Auch in Deutschland lauert der Hass

von Sebastian Sigler28.10.2018Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Pittsburgh ist das neue, schreckliche Synonym fĂŒr den Hass auf Juden, der nach wie vor eine weltweite, tödliche Gefahr darstellt. Heute stehen Entsetzen, Trauer und die Sorge um die Opfer ganz im Mittelpunkt. Morgen wird das gesellschaftliche Klima in den USA in der Ära Trump Gegenstand der Diskussion sein. Doch auch hierzulande droht die Gefahr. Und sie wird stĂ€rker.

Wer im Nachkriegsdeutschland aufwuchs, weiß genau, welch hohen Stellenwert der Schutz jĂŒdischer Gemeinden und die Unversehrtheit jedes einzelnen Menschen jĂŒdischen Glaubens hierzulande hat. Dies ist ein StĂŒck Staatsraison – kein bisschen weniger. Doch die Zahl der Menschen hierzulande, die in ihrer Jugend nicht den Geist eines vereinigten Europas in einer westlich geprĂ€gten Bundesrepublik geatmet haben, die keine Schulbildung im Humboldt’schen Geist genossen haben – sie steigt.

So konnte es passieren, dass in Bonn in diesem Sommer ein Professor jĂŒdischen Glaubens von einem Deutschen, der seine Wurzeln im islamischen Kulturkreis hat, wĂŒst geschlagen und beleidigt wurde. Die Polizei, herbeigerufen, ĂŒberwĂ€ltigt und fesselt das jĂŒdische Opfer. Das hĂ€tte 1938 geschehen können, horribile dictu. Aber es ist 2018 geschehen. Mitten in Bonn, kaum einen Steinwurf von der UniversitĂ€t entfernt.

Yitzhak Yohanan Melamed ist Professor fĂŒr Philosophie an der Johns-Hopkins-UniversitĂ€t in Baltimore, USA. Im Sommersemester 2018 war er an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-UniversitĂ€t, als Gastprofessor. Ein PalĂ€stinenser, 20 Jahre alt, griff den Israeli an, schlug ihm die Kippa mehrfach vom Kopf und beleidigte ihn schwer: „I fuck Jews!“ rief er, und: „Keine Juden in Deutschland!“ Der TĂ€ter war einige Male durch Drogendelikte aufgefallen, aber natĂŒrlich mit deutschem Pass versehen – es spricht ja auch nichts dagegen!

Ist dieser PalĂ€stinenser – offenkundig ein gewaltbereiter Araber – das Gesicht eines neune deutschen Antisemitismus? Dazu gibt es möglicherweise unterschiedliche Ansichten. Politische Parteien, deren Spitzenvertreter durch Drogendelikte auffallen, werden sich zum Beispiel schwertun, hier die Spitze eines Eisbergs zu erblicken. Was dieser arabische Kriminelle mit deutschem Pass mit einem entsetzlichen Anschlag zu tun hat? Und was hat das mit dem entsetzlichen Attentat von Pittsburgh zu tun? Darauf kommen wir gleich. Widmen wir uns zunĂ€chst kurz den Details des Anschlags von Bonn.

Einseitiges Weltbild fĂŒhrte zum fatalen Fehler

Der TĂ€ter war clever. Er hatte sich das T-Shirt vom Leibe gerissen und war getĂŒrmt, als er merkte, dass im Jahre 2018 nicht alle Deutschen Antisemiten sind und dass er nun Ärger mit der Polizei bekommen wĂŒrde. Doch er konnte unbehindert weglaufen, denn den Polizisten gelang es nicht, den Überblick ĂŒber die Situation zu bekommen. Sie stĂŒrzten sich zielstrebig auf Professor Melamed, der nach eigenen Angaben seine Kippa wieder trug. Sie warfen den Wissenschaftler auf den Boden, fixierten ihn und bedrohten ihn. Ein Bild des Professors, das unwidersprochen durch die Medien ging, zeigt einen mit voller HĂ€rte verprĂŒgelten und Ă€ußerst brutal verletzten Mann. Ein Zeuge, so berichtet der Bonner Generalanzeiger, habe den Zugriff der Polizei auf den israelischen US-Gastprofessor am Bonner Hofgarten beobachtet. Es sei ein pensionierter höherer Beamte aus Bad Breisig, dessen Namen der Redaktion bekannt sei. Dieser Zeuge sprach von einem „Àußerst brutalen Vorgehen“.

