossen. Am Ende des Urlaubes gehe ich fix und fertig nach Hause und wünsche mir Urlaub. Fünf gerade sein lassen, das musste meine Familie mir neu beibringen.

Stubenhocker jagen Parkplatzsünder

Wenn die deutschen Einwanderer so denken wie ich, würden sie also versuchen, die Türken zu belehren – egal, ob die das hören möchten. Ich verteidige Deutschland regelmäßig, wie es ein Deutscher tun würde. „Bei uns ist das aber anders“, sage ich. „Wir machen das viel logischer und sparen dabei sogar Zeit.“ Die Einwanderer würden sagen: „Wir hätten in Deutschland auf andere Weise viel mehr Geld verdient.“

Während der Industrialisierung kamen die Türken vom Land in die Stadt und brachten ihre Schafe und Kühe mit. Ähnlich machten es ihre Ahnen, als sie nach Deutschland gingen. Das deutsche Pendant zu den Schafen wären die berüchtigten deutschen Tugenden. Ein Volk von Stubenhockern auf der Jagd nach Parkplatzsündern würde natürlich auch im Ausland den Oberlehrer spielen wollen. „Nein, so macht man das nicht!“, würden sie sagen und versuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen.

Dann würden sie sich Bratwürste schicken lassen und eine Kochsendung für Deutsche im türkischen Fernsehen verlangen. Mit Satellitenschüsseln würden sie tagsüber „Frauentausch”, abends „Bulle von Tölz” gucken und sich darüber unterhalten, wie viel besser das Wetter in ihrer neuen Heimat ist. Und auf einmal würden sie unerwartete Vorteile der neuen Heimat entdecken: mehr Sex und mehr Kinder. Denn in der Türkei braucht man sich den Partner nicht schön zu trinken – für diesen Zweck gibt es manchmal Stromausfälle.

Vor allem aber wären die entstandenen Kinder viel lebendiger als in Deutschland – denn Ritalin gibt es in der Türkei nicht. Was Deutsche behandeln lassen, nennen Türken Temperament. Ich kann es kaum erwarten, dass sich deutsche Einwanderer freuen, wenn ein temperamentvolles Kind ein paar Gläser auf den Boden wirft und nur eine Sprache spricht. Vielleicht wird so aus der Vernunftehe auch wieder eine Liebesbeziehung. Wenn schon nicht romantisch, dann zumindest respektvoll.

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