Hier gilt es bereits, einen Moment innezuhalten. Nicht diese mutmaßliche, kaum verstehbare Körperverletzung durch Bonner Polizisten ist Kern des Problems; der Radius ist weiter zu ziehen. Angesichts der Ereigniss von Pittsburgh steht die Frage im Raum, ob nicht einer bestimmten politischen Richtung hierzulande der Blick auf den weltweit wieder wachsenden Antisemitismus versperrt ist. Liegt nicht der Kern dieses Problems in einer bestimmten Weltanschauung? Da wird vor allem Israel als „faschistisch“ kritisiert, wenn sich dieser Staat mit den angebrachten Mitteln gegen die umliegenden, höchst aggressiven muslimischen Staaten wendet. Die SensibilitĂ€t dafĂŒr, dass die abendlĂ€ndische Kultur, in der wir gut und gerne leben, eine jĂŒdische Wurzel hat, ist bei TrĂ€gern dieser politischen Richtung ebenfalls deutlich unterausgeprĂ€gt – vorsichtig formuliert. Dass diese Weltsicht, und sie spezifisch „links“, mit einer Religionsfeindlichkeit einhergeht, die sich genauso gegen das Christentum wendet, steht im ĂŒbrigen auf ein und demselben Blatt geschrieben.

Die linksgrĂŒne Hypermoral: Teil des Problems

Ja, die links durchwirkte evangelische Kirche sieht offenbar ihre eigenen Feinde nicht. Zum Kummer vieler tiefglĂ€ubiger, an den Rand der Gemeinden gedrĂ€ngter Menschen ist sie der Gender-Ideologie wie auch der unreflektierten Willkommenskultur verfallen. Die heutige evangelische Kirche hat viele Personalien gemeinsam mit einer SPD, die sich als alternativlos in Sachen politischer Agenda sah, die an Histomat und Diamat glaubte und die ihr Land eisern mit einer FunktionĂ€rskaste ĂŒberzogen hat, die der roten Obrigkeit blind ergeben war. Und mit den GrĂŒnen, die ihre stĂ€rkste Wurzel mitnichten in der ökologischen Bewegung, sondern im dogmatischen Marxismus haben. Es ist dieses Klima, in dem – so hat es den Anschein – der RealitĂ€tssinn in weiten Bereichen verlorenging.

Ein wenig wandelt sich mit den Jahren das Bild – aber es wird nicht besser. Heute sind es linksgrĂŒne Hypermoralisten, die in vielen Kommunen, in einigen BundeslĂ€ndern und teils auch in der Bundespolitik den Ton angeben. Die Zeit der typischen SPD-Karrieristen wird wohl bald vorbei sein – zu schlecht steht die Sozialdemokratie in der WĂ€hlergunst. Aber genau eine solche Parteikarriere hatten die Bonner PolizeiprĂ€sidentin Ursula Brohl-Sowa sowie der NRW-Innenminister Ralf JĂ€ger vorzuweisen, die Vorgesetzten jener Beamten, die mit dem eklatanten antisemitischen Vorfall im Bonner Hofgarten heillos ĂŒberfordert waren. Horribile dictu – dies war eine Szene, wie sie zwischen 1933 und 1945 hĂ€tte stattfinden können. Und viel zu oft stattgefunden hat.

Der neue deutsche Antisemitismus spricht arabisch

So hat denn eine realitĂ€tsfernen, von Amts wegen links-grĂŒn-lutherische Weltsicht, wie sie ĂŒber Jahrzehnte vor allem in links regierten Kommunen und BundeslĂ€ndern gepflegt wurde, durchaus etwas mit dem gewalttĂ€tigen Antisemitismus weltweit zu tun. Diese Weltsicht fĂŒhrt dazu, dass die innere Sicherheit in unserem Land an entscheidenden Stellen aus dem Blick geraten ist. Die heutige Folge: Ein Instinkt fĂŒr gesellschaftliche Entwicklungen wie den neuen deutschen Judenhass, der arabisch spricht, hat sich gar nicht erst entwickeln können. HĂ€tte sich sonst ein krass antisemitischer Skandal wie der von Bonn ereignen können? Die verantwortliche PolizeiprĂ€sidentin Brohl-Sowa und der einstige Innenminister JĂ€ger sind typische Vertreter einer komplett vergewerkschafteten Beamtenklasse, die lĂ€ngst ausgedient hat.

Es ist auf den ersten Blick ein sehr weiter Weg von einem US-Amerikaner, der in einer Synagoge in Pittsburgh um sich schießt, und einem arabischen NeubĂŒrger in Deutschland, der einen Professor attackiert, weil dieser eine Kippa trĂ€gt. Die Gemeinsamkeit ist, dass beide Taten aus purem Judenhass geschahen. So sehr auch die Trauer nach dem entsetzlichen Massaker von Pittsburgh im Vordergrund steht, darf doch nicht ĂŒbersehen werden, dass auch hierzulande die Gefahr wĂ€chst. Die Zahl derer, die den Hass auf alles JĂŒdische ganz offen zelebrieren, wĂ€chst hierzulande rasant. Großer Gott, verschone uns vor einem Anschlag wie dem von Pittsburgh!

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